Neuzulassungen Deutscher Pkw-Markt bricht um mehr als ein Drittel ein

Autor / Redakteur: Andreas Wehner / Thomas Günnel

Die deutschen Kunden würde gern mehr Autos kaufen, wegen der Halbleiterkrise gibt es aber zu wenige. Entsprechend schlecht entwickelten sich die Neuzulassungen. Doch es gab auch Fabrikate mit Zuwächsen.

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Der Mangel an Elektronikchips schickt die Neuzulassungen im Oktober auf Talfahrt.
Der Mangel an Elektronikchips schickt die Neuzulassungen im Oktober auf Talfahrt.
(Bild: Wehner/kfz-betrieb)

Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland sind im Oktober aufgrund der Chipkrise um 34,9 Prozent zurückgegangen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte, wurden im Oktober knapp 179.000 Fahrzeuge neu registriert. Von Januar bis Oktober waren es insgesamt 2,2 Millionen. Das entspricht nach zehn Monaten einem Minus von 5,2 Prozent.

Der Grund für den Rückgang sind die Produktionsengpässe aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Elektronikchips. „Wir befinden uns gerade auf dem Höhepunkt der Krise“, sagt Peter Fuß, Autoexperte beim Beratungsunternehmen Ernst & Young. „Vor allem im Volumensegment zeigen sich die massiven Folgen des Mangels an Bauteilen.“

Er geht davon aus, dass sich bis Jahresende die Situation nicht verbessern wird: „Wir rechnen nun nur noch damit, dass in diesem Jahr in Deutschland etwa 2,6 Millionen Neuwagen verkauft werden – ein Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und um gut ein Viertel gegenüber 2019.“

Das enorm reduzierte Produktionsvolumen stelle Hersteller, Zulieferer und Autohandel vor enorme Probleme: „Die Herausforderung besteht nun darin, bei stark gedrosselter Produktion und massiv sinkenden Verkaufszahlen die Lieferketten nicht reißen zu lassen und keinen der Partner zu verlieren. Gerade für kleinere Zulieferer ist die aktuelle Situation extrem schwierig zu managen.“

E-Autos im Plus, Plug-in-Hybride verlieren

Weiter deutlich im Plus sind die Elektroautos – auch wenn die Wachstumsdynamik nachließ. So kletterte der Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge im Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 32 Prozent. Im September war der Elektro-Absatz noch um 59 Prozent gewachsen, im August um 80 Prozent. Die Neuzulassungen von Plug-in-Hybrid-Modellen gingen sogar um 4,5 Prozent zurück.

„Der Chipmangel trifft inzwischen auch das Elektro-Segment, das Absatzwachstum wurde massiv ausgebremst. Aber angesichts eines insgesamt sehr schwachen Marktes reicht es immer noch für einen Rekord-Marktanteil“, sagt Fuß. Insgesamt waren 30,4 Prozent der neu registrierten Pkw im Oktober mit einem Stecker ausgestattet.

Mittelfristig werden sich die Absatzzahlen bei elektrifizierten Neuwagen deutlich nach oben entwickeln, erwartet Fuß: „Das Wachstum bei elektrifizierten Neuwagen könnte sehr viel stärker ausfallen, wenn die Hersteller lieferfähig wären. Somit verlagert sich ein Teil des Absatzes ins kommende Jahr.“

Elektroauto-Marken mit deutlichen Zuwächsen

Trotz der insgesamt stark rückläufigen Neuzulassungen verbuchten einige Fabrikate teils deutliche Zuwächse – teilweise aber auch aufgrund einer schwachen Performance im Vorjahresmonat. Das größte Plus wies das KBA im Oktober für den Elektroautobauer Tesla aus. 482,9 Prozent betrug der Zuwachs. Mit Polestar (+84,7 Prozent) und Smart (+13 Prozent) legten zwei weitere E-Auto-Fabrikate immerhin noch zweistellig zu.

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