Elektromobilität

Die Antriebsstrategie des PSA-Konzerns: Elektro für alle

| Autor / Redakteur: Peter Maahn/SP-X / Svenja Gelowicz

Für reine Elektroautos hat PSA eine weitere Plattform (CMP) entwickelt, die aber auch konventionelle Antriebe wie Benzin oder Diesel aufnehmen kann.
Für reine Elektroautos hat PSA eine weitere Plattform (CMP) entwickelt, die aber auch konventionelle Antriebe wie Benzin oder Diesel aufnehmen kann. (Bild: PSA)

Der französische PSA-Konzern will ab nächstem Jahr für jedes neu erscheinende Modell auch eine elektrifizierte Version anbieten. Dabei spielt die neue Tochterfirma Opel eine zentrale Rolle: PSA-Elektro-Chef Alexandre Guignard hat nun seine Pläne verkündet.

„No“, sagt Monsieur Alexandre Guignard, „wir haben nichts verschlafen. Unsere elektrifizierten Modelle kommen genau zur richtigen Zeit“. Höflich, aber bestimmt wehrt er sich gegen den Vorwurf, dass sein Arbeitgeber sehr spät dran ist, wenn es um den Einstieg ins Elektrozeitalter geht. Guignard ist leitender Vizepräsident beim PSA-Konzern, zu dem die Marken Peugeot, Citroën, DS und Opel/Vauxhall gehören und verantwortlich für alles, was beim zweitgrößten Automobilhersteller in Europa unter Strom stehen wird.

Jetzt präsentierte der Manager in Sochaux am Rande der Vogesen den Zeitplan für die fünf Marken. Ab 2019 soll jedes neu erscheinende Modell des Konzerns auch mit einer Elektro-Version angeboten werden. Eine Agenda, den die leidgeprüften Opel-Werker im gut vier Autostunden entfernten Rüsselsheim gerne hören. Sie sind mitten drin im Geschehen, Teil der Zukunftsstrategie, die bis ins Jahr 2025 reicht. Es geht im nächsten Jahr schon los, wenn auch der Opel Grandland X als Plug-In-Hybrid an den Start geht.

SUV mit Allradantrieb

Wie seine Schwestermodelle Peugeot 3008, Citroën C5 Aircross und DS 7 Crossback E-Tense 4x4 bekommt er eine Kombination aus Benzinmotor mit bis zu zwei E-Triebwerken. Der konventionelle 1,6-Liter-Turbo trägt dabei mit 147 kW/200 PS zum Antrieb bei. Er wird ergänzt durch zwei Elektromotoren, die je 80 kW/110 PS liefern. Da einer davon ausschließlich für den Antrieb der Hinterachse zuständig ist, ergibt sich ein SUV mit Allradantrieb.

Nach neuer Verbrauchsnorm WLTP reichten die beiden Batterien mit zusammen 103 kWh aus, um auch den Opel praxisnahe 50 Kilometer weit rein elektrisch zu bewegen. Aufgeladen werden die Akkus entweder durch Energierückgewinnung bei Bremsen, Rollen oder Bergabfahrten, aber bei Bedarf auch durch den Benziner. Sinnvoller ist das „Tanken“ aber an der Steckdose.

Die Kurzstrecke ist elektrisch

Bei einer Wallbox mit einem 6,6-kW-Ladegerät sind die Batterien nach 90 Minuten wieder voll einsatzbereit. Vier Stunden dauert es mit einem 14-Ampere-Stromanschluss. An der „normalen“ Steckdose vergehen gut sieben Stunden. PSA-Elektrochef Alexandre Guignard rechnet vor: „Da die meisten Kunden wochentags nur Kurzstrecken zurücklegen, können viele Fahrten, zum Beispiel ins Büro und zurück, rein elektrisch bewältigt werden.“

Dank der Systemleistung von 220 kW/300 PS ermöglicht das SUV-Quartett eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h (135 km/h rein elektrisch) und einen Spurt auf 100 km/h in 6,6 Sekunden. Die Durchzugskraft liegt mit mehr als 450 Newtonmetern auf dem Niveau starker Diesel. Der Verbrauch von 2,2 Litern Benzin auf 100 Kilometer wurde ebenso nach der neuen Norm gemessen wie der CO2-Ausstoß von 49 Gramm. Gute Werte, die von anderen Herstellern mit dieser Technik ebenfalls erreicht werden. Wenn denn der Fahrer mitspielt und seine Batterien immer wieder auflädt.

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Sichtbare Kennzeichnung für den E-Betrieb in Städten?

Ein Problem vor allem in künftigen Innenstadtbereichen, die nur abgasfrei befahren werden dürfen: Woran ist von außen zu erkennen, ob der Plug-In-Hybrid wirklich mit abgeschaltetem Verbrennungsmotor unterwegs ist? Um keine schlafenden Hunde zu wecken, verrät ein PSA-Manager nur hinter vorgehaltener Hand seine Gedankenspiele. Es sei damit zu rechnen, dass die Behörden eine von außen sichtbare optische Kennzeichnung für den E-Betrieb der Hybridautos fordern werden. „Es ist kein Problem für uns zum Beispiel mit farbigen Zusatzleuchten die jeweilige Antriebsart anzuzeigen. Wir sind darauf vorbereitet“.

In gut einem Jahr soll das erste Modell mit dieser Technik auf den Markt kommen. Gestartet wird mit dem Spitzenmodell des Trios, dem DS7 Crossback, Opel und die beiden anderen SUV sollen dann schnell folgen. Während der noble DS nur mit Allradantrieb unterwegs sein wird, werden die anderen Modelle auch mit Frontantrieb zu haben sein. Auf den E-Motor an der Hinterachse wird verzichtet, der Benziner leistet dann 132 kW/180 PS und wird durch den 80 kW/110 PS starken Front-Stromer ergänzt.

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Für die Plug-in-Hybride hat PSA eine eigene Plattform mit der Bezeichnung EMP2 entwickelt. Auf ihr können konventionelle Modelle mit Verbrennungsmotor und die Zwitter-Versionen gebaut werden. Dabei wird der vordere, recht schmale E-Motor lediglich hinter dem Acht-Gang-Automatikgetriebe befestigt. Bei den Allradern kann die Antriebseinheit mit dem zweiten Elektromotor von unten in wenigen Minuten eingesetzt werden. Die ersten Test-Bänder stehen bereits im Peugeot-Werk in Sochaux.

Baureihen-Chef Olivier Salvat: „Dieses von uns entwickelte Verfahren spart Zeit und Geld und ermöglicht es uns, schnell darauf zu reagieren, was die Kunden gerade bestellen“. Er verrät, dass auch das neue Peugeot-Flaggschiff 508 mit Plug-In-Hybrid versehen wird, allerdings zunächst nur mit der Frontantriebsvariante.

Für reine Elektroautos hat PSA eine weitere Plattform (CMP) entwickelt, die aber auch konventionelle Antriebe wie Benzin oder Diesel aufnehmen kann. Erster Nur-Stromer wird im nächsten Jahr der kompakte DS3 Crossback sein. Hier kooperieren die Franzosen mit dem staatlichen Autokonzern Dongfeng aus China, der mit 14 Prozent der Anteile an PSA beteiligt ist. Davon soll auch der neue Opel Corsa profitieren.

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