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Fahrbericht DS 3 Crossback: Schick alleine reicht nicht

| Autor: Jens Scheiner

Auffallen um jeden Preis und dabei noch gut aussehen. Das ist das Kredo der französischen Nobelmarke DS. Ob der DS 3 Crossback hält was sein Äußeres verspricht, zeigt unser Test.

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Der DS 3 Crossback fällt nicht zuletzt wegen seiner Imerial Gold Lackierung auf. Wir haben das SUV in der „Performance Line“ getestet.
Der DS 3 Crossback fällt nicht zuletzt wegen seiner Imerial Gold Lackierung auf. Wir haben das SUV in der „Performance Line“ getestet.
(Bild: Jens Scheiner/»Automobil Industrie«)

Während der DS 7 Crossback und der DS 9 mit einem relativ schlichten Design vorfahren, geht die Linienführung des DS 3 Crossback in Richtung Haute Couture – auffallend, polarisierend und alles andere als praktisch.

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So sorgt bereits der erste Blick auf unseren Testwagen für mächtig Aufsehen: Die Imperial Gold Lackierung, die 18-Zoll großen Leichtmetallfelgen und die versenkbaren Türgriffe sind ein Hingucker. Daneben fallen besonders die eigenwillige Linienführung auf mit schwungvoll gezeichneten Linien auf der Motorhaube, die sanft geformten Kotflügel sowie ein markanter Knick in der Seitenflanke. Die Haifischflosse in der seitlichen Fenstergrafik trägt ebenfalls zu dem avantgardistischen Design bei, schränkt aber nicht nur den Fahrer in seiner Sicht nach hinten extrem ein, sondern versperrt auch den Fondpassagieren den Blick nach außen.

Kleines SUV mit viel Präsenz

Daneben sticht auch der massive Kühlergrill mit den spitz zulaufenden Technologie-Vitrinen, wie sie DS liebevoll nennt, hervor. Dabei sehen die Matrix-LED-Scheinwerfer nicht nur gut aus, sondern schneiden auch den Gegenverkehr sowie vorausfahrende Autos zuverlässig aus dem Lichtkegel des Fernlichts. Das bullige Heck mit den in Chrom gefassten und extrem schmalen Heckscheinwerfern, die sich bis weit in die Seitenpartie ziehen, verleihen dem kleinen SUV deutlich mehr Präsenz.

Nähert man sich dem Fahrzeug mit dem Schlüssel in der Tasche, fahren die versenkbaren Türgriffe heraus und machen den Weg frei für einen extravaganten und verspielten Innenraum: Neben hochwertig verarbeitetem Alcantara-Leder auf dem Armaturenbrett sowie den Türverkleidungen ist der Innenraum gespickt mit Alu- und Chromelementen in Rauten- bzw. Diamantoptik. Wie beispielsweise die ungünstig platzierten Fensterheber in der Mittelkonsole oder die sauber klingenden Lautsprecher im Fond des optionalen Hi-Fi-Systems von Focal.

Komfort und Kunststoff

Unterhalb der Handschuhfachhöhe und somit außerhalb des Blickfeldes herrscht hingegen Hartplastik-tristesse. Insgesamt ist aber die Materialauswahl vielfältig gewählt und die Verarbeitung des Premiumanspruchs entsprechend gut. Daneben sind die Sitze unseres Testwagens in der „Performance Line“ mit einem hübsch anzuschauenden Stoff überzogen, der sich gut anfühlt. Der Sitzkomfort des Sportgestühls sowohl vorne als auch hinten ist tadellos, selbst auf längeren Strecken.

Dagegen sind die Platzverhältnisse speziell im Fond stark eingeschränkt, auch weil es keine verschiebbare Rücksitzbank gibt, um noch ein paar Zentimeter vom Kofferraum abzuknabbern. Dieser ist mit 350 Litern auf Kleinwagenniveau und bietet genügend Platz für einen Wochenendeinkauf. Für einen Familientrip in die Berge reicht das Kofferraumvolumen hingegen nicht aus.

Macht aber nichts, denn der DS 3 Crossback fühlt sich in der Innenstadt sowieso am wohlsten. Tiefe Parkhauseinfahrten, enge Gassen und Parklücken sollten dem 4,12 Meter kleinen SUV entgegenkommen, sollte man meinen. Leider ist die Sicht durch die Haiflosse, die breite C-Säule und die coupé-förmige Dachlinie nach hinten stark eingeschränkt. Erschwerend kommt hinzu, dass auch eine Rückfahrkamera in unserem Testwagen gefehlt hat.

Designbrüche und hakelige Bedienung

Dafür hat der Fahrer uneingeschränkten Blick auf das 10,3-Zoll-Touchscreen, das auf dem Armaturenträger thront und dessen Auflösung gestochen scharf ist. Gleiches gilt für das digitale Kombiinstrument im 7-Zoll-Format sowie dem Head-up-Display, dass mit der Plastikscheibe sogar nicht in das moderne Designkonzept der Franzosen passen will.

Auf der Mittelkonsole befindet sich ein Mosaik aus Touch-Schaltern für die wichtigsten Anwendungen. Allerdings brauchen die einzelnen Touchfelder exakte Fingertreffer, was während der Fahrt so gut wie nie auf Anhieb gelingt. Ein haptisches Feedback gibt es auch keines, das macht die Bedienung zudem wenig benutzerfreundlich. Hinzukommt, dass etliche Funktionen in Untermenüs vergraben sind. Dadurch wird man gezwungen länger mit dem Blick auf dem Touchscreen zu verweilen als auf der Straße.

Assistenten mit Schwächen

Das Volant hingegen ist erfrischend entschlackt von der sonst üblichen Flut an Schaltern und Knöpfen. Allerdings hätten sich die Ingenieure einen weiteren Knopf getrost sparen können, nämlich den für die Sprachassistentin. Denn die nette Dame am anderen Ende der Leitung hat leider kaum einen Befehl fehlerfrei ausgeführt: Entweder hat sie uns einen grauenvollen Radiosender eingestellt oder uns in eine falsche Straße geschickt.

Die Verkehrsschilderkennung wiederum, die Teil des optionalen Fahrerassistenz-Pakets ist, hat erstaunlich zuverlässig die richtigen Tempolimits wiedergegeben. Auch der Spurhalteassistent hat das Crossover sicher in der Spur gehalten, aber manchmal etwas abrupt in die Fahrbahnmitte gezogen, wenn man mal wieder etwas länger auf das Display gestarrt hat. Ein bisschen mehr Feingefühl wäre schön gewesen. Daneben hat die automatische Distanzregelung ACC den Abstand zum Vordermann souverän gehalten und wenn nötig heruntergebremst. Selbst bis Tempo 170 km/h hat das System einwandfrei funktioniert.

Drehfreudiges Aggregat mit Ausdauerproblemen

Das kleine, aus dem neuen Opel Corsa bekannte 1,2-Liter-Aggregat, das in unserem Testwagen 96 kW/130 PS leistet, ist bei hohem Reisetempo auf der Autobahn genau wie die Wind- und Fahrbahngeräusche deutlich vernehmbar. Das ändert sich allerdings im Stadtverkehr: Typisch für einen Dreizylinder knurrt er anfangs zwar, reagiert aber spontan und kraftvoll auf Gasbefehle. Das Fahrzeug schiebt dabei kräftig von der Ampel weg und vermittelt mit zunehmender Stadtgeschwindigkeit ein komfortables Geräuschbild.

Die Achtgang-Automatik schaltet zügig und sanft durch die Gänge. Lediglich beim Kickdown wirkt sie mitunter etwas überfordert und verliert dadurch etwas an Vortrieb. Der Sprintwert von 8,2 Sekunden auf Tempo 100 ist für einen 1,3 Tonner in Ordnung, allerdings geht ab 150 km/h der Vortrieb abhanden und man benötigt eine Weile um die 180-km/h-Marke zu knacken. Den Angriff auf die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h haben wir erst gar nicht gewagt.

Der gemütliche DS 3 Crossback

Wie so oft steigt bei hohem Tempo der Benzinkonsum sprunghaft an, da ist auch der DS 3 keine Ausnahme: Während sich das Crossover im Stadtgetümmel bei einem Verbrauch von rund 6,7 Litern eingependelt hat und sich außerorts mit 5,9 Litern zufrieden gibt, erhöht sich der Bedarf an Superbenzin auf der Autobahn auf stolze 9,6 Liter.

Dass der DS 3 Crossback im Herzen ein Stadtflitzer ist, zeigt sich an seiner komfortablen Fahrwerksabstimmung: Kopfsteinpflaster, Temposchweller und kleine Schlaglöcher federt der Franzose sanft ab. Die leichtgängige Lenkung macht das Manövrieren in langsam gefahrenen Kurven zum Kinderspiel. Fährt man allerdings etwas dynamischer in die Kurven fängt das Fahrzeug an zu untersteuern, es neigt sich deutlich und man verliert so ein bisschen den Fahrbahnkontakt. Zwar gibt es einen Sportmodus, aber die Einstellungen an Lenkung und Fahrwerk ändern sich beim Aktivieren nur marginal. Heißt: Der Franzose ist einer für die Flaniermeile, sowohl was das Fahrwerk als auch die Optik betrifft.

Preislich in einer Liga mit Audi und Mini

Mit seinem vornehmen und zugleich eigenwilligen Ambiente sowie einigen Technikfeatures hat er Premium-Konkurrenten wie den Audi Q2 oder den Mini Countryman ins Visier genommen. Die beiden spielen in einer ähnlichen Preisliga wie der von uns getestete DS 3 Crossback, der mit diversen Extras für 36.490 Euro zu haben ist.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE