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Wirtschaft Einigung bei Audi – 9.500 Stellen fallen weg

| Autor / Redakteur: Sven Prawitz / Maximiliane Reichhardt

Audi will im Rahmen seines Sparprogramms „Audi Zukunft“ 9.500 Stellen abbauen. Der Automobilhersteller will so sechs Milliarden Euro einsparen und peilt damit eine zweistellige Rendite an.

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Audi will mehr Geld in die Produktion von Elektroautos stecken.
Audi will mehr Geld in die Produktion von Elektroautos stecken.
(Bild: Audi)

Vorstand und Arbeitnehmervertreter bei Audi haben sich auf eine Grundsatzvereinbarung im Rahmen eines Zukunftspakts verständigt. Neben einer Beschäftigungsgarantie bis Ende 2029 enthält die Vereinbarung einen Abbau von insgesamt 9.500 Stellen bis zum Jahr 2025. Gleichzeitig plant Audi bis zu 2.000 Stellen für Experten in Bereichen wie E-Mobilität und Digitalisierung zu schaffen.

Manager müssen gehen

Sechs Milliarden Euro soll der Sparkurs in die Kassen spülen, die eine Zielrendite von neun bis elf Prozent sowie Investitionen in Elektrifizierung und Digitalisierung ermöglichen sollen. Die Vereinbarung trete zum 29. November in Kraft und gelte für die kommenden zehn Jahre. Der Stellenabbau soll entlang der demografischen Kurve durch Fluktuation und ein neues Vorruhestandsprogramm geschehen. Im Management findet nach Unternehmensangaben ein prozentual gleichwertiger Abbau statt. Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung sei auch, eine wirtschaftliche und zukunftssichere Auslastung zu ermöglichen. Die jährliche Kapazität in Ingolstadt wird daher auf 450.000 Fahrzeuge und in Neckarsulm auf 225.000 ausgelegt – und das bei einer optimierten Produktion.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat Audi im vergangenen Jahr in Ingolstadt noch 491.000 Fahrzeuge und in Neckarsulm 186.000 Fahrzeuge produziert. Dabei liegen die Kapazitäten der beiden Werke laut Spiegel bei 600.000 bzw. 300.000 Fahrzeuge.

Fonds für E-Autoproduktion

Eine langfristige Zukunftsperspektive sollen künftige Elektromodelle garantieren, die in beiden Werken gebaut werden. Der Standort Ingolstadt bereitet sich aktuell auf die Produktion von Elektrofahrzeugen vor. In Neckarsulm fährt ab 2020 der vollelektrische Audi E-Tron GT vom Band. Auch die anderen Fertigungslinien werden schrittweise für die Elektromobilität umgerüstet. Bis 2025 sollen insgesamt 300 Millionen Euro in den zweckgebundenen Fonds „Elektrifizierung Neckarsulm“ fließen, der die notwendigen Baumaßnahmen zur Fertigung von Elektrofahrzeugen am Standort Neckarsulm absichert. Wie der Umbau in Neckarsulm im Detail erfolgt berichten wir in der aktuellen Ausgabe der »Automobil Industrie« sowie auf unserer Internetseite.

Jahrelanges Missmanagement

Das nun vereinbarte Sparprogramm verdeutlicht nochmal die Abwärtsspirale der VW-Tochter in den vergangenen Jahren. Seit dem Dieselskandal war das Management bei Audi zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft München hat allen voran Rupert Stadler bis zu seiner Ablösung versucht, eine korrekte Aufarbeitung der Ereignisse um die Betrugssoftware zu behindern. In diese Zeit fällt die Umstellung auf das Prüfverfahren WLTP, die bei Audi äußerst chaotisch ablief – vielen Modellen fehlte monatelang die Zulassung.

Die Modellpalette ist mittlerweile technologisch veraltet – die einstigen Verkaufsschlager A3, A4 und A6 hinken ihren Konkurrenten meilenweit hinterher. Deshalb liegen momentan große Hoffnungen auf Markus Duesmann, der im Frühjahr 2020 endlich seinen Dienst bei Audi antreten darf. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich Duesmann im Konstrukt der Volkswagen AG schlägt.

Ergebnisbeteiligung und Pensionsrückstellung

Die nun vereinbarten Einsparungen werden wohl erst nach Abschluß des Stellenabbaus ihre volle Wirkung erziehlen. Sollte Audi dennoch an die finanziellen Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen, soll sich die durchschnittliche Ergebnisbeteiligung der Mitarbeiter auf dem Niveau der Vorjahre bewegen. Liegt das operative Ergebnis des Audi-Konzerns signifikant über dem der Vorjahre, wird über die Verwendung des darüber liegenden Betrags verhandelt. Darüber hinaus will das Unternehmen die betriebliche Altersvorsorge ab 2021 verbessern und dafür zusätzlich jährliche Pensionsrückstellungen in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro bilden.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Technikjournalist