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Wirtschaft Entwicklungsdienstleister und Corona: Mit Homeoffice und Kurzarbeit gegen die Krise

| Autor: Svenja Gelowicz

Viele Unternehmen in der Autobranche arbeiten gerade auf Sparflamme, Produktionen stehen still. Auch bei manchen Entwicklungsdienstleistern steht jetzt Kurzarbeit an. Wie geht es der Branche? Wir haben nachgefragt.

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Die Automobilindustrie fährt wegen der Corona-Pandemie ihre Produktion herunter.
Die Automobilindustrie fährt wegen der Corona-Pandemie ihre Produktion herunter.
(Bild: Porsche)

Die großen Autohersteller und Zulieferer haben ihre Fertigung heruntergefahren, teilweise für mehrere Wochen. Das wirkt sich nicht nur auf die Sublieferanten aus.

»Automobil Industrie« hat sich bei den Entwicklungsdienstleistern umgehört.

Auswirkungen der Produktionsstopps auf EDL

ASAP-Chef Michael Neisen sagt, von den Produktionsstopps der Autohersteller sei sein Unternehmen in einzelnen Bereichen unmittelbar betroffen, zum Beispiel bei produktionsnahen Dienstleistungen. „Nach aktuellen Schätzungen gehen wir von starken Beeinträchtigungen für die Auftragslage und das gesamte Geschäftsjahr 2020 aus. Die Herausforderung werden wir mit der gesamten Belegschaft jedoch gemeinsam meistern und die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmensgruppe weiterhin sicherstellen können.“

Während das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich gewesen sei, müsse man die positiven Prognosen für das laufende Jahr „merklich nach unten revidieren“.

Von Akka wiederum heißt es, aktuell sei es wegen der dynamischen Entwicklung zu früh, eine Prognose hinsichtlich der Auswirkungen abzugeben.

Wir müssen vorerst auf Sicht fahren.

Peter Fintl

Peter Fintl, Director of Technology & Innovation, Communication bei Altran, sagt: „Die entscheidende Frage ist, wie lange die Unterbrechung dauert und ob die Krise kurz und heftig erfolgt oder mit einem langfristigen Verlauf gerechnet werden muss.“ Als Innovationsdienstleiter sei Altran primär an den Zukunftsprojekten der Kunden beteiligt. Derzeit laufe zunächst alles normal weiter. „Das Wichtigste ist, dass wir es gemeinsam schaffen, den Anstieg der Fallzahlen zu bremsen und so rasch die Coronakrise zu meistern. Bis dahin müssen wir auf Sicht fahren“, so Fintl.

Unabhängig von Covid-19 wäre der Druck auf die Branche insgesamt bereits sehr groß gewesen, die Pandemie verschärfe sie. Das würde die Hersteller dazu veranlassen, neue Kooperationen einzugehen – um Kosten zu senken und Produkte und Services schneller auf den Markt zu bringen. „Insgesamt wird sich die Entwicklung trotzdem weiter globalisieren – der Kostendruck ist einfach zu hoch“, glaubt Fintl.

Ein Sprecher von IAV sagt: „Von den Fertigungstopps vieler Hersteller sind wir als Entwicklungs-Partner nicht direkt betroffen.“ Gerade jetzt wolle man die Kunden unterstützen.

Auch vom Engineering-Dienstleister Edag heißt es, man sei nur indirekt von den Produktionsunterbrechungen betroffen. Die „gesamte Bevölkerung und auch unsere Volkswirtschaft befindet sich in einer Ausnahmesituation“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Rahmenbedingungen änderten sich in sehr kurzen Zeiträumen. Der Schutz der Mitarbeiter habe oberste Priorität.

Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Ereignisse sind wir alle gefordert, auf Sicht zu fahren. Über Instrumente wie Kurzarbeit, die sicherlich hilfreich sind, werden wir dann entscheiden, wenn dies die Situation erfordert“, heißt es weiter von Edag. Die Situation und deren Auswirkungen würden aktuell evaluiert.

Engineering-Dienstleister: Kurzarbeit

Nicht nur Edag denkt über Kurzarbeit nach. Zeiträume mit Umsatzeinbrüchen könnten dank Kurzarbeit ohne Entlassungen überbrückt werden, heißt es weiterhin von Bertrandt. „Die Ausweitung der Coronavirus-Pandemie hat ein Ausmaß angenommen, das wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringt und auch vor Bertrandt nicht Halt macht.“

Die Möglichkeiten zu Kurzarbeit würden aktuell geprüft. Um die besten Lösungen für alle Parteien zu finden, würden Gespräche mit den Agenturen für Arbeit geführt. Als rein präventive Maßnahme hat Bertrandt, soweit die Voraussetzungen vorliegen, bereits Kurzarbeit angemeldet, um für den möglichen Einsatzfall vorbereitet zu sein.

Auch ASAP will Kurzarbeit als Maßnahme nutzen, um die wirtschaftliche Stabilität der Gruppe weiterhin zu sichern.

EDL: Mitarbeiter im Homeoffice

Der Entwicklungsdienstleister mit Hauptsitz in Gaimersheim orientiert sich am Robert-Koch-Institut hinsichtlich Quarantäne-Regelungen. Mitarbeiter arbeiten derzeit wenn möglich mobil. In Tätigkeitsbereichen in denen das nicht möglich ist, wie in den Prüflaboren, würde in separierten Teams oder im Schichtsystem gearbeitet. Meetings und Reisen zu den ASAP-Standorten oder zu Kunden würden durch Skype-Konferenzen ersetzt.

„Mit diesen Maßnahmen stellen wir sicher, dass laufende Aufträge ohne Beeinträchtigungen für die Kunden bei gleichzeitigem Schutz der Mitarbeiter weiterhin erfüllt werden“, sagt Geschäftsführer Michael Neisen. Mitarbeitende vereinzelter Bereiche, die unmittelbar von Werksschließungen der Hersteller betroffen sind, befinden sich zunächst in Kurzarbeit.

Ein Sprecher der IAV teilte mit, die Coronakrise sei natürlich auch für sein Unternehmen eine „außergewöhnliche Herausforderung“, man habe sich jedoch rechtzeitig darauf vorbereitet. Ein Großteil der Mitarbeiter sei in „Mobilarbeit produktiv“ und „voll einsatzfähig“. Für die Mitarbeiter, die an den IAV-Standorten oder den Betriebsstätten der Kunden aktiv sein werden, treffe man die „bestmöglichen Schutzvorkehrungen“.

Notfallpläne und Arbeitsmodelle

Auch bei Bertrandt arbeiten derzeit viele von zuhause. Für einen vollständigen Shutdown habe man Notfallpläne erarbeitet. Für Teams, die persönlich anwesend sein müssen, habe man Separierungsmaßnahmen getroffen.

Ähnlich sieht es bei Altran aus. Das Arbeitsmodell habe man nahezu vollständig auf Homeoffice umgestellt, Mitarbeiter in Laboren helfe man mit verschiedene Maßnahmen, Abstand voneinander zu halten.

Meetings und Dienstreisen würden wiederum bei Edag ausschließlich durch virtuellen Austausch kompensiert, mobile Arbeit sei ebenfalls ein Instrument. Akka wiederum unterstütze Kunden an den Standorten oder aus dem Homeoffice.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin