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Zulieferer Hintergrund: Turbulente Wochen bei ZF

| Autor: Sven Prawitz

Gestern Abend musste Stefan Sommer seinen Vorstandsposten bei der ZF Friedrichshafen AG räumen. Bereits seit einigen Wochen gibt es im Umfeld des Zulieferers Streit um die künftige Ausrichtung des Unternehmens.

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Dr. Stefan Sommer (links) und sein Interimsnachfolger Dr. Konstantin Sauer bei der Bilanzpressekonferenz im März 2017.
Dr. Stefan Sommer (links) und sein Interimsnachfolger Dr. Konstantin Sauer bei der Bilanzpressekonferenz im März 2017.
(Bild: Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen)

Nun musste Dr. Stefan Sommer doch gehen. Zu groß waren die Differenzen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat der ZF Friedrichshafen AG. Erst vergangene Woche hatte Giorgio Behr freiwillig seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender geräumt. Im Handelsblatt wurde er mit der vielsagenden Aussage „Ich möchte einer Verjüngung des Aufsichtsrates nicht im Wege stehen sowie anderen möglichen Veränderungen“ zitiert. Auch der langjährige Leiter der zentralen Forschung und Entwicklung, Harald Naunheimer, ist dem Richtungsstreit bei ZF zum Opfer gefallen. Auslöser der Auseinandersetzung sollen Sommers Übernahmepläne für den Zulieferer Wabco gewesen sein. Der Aufsichtsrat lehnte den geplanten Zukauf unter anderem mit den Stimmen der Eigentümer- und Arbeitnehmervertreter ab.

Bürgermeister mit großem Einfluss

Das Besondere bei ZF: Die Zeppelin Stiftung hält 93,8 Prozent der ZF-Aktien. Träger der Stiftung wiederum ist die Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister somit einen Sitz im Aufsichtsrat hat. Besonders zwischen Stefan Sommer und OB Andreas Brand soll es zuletzt große Differenzen zur künftigen Ausrichtung des Unternehmens gegeben haben.

Die Schwäbische Zeitung zitiert OB Brand mit den Worten: „Sowohl der Zeppelin-Stiftung wie auch der Ulderup-Stiftung ist es wichtig, dass sich die ZF Friedrichshafen AG wieder so schnell wie möglich auf die Herausforderungen der Zukunft konzentrieren kann.“ Zu einer Danksagung und Wünsche für die berufliche Zukunft konnte man sich im Rathaus anscheinend nicht durchringen. Andreas Brand wurde im März 2017 für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt und kann somit aus einer politisch starken Position heraus den Machtkampf für sich entscheiden. Stefan Sommer stimmte einer sofortigen Auflösung des Vertrages, der erst 2016 verlängert wurde, zu.

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 Sven Prawitz

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Technikjournalist