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Elektromobilität ID 3 und Co.: Der Sound der Stromer

| Autor/ Redakteur: Peter Maahn/SP-X / Jens Scheiner

Seit Sommer dieses Jahres müssen neu auf den Markt kommende Elektroautos einen speziellen Sound entwickeln, um vor allem Fußgänger auf sich aufmerksam zu machen. Dafür kreieren Hersteller künstliche Töne – einer arbeitet sogar mit bekannten Komponisten zusammen.

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Im Soundlabor werden Töne für E-Autos komponiert.
Im Soundlabor werden Töne für E-Autos komponiert.
(Bild: Volvo)

Pontis Larsson könnte auch in einem Musikstudio sein Geld verdienen. Er hat dicke Kopfhörer auf dem Kopf, starrt auf seinen Computermonitor und beobachtet zuckende Linien. So schaffen die Profis neue Töne, die kein Instrument der klassischen Art erzeugt. Larsson mischt hier keinen Soundtrack zusammen, der sich später dann in der Hitparade hocharbeitet. Sein oberster Arbeitgeber ist auch kein Musikproduzent, sondern der Chef einer Autofabrik. Und die Klänge, die der Schwede mit flinken Händen auf vielen Reglern seines Pults heraustüftelt, sollen später im richtigen Leben Menschenleben retten.

Larsson erklärt: „Seit Sommer ist es Pflicht, dass neue Autos mit Elektromotor oder einem Plug-in-Hybrid-Antrieb Töne von sich geben müssen, die zum Beispiel Fußgängern oder Radfahrern als Warnung dienen. Die Regeln dafür sind in den verschiedenen Regionen zwar ähnlich, aber eben doch unterschiedlich.“ Im Göteborger Soundstudio von Volvo zeigt er, mit welchen Paragrafen er sich herumschlagen muss. In Europa und China zum Beispiel muss das Geräusch in einem hörbaren Bereich von 40 bis 60 Dezibel liegen und nach dem Losfahren bis einschließlich Tempo 20 hörbar sein. In den USA muss sich das Auto bei laufendem Motor bereits im Stand melden und darf erst ab 30 km/h verstummen. Gemessen wird in zwei Metern Entfernung von einer gedachten Mittellinie des Fahrzeugs jeweils an den Flanken.

Galoppierende Pferder waren keine Option

Pontis Larsson dämpft die Erwartungen an allzu große Kreativität der Soundkulisse, die sich künftig über die Innenstädte oder die Riesen-Parkplätze der Einkaufszentren legt. „Natürlich könnten wir das Geräusch galoppierender Pferde imitieren, die Werke berühmter Komponisten dem Auto vorausschicken oder einen startenden Jet als Vorbild nehmen. Das hätte sicher viel Spaß gemacht, aber unser Auftrag war nun mal ein anderer.“ Die Tonmeister mussten also ein Geräusch schaffen, dass der Umwelt klar signalisiert, dass sich hier ein Fahrzeug nähert. Insofern musste es an einen klassischen Verbrenner erinnern, mit dem die hautnahe Begegnung nun mal gefährlich werden kann.

Kein Wunder also, dass das Ergebnis, das jetzt erstmals zunächst im Stand an firmenfremde Ohren gelangen durfte, eher ernüchternd, wenn auch schwer erklärbar ist. Das Schnarren erinnert ein wenig an das Geräusch, dass zu hören ist, wenn bei einem Radiosuchlauf ein weit entfernter Sender erreicht wird, der sich mit einer Art Knarzen meldet. Es könnten aber auch die knatternden „Klänge“ eines Stücks Pappe sein, dass bei einem Fahrrad zwischen die Speichen gesteckt wird. Versuche haben laut Larsson gezeigt, dass dieser Volvo-Sound vom menschlichen Gehör gut aus der normalen Geräuschkulisse der Umgebung herausgefiltert werden kann.

Das änderte sich, als draußen vor dem Werksgebäude bei Göteborg ein mit diesem Klang ausgestatteter Volvo XC 60 auf regennasser Fahrbahn vorbei rollte. Das Platschen des vom Reifenprofil verdrängten Wassers übertönte das künstliche Motorgeräusch deutlich. „Ist doch gut so“, erklärt der Techniker. „Auch an diesem natürlichen Klang erkennt ein Fußgänger, dass sich ihn ein Fahrzeug nähert. Und darum geht es schließlich.“

VW und Leslie Mandoki entwickeln Sound für den ID 3

Erst gestern hat Volkswagen erstmals den Klang seiner E-Autos vorgestellt. Den Sound des elektrisch angetrieben ID 3 hat Volkswagen gemeinsam mit dem Komponisten und Musikproduzenten Leslie Mandoki entwickelt. Dabei nutzt VW das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting Systems (AVAS), um ein künstliches Fahrgeräusch für seine Modelle der ID-Familie zu erzeugen. Das AVAS des ID 3 ist bis 30 km/h nach außen und innen hörbar. Im Innenraum ist der Fahrsound in unterschiedlichen Stufen abhängig von Geschwindigkeit und Fahrpedalstellung immer präsent.

Echolot-Geräusch für den Rückwärtsgang

Bei Volvo ändert sich der Ton beim Einlegen des Rückwärtsgangs. Er ähnelt dem Piepen, das Lastwagen oder Gabelstapler heute schon beim Rangieren von sich geben. „Wir haben unseren Sound aber einem Personenwagen angepasst, der nun mal viel feiner und sanfter klingen muss“, sagt Larsson. Das Ergebnis überzeugt. Ein rückwärtsfahrender Volvo meldet sich durch helle Töne in kurzem Abstand. Sie muten ein wenig an wie ein Ausschnitt aus dem Erfolgsfilm „Das Boot“. Wenn dort die Schiffe an der Wasseroberfläche ein U-Boot jagen, sendet ein Peilgerät Schallimpulse aus, die vom getauchten Bootskörper reflektiert werden. Dieses bedrohliche „Ping“ nutzt jetzt auch ein elektrisch angetriebener Volvo. Ebenso wie an der Front des Autos sorgt ein wasserfester Laufsprecher im Bereich der Stoßfänger für die Wiedergabe der Töne.

Als erster Volvo wird die rein elektrische Version des Kompakt-SUV XC40, die im nächsten Herbst erscheint, die künstlichen Töne nutzen. Es folgen dann die Stromer und Hybrid-Modelle, die neu auf den Markt kommen. Allerdings gibt es keine Vorschriften, wie die einzelnen Hersteller ihre E-Autos vertonen werden. Denkbar ist auch, dass Zubehörfirmen künftig spezielle Sounds entwickeln, die man sich dann in sein E-Auto laden kann, vergleichbar mit herunterladbaren Klingeltönen fürs Handy.

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