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Werkslogistik Ladestellen minutengenau disponieren

Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Thomas Günnel

Die Werkslogistik in den Automobil-Produktionswerken ist in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Audi hat jetzt ein neues Konzept entwickelt, um den wachsenden Lkw-Anlieferverkehr intelligenter zu planen und zu steuern.

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Die Werkslogistik in den Automobil-Produktionswerken ist in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Mit einem neuen Logistikkonzept plant und steuert der Automobilhersteller den wachsenden Lkw-Anlieferverkehr intelligenter.
Die Werkslogistik in den Automobil-Produktionswerken ist in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Mit einem neuen Logistikkonzept plant und steuert der Automobilhersteller den wachsenden Lkw-Anlieferverkehr intelligenter.
(Foto: Audi)

A3 und A4 – so lautete vor der Jahrtausendwende das Produktionsprogramm des Audi-Stammwerks in Ingolstadt. Heute entstehen dort neben diesen beiden Modellen auch der A5 und Q5 mit all ihren Derivaten. Kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren der Logistikaufwand des Werks sprunghaft gestiegen ist. Lutz Roth, Leiter Transportsteuerung Vollgut und Leergut bei der Audi AG in Ingolstadt: „2005 wurde das Werk Ingolstadt noch von etwa 1.000 Lieferantenstandorten versorgt, letztes Jahr schon von 1.800 Standorten aus. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Anzahl der Teilenummern von 10.000 auf etwa 25.000, und sie wird in den nächsten Jahren weiter anwachsen.“ Audi hat deshalb seine Lkw-Logistik weiterentwickelt. Zum Beispiel wird seit dem Jahr 2007 die Lkw-Anlieferung mit einem IT-Tool verwaltet, das die Lkw-Ankünfte registriert und dann ad hoc eine möglichst optimale Entladesequenz festlegt. Dieses Prinzip gelangt aber durch den rasanten Anstieg der straßenbasierten Warenströme an seine Grenzen.

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Drei Anlieferkonzepte

Seit 2009 arbeitet Audi nun an einem grundlegend neuen Konzept: Es soll die Logistikkette vom Bandwerker zurück bis zum Lieferanten in schlanker Form kontrollieren und steuern. Ziel ist es, die Anzahl der unterschiedlichen Anlieferkonzepte auf nur noch drei zu reduzieren: Just-in-Sequence-Anlieferungen in Produktionsreihenfolge, Direktanlieferungen nach Fahrplan und die Sammelanlieferung von Stückgütern direkt aus dem Volkswagen-Netzwerk. Bei letzterem werden Bauteile mit geringeren Stückzahlen/Volumina zentral für die einzelnen Werke des Konzerns abgeholt, konsolidiert und angeliefert. Diese Bündelung ermöglicht eine höhere Lieferfrequenz und gleichzeitig weniger Lkw-Fahrten. Von der Reduktion auf nur noch drei Anlieferkonzepte erhofft sich Audi eine geringere Prozesskomplexität sowie eine schnellere und zuverlässigere Abfertigung der Lkw. Seit dem Spätsommer 2012 führt der Automobilhersteller diese Logistikprozesse sukzessive ein.

Minutengenaue Disposition

Ein Kernelement des neuen Logistikkonzepts ist die minutengenaue Disposition der bis zu 350 täglichen Lkw-Anlieferungen in Direktrelation sowie der bis zu 150 Stückgut-Umfänge über das VW-Netzwerk. Mit festen Abhol- und Ankunftszeiten lassen sich die Wareneingangskapazitäten im Werk gleichmäßiger auslasten und so lange Wartezeiten für die Lkw-Fahrer und Arbeitsspitzen für die Logistik-Werker vermeiden. Aktuell werden täglich schon mehr als 100 Lkw-Lieferungen mit diesem Fahrplansystem gesteuert. Als Ergebnis konnte Audi laut Roth die Wartezeiten bereits deutlich verkürzen und so die Standgeld-Zahlungen an die Spediteure verringern. Die Spediteure wiederum profitieren ebenfalls von den verkürzten Durchlaufzeiten, da ihre Lkw jetzt schneller für den nächsten Auftrag bereitstehen.

Die Koordination der planmäßigen Lkw-Fahrten erfolgt nach wie vor an einer Leitstelle im Audi-Werk. Bei ihr melden die Spediteure die Abfahrt einer Lkw-Lieferung inklusive Informationen über die Waren und Liefermengen am Vortag der Abholung an. So kennt Audi die genaue Ankunftszeit des Lkw und kann seine Ladung in das interne Netzwerk einspeisen, das heißt den geplanten Entladeslot am Entladepunkt fest einplanen. Roth: „Dieses Fahrplansystem sorgt bereits für eine beachtliche Grundstabilität. Gleichzeitig ist es so flexibel, dass wir verspätete Lkw-Anlieferungen – die sich nie ganz vermeiden lassen – flexibel in freie Zeitfenster dieses Grundtakts einpassen können.“

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