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Wirtschaft „Manche Zulieferer wollen sich von Aufträgen trennen“

| Autor: Svenja Gelowicz

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung setzt keine schnellen Impulse für die automobile Wertschöpfungskette. Das Verhalten mancher Autobauer erhöht den Druck auf kleinere Lieferanten zusätzlich.

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(Bild: Benteler)

Die Bundesregierung hat vergangene Woche ihr Konjunkturpaket präsentiert, das die Schäden der Coronakrise abfedern soll. Ein Teil der 130 Milliarden Euro fließt in die Autobranche, unter anderem mit Kaufprämien für E-Fahrzeuge und einer niedrigeren Mehrwertsteuer. Zumindest nach außen zeigten sich die Automobilhersteller zufrieden: Aus dem VW-Konzern hieß es, die Maßnahmen seien ein „ein guter, wichtiger Impuls“.

Der ein oder andere Kunde will trotz der Krise sogar noch Savings herausholen.

Keine Rücksicht auf Politik und Lieferanten

Derweil berichtet der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe, VW-Chef Herbert Diess habe sich in einer Telefonkonferenz mit anderen Autobossen darüber geärgert, dass die beschlossenen Maßnahmen keine spezifischen Instrumente für die Autobranche seien. Ohne so eine spezielle Förderung, so Diess weiter, müsse man künftig bei Sparmaßnahmen wohl auch keine Rücksicht mehr auf die Politik nehmen.

Rücksicht nimmt der Konzernchef Medienstimmen zufolge auch nicht auf seine Lieferanten. Der Konzern hätte seine Zahlungsziele auf drei Monate verlängert. Das setzt die Zulieferer, die zumeist über keine großen Liquiditätspolster verfügen, zusätzlich unter Druck. „Wir kümmern uns um Zulieferer, die in eine schwierige Situation kommen, sehr dezidiert“, sagte Diess dazu in einem Podcast mit dem Journalisten Gabor Steingart Mitte Mai. Der Konzern hänge von jedem einzelnen Teil ab.

Keine schnellen Anreize für Zulieferer

Die Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArgeZ) vertritt etwa 9.000 mittelständische Zulieferunternehmen. „Wir haben von den verlängerten Zahlungszielen gehört, es aber noch nicht selbst gesehen“, sagt Sprecher Christian Vietmeyer. „Das ist mehr als kritisch.“ Solche Änderungen von Zahlungsmodalitäten verstießen gegen die gesetzlich verankerten Standardeinkaufsbedingungen, wonach nur 30 Tage zulässig sind.

Mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ist der Verband ebenfalls unzufrieden. „Wir hätten es sehr begrüßt, wenn Kaufanreize geschaffen worden wären, die auf die automobile Wertschöpfungskette abgezielt hätten“, so Vietmeyer. Also auch Fördermittel für neue Verbrenner. Wie durch die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuersenkung der Konsum angeregt werden kann, bleibe abzuwarten. „Im B2B-Bereich, also da wo Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehbar ist, kommt erst mal ein Umstellungsaufwand“, so Vietmeyer. Und er sagt: „Konjunkturpaket heißt ja, schnelle Anreize“.

Den Lieferanten geht das Geld aus

Es wäre schlecht, wenn nun nicht mehr Kundenaufträge kommen. „Die brauchen wir jetzt.“ Der Großteil der mittelständischen Mitgliedsunternehmen sei aktuell in Kurzarbeit, zumeist etwa zu 50 Prozent. Dieses Instrument sowie die schnellen Liquiditätshilfen der Bundesregierung hätten zwar natürlich geholfen. Langfristig lässt sich so aber natürlich kein Unternehmen führen.

Bereits vergangene Woche sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), dass die Entscheidung gegen eine allgemeine Kaufprämie „in erster Linie eine schlechte Nachricht für die vielen tausend Beschäftigten in der Zulieferindustrie, die bereits in Kurzarbeit sind“, sei.

Vietmeyer begrüßt zumindest die ebenfalls im Konjunkturpaket beschlossenen Anreize für Forschung und Entwicklung für Zulieferer. „Sie sind wichtig für die Transformation der Branche – aber in ihrer Wirkung eben auch langfristig ausgelegt“.

Preisverhandlungen teils „unverschämt“

Denn nochmal zwei Monate auf dem aktuellen Niveau würde bei vielen Unternehmen Entlassungen zu Folge haben. „Die Stimmung ist schlecht. Das Auftragsvolumen ist niedrig, mit 20 bis 30 Prozent Auslastung verdienen die Unternehmen kein Geld.“ Standardteile, die in hohen Stückzahlen vom Band laufen, sind „preislich auf anderen Volumina verhandelt worden“. Manch ein Unternehmen überlege nun, sich von Teilen, Linien und Aufträgen zu trennen. „In dieser Situation können sie nicht noch Geld obendrauf legen.“ Und der ein oder andere Kunde wolle trotz der Krise sogar noch Savings herausholen. „Das ist unverschämt“, so Vietmeyer. Denn die Teilepreise müssten eigentlich steigen.

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 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin