Volkswagen Mit Thomas Ulbrich geht wohl der nächste Vorstand

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

Nächstes Beben in Wolfsburg: Volkswagen löst wohl das Ressort Elektromobilität auf. Den bisherigen Elektro-Vorstand Thomas Ulbrich wollte Konzernchef Herbert Diess offenbar degradieren. Doch der hat darauf keine Lust.

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Thomas Ulbrich ist derzeit noch Elektromobilitäts-Vorstand bei VW.
Thomas Ulbrich ist derzeit noch Elektromobilitäts-Vorstand bei VW.
(Bild: Volkswagen)

Im Topmanagement bei Volkswagen kehrt keine Ruhe ein: Nachdem im Sommer im Zuge einer großen Personalrochade zahlreiche Führungskräfte (Andreas Renschler, Thomas Sedran, Bernhard Maier, Joachim Drees, Stefan Sommer, Christian Senger, Jürgen Stackmann) aussortiert worden waren oder hingeschmissen hatten, kommt es nun zum nächsten Wechsel. Wie Volkswagen inzwischen bestätigt hat, springt mit Thomas Ulbrich der Elektromobilitäts-Vorstand der Marke VW ab.

Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über den bevorstehenden Abschied des Topmanagers berichtet. Demzufolge habe Konzernchef Herbert Diess schon vor einiger Zeit intern anklingen lassen, dass er den 54-Jährigen ablösen möchte. Gründe dafür sind nicht bekannt. Volkswagen selbst widersprach dieser Darstellung und erklärte, Ulbrich verlasse das Unternehmen aus rein privaten Gründen.

Elektromobilität: Kein Vorstands-Ressort mehr?

Dem Vernehmen nach will VW das Ressort Elektromobilität im Vorstand komplett streichen. Dieses war vor rund drei Jahren geschaffen worden, um die mit vielen Problemen behaftete Entwicklung der E-Hoffnungsträger ID.3 und ID.4 voranzutreiben. Inzwischen läuft die Serienproduktion und die Wolfsburger wollen die Verantwortlichkeiten deshalb offenbar in den regulären Produktionsbereich überführen. Produktionsvorstand der Marke VW ist seit dem 1. August 2020 Christian Vollmer.

Thomas Ulbrich wiederum hat der Konzern laut Handelsblatt einen Posten bei JAC, dem neuen chinesischen Joint-Venture-Partner der Wolfsburger, angeboten. Dort arbeiten die Geschäftspartner derzeit beispielsweise an einem elektrischen Kleinwagen, der voraussichtlich als ID.2 auch nach Europa kommen soll. Für Ulbrich ist das offenbar keine Option. Der Schritt käme einer Degradierung gleich, da er sich in China Stephan Wöllenstein hätte unterordnen müssen, mit dem er aktuell noch auf einer Hierarchieebene steht.

Ulbrichs Ansehen als Problemlöser

Der 54-Jährige Ulbrich genießt bei Volkswagen bei vielen Mitarbeitern ein hohes Ansehen. Seit 1992 arbeitet er für den Autobauer. Die Software-Probleme rund um den ID.3 hat er insgesamt gut moderiert und größtenteils in den Griff bekommen. Das brachte ihm den Ruf als Problemlöser ein. „Wir verlieren einen unserer besten Leute“, klagte ein anderer Topmanager gegenüber dem Handelsblatt.

Doch auch Konzernchef Diess selbst steht aktuell unter Druck. Er fordert vom Aufsichtsrat dem Vernehmen nach eine vorzeitige Verlängerung seines bis Frühjahr 2023 laufenden Vertrags. Darauf wollen sich die Kontrolleure zum jetzigen Zeitpunkt aber offenbar noch nicht einlassen. Darüber hinaus hat Diess für die neu zu besetzenden Vorstandsposten des Finanz- und Einkaufsressorts wohl klare Personalvorstellungen, die nicht bei allen Mitentscheidern auf Gegenliebe stoßen.

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 Christoph Seyerlein

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Entwicklungsredakteur