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Wachstumsmarkt OEMs investieren Milliarden in Brasilien

Autor / Redakteur: Beate Kirchner / Michael Ziegler

Internationale Autohersteller investieren Milliarden in den Standort Brasilien, die Aussichten sind trotz Wirtschaftsflaute gut. Jetzt steigen BMW, Audi und Mercedes-Benz mit Werken auf dem viertgrößten Automarkt der Welt ein – und jeder will Nummer eins in der automobilen Oberklasse werden.

Mercedes-Benz ist mit einem Werk in Juiz de Fora in Brasilien vertreten.
Mercedes-Benz ist mit einem Werk in Juiz de Fora in Brasilien vertreten.
(Foto: Daimler)

Die brasilianischen Hersteller haben ihre Absatzprognose für das laufende Jahr auf ein Plus von nur ein bis zwei Prozent gesenkt. Roland Berger Strategy Consultants prognostiziert für 2013 Stagnation. Dennoch wollen internationale OEMs zirka 25 Milliarden Euro bis zum Jahr 2017 (73,1 Milliarden Reais) investieren, um neue Fertigungsanlagen zu bauen und alte zu modernisieren.

In der Tat hat die Automobilindustrie, die knapp 20 Prozent des brasilianischen Industrie-BIP ausmacht, im Vergleich zu den anderen Industriesparten kräftig angezogen. Berechnungen des Statistischen Instituts Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (kurz: IBGE) zufolge ist die Automobilindustrie mit 13,2 Prozent dieses Jahr am stärksten gewachsen – andere Industriezweige dagegen maximal 5 Prozent. Grund: Angesichts noch geringer Marktsättigung ist das Potenzial weiterhin hoch, die Exporte sind leicht gestiegen und das Regierungsprogramm Inovar-Auto belohnt, wer in Brasilien produziert, mit Steuererleichterungen.

Investitionen in lukrative Nische

Die Premium-Hersteller BMW, Audi und Mercedes-Benz investieren über eine halbe Million in Kleinstwerke in Brasilien. Stephan Keese, Experte für den brasilianischen Automobilmarkt bei Roland Berger Strategy Consultants, sieht in dem Engagement durchaus einen strategischen Hintergrund: „Der brasilianische Markt für Premium-Fahrzeuge ist heute mit zirka 120.000 Fahrzeugen noch am Anfang. Bis 2020 gehen wir von einer Marktgröße in Brasilien von etwa 200.000 Einheiten aus. Für die OEMs ist in der ersten Aufbauphase der brasilianische Markt im Fokus, in einem zweiten Schritt der Mercosul (gemeinsamer Markt Südamerikas) und später andere Länder wie Kolumbien, mit dem aktuell ein Freihandelsabkommen verhandelt wird.“ Mercedes war bereits der 10. Hersteller, der sich nach der Einführung von Inovar-Auto für ein Werk in Brasilien entschied.

Keese: „Die Werke sollen ja nur etwa 30.000 Einheiten produzieren, doch normalerweise rechnet sich ein Werk mit Karosseriebau und Lackiererei erst ab 100.000 bis 150.000 Einheiten.“ Durch Inovar-Auto kann auch, wer nur wenige Einheiten vor Ort produziert, wieder günstiger importieren, so rechnet sich auch die CKD-Fertigung (Completely Knocked Down), also den Import der Komponenten mit anschließender Endfertigung im Verkaufsland.

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