Fahrbericht

Porsche Cayenne Turbo: Gipfel der Unvernunft

| Autor: Sven Prawitz

Ziemlich unvernünftig: Das Power-SUV Cayenne Turbo von Porsche.
Ziemlich unvernünftig: Das Power-SUV Cayenne Turbo von Porsche. (Bild: Sven Prawitz)

Firmen zum Thema

Der Turbo ist die Topvariante des Porsche SUVs Cayenne. Die leistungsstarke Antriebstechnik beflügelt den schweren Geländewagen regelrecht. Das bringt Fahrspaß, stellt jedoch das Fahrzeugkonzept in Frage.

Als der Testwagen angeliefert wurde drückte sich ein großer Teil der Redaktion an den Bürofenstern die Nase platt. In den Gesichtern war die aufgeregte Vorfreude eines Kindes kurz vor der weihnachtlichen Bescherung zu erkennen. Der Grund hierfür war ein einziger Buchstabe: Statt des zugesagten Cayenne S lieferte Porsche uns einen Cayenne Turbo zum Testen.

Die Unterschiede zwischen Turbo und S sind gravierend: V8- statt V6-Motor, vier statt 2,9 Liter Hubraum, 404 statt 324 Kilowatt Leistung und 770 statt 550 Newtonmeter Drehmoment. Diese Leistungskennzahlen lassen zusammen mit dem Achtganggetriebe und dem Allradantrieb das über zwei Tonnen (2.250 kg nach EU-Richtlinie) schwere SUV in 4,1 Sekunden von Null auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt nach Herstellerangaben bei 286 km/h.

Herzklopfen inklusive

Diese Kraftentfaltung zu spüren sorgt für Herzklopfen – nicht nur beim Fahrer. Dass die Porsche-Ingenieure es geschafft haben, die Kraft auf die Straße zu bringen und einem solch schweren Auto ein sportliches Fahrverhalten zu verleihen ist schon eine hohe Kunst. Das verdient aus technischer Sicht Anerkennung.

Die Frage ist nur, braucht es das auch? Jeder Kickdown lässt sich wenige Sekunden später auch an einer Bewegung der digitalen Tankanzeige ablesen. Porsche gibt einen kombinierten Verbrauch von etwa 11,8 Liter auf 100 Kilometer an (NEFZ) – und empfiehlt den Kraftstoff Super Plus. Ein Porsche Turbo animiert auch nicht gerade zum umweltschonenden Fahren. Daher liegt der reale Verbrauch mit 17,5 Liter auf 100 Kilometer schon deutlich über der Werksangabe.

Hochleistungsbremsen und ein adaptiver Dachspoiler

Um den sportlichen Charakter des Fahrzeugs zu unterstreichen gibt es serienmäßig 21 Zoll große Räder und die Turbo-typischen Doppelendrohre. Um das SUV wieder einzufangen kommen mit Wolframcarbid beschichtete Graugussscheiben zum Einsatz. Diese sollen neben einem verbesserten Ansprechverhalten auch weniger Feinstaub erzeugen. Optional gibt es noch die bekannten Keramikbremsscheiben.

Zu einem kürzeren Bremsweg soll auch der adaptive Dachspoiler beitragen: Porsche beziffert den Effekt mit bis zu zwei Metern bei einer Vollbremsung bei Tempo 250. Dazu klappt der Spoiler bei starker Verzögerung im Geschwindigkeitsbereich zwischen 170 km/h und 250 km/h in die von Porsche „Airbrake“ genannte Position, 28,2 Grad aufgestellt. So wirkt der Spoiler als Luftbremse, die zugleich den Hinterachsdruck und somit die Stabilität beim Bremsen erhöht. Um Nerven und Material zu schonen, haben wir diesen Parameter nicht überprüft.

Porsche-Chef Oliver Blume: „Die Sportwagen der Zukunft gestalten“

Elektromobilität

Porsche-Chef Oliver Blume: „Die Sportwagen der Zukunft gestalten“

27.09.18 - Porsche hat sich als erster deutscher Autokonzern vom Diesel verabschiedet. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, über die Zukunft vollelektrischer Sportwagen, der Plug-in-Hybride, die Zusammenarbeit mit Audi und Porsche-typische Anwendungen des autonomen Fahrens. lesen

Weitere Merkmale des Fahrwerks sind ein aktives Dämpfersystem mit drei Luftkammern pro Federbein. Damit lassen sich sechs Höhenniveaus einstellen. Die Bodenfreiheit variiert damit zwischen 162 und 245 Millimetern: Zum Beladen lässt sich die Karosserie auf 132 Millimeter absenken. Optional gibt es noch eine Hinterachslenkung und eine elektrische Wankstabilisierung. Bei den Rädern setzt Porsche auf eine Mischbereifung: 285/40 vorne und 315/35 hinten.

Hochwertiges Interieur, enttäuschender Sound

Der Innenraum ist hochwertig gestaltet vom Design her allerdings etwas bieder. Auffallend sind das Sportlenkrad und das große LCD-Display (12 Zoll, Full HD) für das Infotainment-System. Enttäuschend war der Klang der optionalen Burmester-Musikanlage. Trotz 21 Lautsprechern mit Subwoofer wollte sich kein herausragendes Klangerlebnis einstellen. Das ist Daimler und Burmester in der E-Klasse deutlich besser gelungen.

Ordentlich Platz gibt es im Kofferraum. Das Volumen lässt sich bei umgeklappter Rückbank von 745 Liter auf 1.680 Liter erweitern. Auch sonst überzeugt der Innenraum durch einen hohen Reisekomfort: Die Sitze sind bequem; Passagiere im Fond haben ausreichend Platz und können jeweils eigene Klimaeinstellungen vornehmen. Zudem sind alle Sitzplätze beheizbar.

Sport-SUV: braucht's das wirklich?

All diese technischen Feinheiten haben jedoch ihren Preis: Die Turbovariante des Cayenne startet bei einem Basispreis von 138.850 Euro. Klar, Porsche möchte vom SUV-Hype profitieren – dennoch glauben Fans, dass die Zuffenhausener damit ihre Exklusivität verlieren. Und: Ein SUV ist nicht der passende Körper für die spektakuläre Antriebstechnik. So viel Unvernunft braucht es dann doch nicht.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zum Beitrag schreiben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45285082 / Automobile)