E-Automarkt USA Roland Berger: „In den USA fehlen staatliche Anreize für E-Autos“

Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Einen echten „Durchbruch“ der E-Mobilität in den USA erwartet Marc Winterhoff, Partner bei Roland Berger, vorerst nicht. Aber es tut sich was: Viele neue E-Modelle werden mehr Kunden an die Steckdosen locken.

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Der Markt für E-Fahrzeuge in den USA entwickelt sich; auch die klassischen Hersteller bieten entsprechende Modelle an.
Der Markt für E-Fahrzeuge in den USA entwickelt sich; auch die klassischen Hersteller bieten entsprechende Modelle an.
(Bild: Ford)

Herr Winterhoff, in Europa wird über die E-Mobilität viel und kontrovers diskutiert. Ist das Interesse an E-Autos in den USA ebenso groß?

Ja, dafür hat allein Tesla in den vergangenen Jahren gesorgt. Zu Beginn 2021 hat das Thema nochmal einen deutlichen Schub bekommen: Zum Beispiel hat Ford vor Kurzem eine vollelektrische Version des meistverkauften Fahrzeugs in den USA angekündigt. Und General Motors will ab 2035 nur noch vollelektrische Fahrzeuge anbieten. Spätestens seitdem sind E-Autos in aller Munde.

Marc Winterhoff, Partner, Roland Berger USA: „Ein allzu starker Push von erneuerbaren Energien ist eher unwahrscheinlich.“
Marc Winterhoff, Partner, Roland Berger USA: „Ein allzu starker Push von erneuerbaren Energien ist eher unwahrscheinlich.“
(Bild: Roland Berger)

Die von der Autoindustrie unterstützte „Zero Emission Transportation Association“, kurz ZETA plädiert dafür, dass ab 2030 nur noch EVs in den USA verkauft werden dürfen. Ein realistisches Ziel?

Das ist sehr unwahrscheinlich, aber man sollte niemals nie sagen. Wenn mich vor ein paar Monaten jemand gefragt hätte, wie wahrscheinlich es ist, dass General Motors einen kompletten Verbrennermotorausstieg bis 2035 verkündet, hätte ich das wohl als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Aber, gerade vor dem Hintergrund dieser Ankündigung, was das ambitionierteste Ziel aller etablierten OEMs ist, und dem Zieldatum für den Verbrennerausstieg 2035, welches Kalifornien verkündet hat, halte ich 2030 für nahezu ausgeschlossen.

Was tut sich auf dem US-Markt für E-Autos?

Derzeit führt Tesla die Zulassungsstatistik bei E-Autos in den USA an. Aber es kommt starke Konkurrenz. Welche Hersteller und Modelle für Tesla gefährlich werden.

Übersicht: Der E-Automarkt in den USA

In 2021 kommen 25 neue EV-Modelle in den US-Markt, bis 2025 soll sich deren Zahl auf 165 steigern. Kommt jetzt der Elektroauto-Durchbruch in den USA?

„Durchbruch“ ist relativ. Ja, wir gehen davon aus, dass sich der Anteil von vollelektrischen E-Autos in den nächsten Jahren drastisch erhöhen wird: auf bis zu zehn Prozent bis 2025. Mit attraktiven Produkten zu kompetitiven Preisen wird der EV-Markt stark wachsen, aber immer noch weit langsamer als in Europa und China, da die Anreize durch staatliche Regularien fehlen.

Wie geht es mit dem Aufbau der Lade-Infrastruktur in den USA voran?

Es geht voran, aber es gibt immer noch große Lücken und Nachholbedarf bezüglich der Zuverlässigkeit der Ladestationen. Teslas Netzwerk ist bisher das mit Abstand weitest entwickelte. Die anderen OEMs setzen hauptsächlich auf Third-Party-Lade-Infrastrukturanbieter. Man darf allerdings nicht vergessen, dass 80 Prozent der BEV-Besitzer Zugriff auf Ladestationen in ihrer eigenen Garage haben, was das Problem etwas weniger kritisch macht.

Die USA gewinnen knapp 80 Prozent ihres Energiebedarfs aus Erdöl, Erdgas und Kohle und nur zwölf Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Wie ambitioniert wird der Ausbau von erneuerbaren Energien vorangetrieben, um die E-Mobilität auch tatsächlich umweltgerecht zu gestalten?

Der vor kurzem veröffentlichte Infrastruktur-Investmentplan der Biden-Regierung über 2,25 Billionen US-Dollar fokussiert zwar sehr auf den Ausbau von erneuerbarer Energie. Der Investmentplan bedarf jedoch der Zustimmung von Kongress und Senat. Zudem hängt die Energiepolitik der USA sehr stark von den einzelnen Bundestaaten ab. Es werden hierbei wohl Kompromisse gefunden werden müssen – ein allzu starker Push von erneuerbaren Energien ist somit eher unwahrscheinlich.

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 Tina Rumpelt

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Freie Journalistin