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Neue Mobilität Schweben und fahren: Ein Start-up will die Seilbahn in Städte bringen

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Die RWTH Aachen hat schon mehrere Unternehmen hervorgebracht, welche die Mobilität grundlegend verändern wollen. Mit Upbus bahnt sich nun eine neue Ausgründung an.

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Seilbahnkonzept für Städte.
Seilbahnkonzept für Städte.
(Bild: Upbus)

Um die bolivianische Hauptstadt La Paz kommt man kaum herum, wenn es um Seilbahnen als städtisches Transportmittel geht. Die Mi Teleférico (deutsch „meine Seilbahn) ist das größte Seilbahnsystem der Welt, zehn Linien mit etwa 33 Kilometer Gesamtlänge. Laut dem österreichischen Hersteller Doppelmayr transportiert sie täglich ungefähr 300.000 Passagiere. Die Seilbahn hat unlängst die Aufmerksamkeit von Verkehrsplanern auf sich gezogen. Auch viele deutsche Städte stellen Überlegungen an, wie der Verkehr von der Straße in die Luft verlagert werden könnte; in einigen Städten wie Berlin oder Koblenz oder Köln gibt es Verbindungen per Seilbahn.

Upbus: Schweben und fahren

„Wir glauben, dass die Seilbahn für jede Stadt interessant ist“, sagt Tom Rathmes. Er leitet den Vertrieb bei Upbus, das noch als Forschungsprojekt bei der RWTH Aachen angesiedelt ist. 2021 soll es als GmbH ausgegründet werden. Aus der Universität gingen bereits die E-Mobilitätsunternehmen Streetscooter, E.Go Mobile und das Logistik-Start-up Ducktrain hervor. Das zehnköpfige Projektteam um Upbus hat sich ein Konzept ausgedacht. Dabei schweben Seilbahnkabinen nicht nur durch die Luft, sondern fahren auch auf der Straße.

Das könnte dann so aussehen: Die Fahrkabine stromert als eine Art Minibus auf einem automatisierten Fahrgestell zur Seilbahnstation. Sie hängt sich nahtlos über ein Gehänge an die Seilbahn an und schwebt über den Verkehr zur nächsten Station. Dort angekommen, klinkt sich die Kabine aus, setzt auf dem bereitstehenden Fahrmodul auf und fährt wieder als Bus, also eine Art Shuttle für die letzte Meile. Das ganze Konzept soll in den lokalen ÖPNV eingebunden sein. Eine Seilbahn sei für Städte maßgeblich günstiger als beispielsweise Straßenbahnen, die Bauzeit viel geringer, der Energieverbrauch niedriger, meinen die Leute von Upbus.

Wir wollen bestehende Technologien so kombinieren, dass die jeweiligen Vorteile miteinander verbunden werden.

Technik aus dem All

Die Idee dazu hatten Doktoranden, zwei vom Lehrstuhl für Höchstfrequenzelektronik und zwei vom Institut für Strukturmechanik und Leichtbau (SLA). Ihr Entwicklungsfokus liegt auf dem Fahrmodul, der Schnittstelle zur Fahrgastzelle und wiederum deren Schnittstelle zum Gehänge. Dabei kommt eine spezielle Kupplungstechnik zum Einsatz, „iBoss“ genannt, die eigentlich für die Raumfahrt entwickelt wurde und aus dem SLA stammt. Über nur einen Stecker könnte diese Schnittstelle etwa Daten, Elektrizität oder Wärme übertragen. Und dann sind da noch Radarsensoren, ebenfalls Marke Eigenentwicklung. Diese Sensorik soll dafür sorgen, dass der Dreiklang aus Fahrgestell, Fahrkabine und Gehänge millimetergenau positioniert ist und so fließend gekoppelt werden kann.

Die Fahrkabine selbst soll Rathmes zufolge vor allem eines sein: leicht. Das Fahrmodul und die Fahrkabine, die dann gemeinsam einen Minibus für die Straße ergeben, will Upbus von Zulieferern einkaufen. Die Spezifikationen dafür will man bei Upbus schreiben, man sei außerdem sehr interessiert an Entwicklungspartnerschaften. „Wir wollen bestehende Technologien so kombinieren, dass die jeweiligen Vorteile miteinander verbunden werden“, sagt Tobias Meinert, einer der Doktoranden. Die Infrastruktur, also etwa Stationen, Seile, Pfeiler, sollen von einem Seilbahnhersteller kommen.

Seilbahn: Upbus glaubt an Ästhetik

Laut Rathmes ist das Start-up in einigen Gesprächen mit Städten, also den späteren potenziellen Kunden. Ein erster Einsatz soll 2023 bei der Bundesgartenschau in Mannheim stattfinden. „Unser Ziel ist, dort unser erstes Demoprojekt aufzubauen“, so Rathmes. Im besten Fall können dann Passagiere über das Gelände gondeln. Bislang gibt es einen ersten Prototyp, der die Kupplungstechnologie demonstrieren könne.

Eine Seilbahn verändert zweifellos ein Stadtbild maßgeblich. Das sei ein großes Hindernis für das Verkehrskonzept, sagt auch Rathmes. Doch es gebe mittlerweile sehr ästhetische Stationskonzepte; und auch die Pfeiler könnten aufgehübscht werden. Trotzdem: In Wuppertal ist ein Seilbahnprojekt zuletzt an einem Bürgervotum gescheitert.

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