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Alternative Antriebe

Seat will CNG-Schrittmacher für den VW-Konzern werden

| Autor/ Redakteur: Andreas Grimm / Sven Prawitz

Mit dem Gas-Antrieb verbinden Hersteller die Hoffnung auf sinkende Emissionen. Darin ist er dem Elektroantrieb durchaus ähnlich – auch weil die Hoffnungen mangels Käufern bislang enttäuscht wurden. Seat möchte das ändern, aber ein paar Fakten stören das Bild.

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Mit dem Arona TGI soll im Herbst 2018 erstmals ein SUV mit Erdgasantrieb verfügbar sein.
Mit dem Arona TGI soll im Herbst 2018 erstmals ein SUV mit Erdgasantrieb verfügbar sein.
(Bild: Seat)

Die Aufwärtsentwicklung der Marken Skoda und Seat mündet in einer verstärkten Einbindung in die Arbeitsteilung des Volkswagenkonzerns. Laut Seat-Chef Luca de Meo werden die Spanier in der Folge die Vorreiterrolle in der Entwicklung von Erdgas-Fahrzeugen spielen (CNG – compressed natural gas). Zuletzt hatte die Konzernschwester Skoda den Auftrag erhalten, im Konzernverbund ein Low-Budget-Fahrzeug für den asiatischen Markt zu entwickeln, das der Autobauer seit einem Jahrzehnt an den Start bringen will.

Offiziell sieht der Konzern im Gas-Antrieb ein enormes Potenzial, besonders mit Blick auf die urbane Mobilität und die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien. CNG-Fahrzeuge haben einen deutlich geringeren CO2- und sonstigen Schadstoffausstoß, zudem kann Methan aus regenerativen Quellen als Kraftstoff genutzt werden. Für den Hersteller wären Gas-Fahrzeuge vor dem Hintergrund der Emissionsdiskussionen ein wichtiger Trumpf, um die Gefahr von Fahrverboten zu senken.

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CNG-Technik kommt bei VW nicht voran

Ganz stringent verläuft die Konzernstrategie allerdings nicht. Zunächst hatte der OEM im Rahmen der Dieselabwrackprogramme seiner Volumenmarken den Verkauf von neuen CNG-Fahrzeugen mit einem Zusatzbonus angekurbelt. Bei der jüngsten Verlängerung der Prämienprogramme entfiel dieser Zusatzanreiz jedoch sang- und klanglos – was wohl der fehlenden Lieferfähigkeit in akzeptablen Zeiträumen geschuldet ist.

Auch personell bewegt das Thema CNG den Konzern, der dafür einen eigenen Beauftragten hat. Von Mai 2016 bis März 2018 hatte Jens Andersen die Funktion als Group Officer CNG Mobility inne und propagierte das Gas-Thema. Seine Ablösung kam dem Vernehmen nach allerdings überraschend, Andersen hat den Konzern ausweislich seines Linkedin-Profils ganz verlassen. Volkswagen selbst kommentiert die Personalie nicht, hat aber einen Nachfolger für Andersen benannt. Öffentlich in Erscheinung getreten ist Stephen Neumann als neuer Group Officer Natural Gas Mobility allerdings bisher nicht.

Zulassungszahlen steigen

Seat und die CNG-Strategen haben angesichts dieser Realitäten wohl noch einiges zu tun, damit der Gasantrieb langfristig eine echte Alternative im Antriebsmix der Konzernmodelle wird. In einem Ausblick zur Gas-Strategie erwartet Seat beispielsweise im Jahr 2030 „voraussichtlich eine Million gasbetriebener Fahrzeuge auf Spaniens Straßen“. Ein ambitioniertes Ziel bei gerade mal 5.000 Erdgas- und Autogas-Zulassungen im Jahr 2017 (genauer unterscheidet der Herstellerverband Acea die Antriebsarten nicht). Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit rund 100.000 CNG-Fahrzeuge angemeldet. Die laut Kraftfahrt-Bundesamt 3.723 Neuzulassungen waren allerdings auch hierzulande nicht üppig, wenn auch deutlich steigend (+ 14,9 %).

Trotzdem sieht Seat für sich „enormes Wachstumspotenzial“ im Gasantrieb. Im ersten Quartal 2018 verkaufte die Marke im Heimatmarkt Spanien 900 Gasmodelle, zudem haben die Spanier das breiteste CNG-Modellangebot im Konzern. Bisher sind der Mii, Leon, Leon Kombi und Ibiza serienmäßig lieferbar – bis Ende 2018 wird mit dem Arona erstmals auch ein SUV mit Gas-Kraftstoff betrieben werden. Bereits auf der IAA 2017 hatte Seat mit dem Ibiza TGI sein Produktangebot um ein massentaugliches Modell ausgeweitet.

CNG soll Seats USP werden

„Wir möchten dieser Technologie unbedingt den Stempel „Made in Spain“ aufdrücken und sind davon überzeugt, dass unsere Pionierleistung von Erfolg gekrönt sein wird“, lautet die Vorgabe von Seat-Chef Luca de Meo. Dabei sei der größte Pluspunkt der CNG-Technologie, dass sie bereits existiert. Sprich für den Autobauer sind keine größeren Investitionen erforderlich, um sie den Kunden zugänglich zu machen. Ähnlich wie für den Elektroantrieb sieht er aber auch die Notwendigkeit, das Tankstellennetz auszubauen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«