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Automatisiertes Fahren

Start-up Vayyar: Per Radar im Bilde

| Autor/ Redakteur: Hartmut Hammer / Svenja Gelowicz

Die Sensorik für autonomes Fahren macht große Fortschritte. Das israelische Start-up Vayyar beispielsweise hat Ende 2018 ein Radarsensorkit auf den Markt gebracht, das in puncto Bilderkennung deutlich mehr Potenzial als bisher bietet.

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Das israelische Start-up Vayyar macht Bilderkennung per Radar möglich.
Das israelische Start-up Vayyar macht Bilderkennung per Radar möglich.
(Bild: Vayyar)

Das neue Sensor-Evaluation-Kit ist für viele Einsatzmöglichkeiten geeignet: OEMs oder Zulieferer können es beispielsweise zur Fahrer- und Innenraumüberwachung einsetzen oder beim automatisierten Einparken und der Kollisionsvermeidung. Auch das Beladen und Überwachen von Frachträumen ließe sich damit unterstützen. Daneben ist der Einsatz bei der Kollaboration von Robotern und Menschen in der Fertigung möglich, ebenso wie im häuslichen Umfeld. Aktuell arbeite man mit mehreren Kunden aus dem Automotive-Sektor zusammen, heißt es bei Vayyar, beispielsweise mit den Automobilzulieferern Valeo und Faurecia.

Das als SoC (System on chip) konzipierte System verfügt über einen von Vayyar selbst entwickelten, aber extern gefertigten 79-Gigahertz-Radarsensor, der bis zu 150.000 Bildpunkte pro Sekunde erfasst. Die Informationen werden dann in einer ebenfalls selbst entwickelten ASIC in Echtzeit zu hochauflösenden Bildern verarbeitet. Dafür sorgen unter anderem 42 Transceiver, ein interner digitaler Signalprozessor und ausreichend Speicherkapazität.

Vayyar macht Kameras im Innenraum überflüssig

Weitere Bestandteile des Sensorkits sind mehrere Antennen und eine USB-Schnittstelle. Die Kommunikation im Fahrzeug ist über mehrere Protokolle möglich. Im Vergleich zu anderen Sensortechniken sieht Vayyar sowohl Package- als auch Kostenvorteile. Zusammen mit der eigenentwickelten Bildgebungstechnologie sind so für Radarsensoren etliche neue Anwendungen denkbar. So ist laut Vayyar im Innenraum keine Kamera mehr erforderlich, da eine intelligente Interpretation der hochaufgelösten Rohdaten viele Objekte und Zustände erkennen könne – selbst bei schlechten Lichtverhältnissen. Andererseits geben die vom Radarsensor generierten Punktwolken beim Betrachten viel weniger Informationen preis als ein Kamerabild, sodass der Eingriff in die Privatsphäre kleiner sein dürfte.

CEO Raviv Melamed: Lücke zwischen Radar und Lidar schließen

Damit schlägt der Ansatz von Vayyar eine Brücke zwischen den bisherigen Eigenschaften von Radarsensoren, Kameras und Lidarsensoren. Raviv Melamed, Mitbegründer, CEO und Chairman von Vayyar: „Die Automobilindustrie sucht seit Langem nach einer Technologie, die die Lücke zwischen Radar und Lidar schließen kann. Vayyar ist mit der Entwicklung der weltweit fortschrittlichsten Hochfrequenzsensorik das erste Unternehmen, das diesen Bedarf deckt.“ Im und am Fahrzeug sieht man für die neue Radartechnik vielfältige Aufgaben. Unter dem Fahrzeughimmel integriert, kann der Sensor die Belegung der Sitze überwachen, die Insassen nach Größe und Sitzposition klassifizieren und sogar ihre Aktivitäten und Atmung beobachten.

Damit liefert er wertvolle Informationen für die adaptive Airbagsteuerung, erkennt, ob die Passagiere ihren Sicherheitsgurt angelegt haben und kann bei einem Unfall einen Notruf mit genauen Angaben zur Anzahl der Passagiere und ihrem Zustand absetzen. Ebenso kann die Radartechnik beispielsweise ein im Fahrzeug zurückgelassenes Baby erkennen und Alarm schlagen, wenn der Fahrer das Fahrzeug verlässt.

Anders als Kameras kann der Radarsensor die Detektionsaufgaben auch bei Dunkelheit oder ohne direkten Sichtkontakt wahrnehmen, etwa bei Abschirmung durch Sitz oder Kopfstütze. Ist der Sensor an der Instrumententafel oder am Innenspiegel angebracht, ist es möglich, Kopfposition, Augenbewegungen und Atmung des Fahrers zu überwachen. Mit diesen Informationen lassen sich nicht nur eine Müdigkeitswarnung, ein Notruf oder ein Airbag adaptiv auslösen; sie dienen auch als Grundlage für automatisierte Fahrfunktionen nach Level 3, bei denen der Fahrerzustand eine wichtige Rolle bei der Übernahme der Fahrverantwortung spielt.

Sogar eine Gestenerkennung zur Steuerung von Infotainmentfunktionen soll nach Angaben von Vayyar möglich sein. Die meisten der personenbezogenen Funktionen lassen sich auch stationär im Haus nutzen, um beispielsweise eine pflegebedürftige Person zu überwachen.

Vayyar scannt das Umfeld

Nach außen hilft das Vayyar-Sensorkit bei der Umfeldüberwachung. Es kann Grundlage für einen Spurwechsel- und Totwinkel-Assistenten sowie ein automatisiertes Parkassistenzsystem sein. Außerdem kann es Objekte und Hindernisse für das ACC oder Bremsassistenzsysteme erkennen. Die Fähigkeit zur präzisen Erkennung und Klassifizierung von Objekten, Richtungen und Geschwindigkeiten machen den Vayyar-Radarsensor auch zu einem wichtigen Sicherheitsfeature für kollaborierende Systeme zwischen Mensch und Roboter.

Über das Start-up Vayyar

Vayyar Imaging sieht sich als ein führendes Unternehmen für Radarsensorik und Bildgebung. Ziel bei der Unternehmensgründung im Jahr 2011 war die verbesserte Erkennung von Brustkrebs. Später kamen Anwendungen in den Bereichen Smart Home, Automotive, Handel, Bau, Landwirtschaft und Altenpflege hinzu. Kunden können mit den Radarsensorkits von Vayyar maßgeschneiderte Anwendungen selbst entwickeln. Aktuell arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter an Entwicklungsstandorten in Israel und Schweden, die Produktion erfolgt in Taiwan.

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