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Karriere Umbruch als Chance für Arbeitgeber der Automobilindustrie

| Autor: Jens Scheiner

Laut einer Umfrage könnte die Coronakrise für die Automobilbranche eine Chance werden, bei Studenten wieder an Beliebtheit zu gewinnen.

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Themen wie Work-Life-Balance, Home Office Flexibilität und Digitalisierung haben in Zeiten von Corona unter den Studierenden an Bedeutung gewonnen.
Themen wie Work-Life-Balance, Home Office Flexibilität und Digitalisierung haben in Zeiten von Corona unter den Studierenden an Bedeutung gewonnen.
(Bild: Bosch)

Die Automobilindustrie steht nicht erst seit dem Ausbruch von Covid-19 unter Zugzwang. Die Dieselaffäre, strengere CO2-Richtlinien und der damit verbundene Umschwung auf Elektromobilität machen der deutschen Schlüsselindustrie schon seit Jahren zu schaffen. Die zunehmende Digitalisierung der Branche und der einhergehende Fachkräftemangel machen die Situation auch nicht einfacher.

Dennoch belegt die Autobranche in fast allen Arbeitgeberrankings weiterhin die Spitzenplätze. Allerdings müssen Hersteller und Automobilzulieferer in diesem Jahr einen leichten Rückgang ihrer Beliebtheit als ideale Arbeitgeber hinnehmen. Einzig Porsche kann sich diesem Trend entziehen. Zu den Gewinnern gehören große IT-Unternehmen und Forschungsinstitute. Das sind Ergebnisse der aktuellen Arbeitgeberrankings der Employer-Branding-Beratung Universum. Grundlage ist der Student Survey 2020, für den zwischen Oktober 2019 und April 2020 deutschlandweit 47.010 Studierende verschiedener Fachrichtungen befragt wurden.

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Auf die Corona-Krise lasse sich diese Entwicklung nicht zurückführen. Wie in vielen anderen Ländern gibt es auch in Deutschland noch keine eindeutigen Trends in Bezug auf Covid-19. „Eventuell hat die Corona-Krise eine längst überfällige Veränderung der Automobilbranche beschleunigt. Die Auswirkungen lassen sich kaum vorhersagen, zumal sich in Anbetracht von Covid-19 vermutlich das Reisen an sich und unsere Werte verschieben werden.

Themen wie Sicherheit und Gesundheit könnten zukünftig wieder stärker in den Vordergrund treten. Das trifft natürlich nicht nur auf die Automobilbranche zu. Die Rankings lassen vermuten, dass es alltagsrelevante Marken zukünftig leichter haben werden. Die Automobilbranche hat einen durchaus guten Ausgangspunkt und die Chance, gestärkt daraus hervorzugehen”, so Tina Smetana, Country-Managerin Deutschland bei Universum.

Neu und überraschend weit vorn: Trendige Markenunternehmen

In diesem Jahr gab es einige Überraschungen in den generell recht stabilen Rankings der attraktivsten Arbeitgeber: So sind bei den Studierenden der Wirtschaftswissenschaften Apple und Nike neu dabei und landen mit Platz 4 und 9 unter den Top 10. Ebenfalls neu in diesem Ranking sind Red Bull und Universal Music, die es mit Rang 25 und 27 auf Anhieb unter die Top 30 schaffen.

Eine leichte Verschiebung gibt es an der Spitze: Google steigt bei den Wirtschaftswissenschaftlern zwei Plätze nach oben und ist damit nach Daimler/MercedesBenz (Platz 1) und Porsche (Platz 2) unter den Top 3. Audi verliert einen und die BMW Group drei Plätze, sodass sie auf Rang 5 und 6 landen. Damit werden die Top 4 dieses Jahr nicht ausschließlich von den Automobilunternehmen belegt.

Unverändert halten dagegen Porsche, Audi und Daimler/Mercedes-Benz die Spitzenpositionen im Ranking der angehenden Ingenieure. Bei diesen gehören die großen Forschungsinstitute eindeutig zu den diesjährigen Gewinnern. So steigt die Fraunhofer-Gesellschaft um drei Plätze auf Rang 14, die European Space Agency klettert um vier Plätze auf Rang 18 und die Max-Planck-Gesellschaft macht 13 Plätze gut und schafft es auf Rang 27.

Für die IT-Studierenden bleiben Google, Microsoft und Apple auch in diesem Jahr die beliebtesten Arbeitgeber. Porsche gewinnt in diesem Fachbereich sogar an Attraktivität und klettert um drei Plätze nach oben auf Rang 4. Es folgt SAP mit einem Sprung um vier Plätze nach oben auf Rang 5. Dagegen fällt Audi zwei Plätze nach unten und landet auf Rang 6. Daimler/MercedesBenz sowie die BMW Group verlieren jeweils drei Plätze und positionieren sich auf Rang 8 und 9. Neu im Ranking ist der Spieleentwickler Ubisoft und schafft es direkt auf Platz 10.

Bei den Studierenden der Naturwissenschaften muss Bayer die Topposition an die Max-Planck-Gesellschaft abtreten und sich mit dem zweiten Platz begnügen. An dritter Stelle platziert sich unverändert die Fraunhofer-Gesellschaft gefolgt von BASF auf Rang 4. Automobilunternehmen gehören für Studierende dieses Fachbereiches traditionell nicht zu den Top-Arbeitgebern. Dennoch steigen Porsche und Audi um jeweils zwei Plätze auf Rang 10 und 12. Daimler/Mercedes-Benz fällt dagegen um fünf Plätze auf Rang 22.

Womit können Unternehmen punkten?

Die Eigenschaften, die Unternehmen in der Gunst der Studierenden steigen lassen, sind insgesamt relativ stabil geblieben. Zu den Top 3 zählen weiterhin ein hohes Einkommen in der Zukunft und ein attraktives Grundgehalt. Für Studierende der Wirtschaftswissenschaften gehören darüber hinaus Möglichkeiten, Führungsaufgaben zu übernehmen dazu, bei den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern sind es dagegen vielfältige Arbeitsaufgaben. Für IT-Studierende zählt Innovation zu den drei wichtigsten drei Eigenschaften. Auf Führungskräfte, die ihre Entwicklung fördern, legen dagegen die Studierenden aller vier Fachbereiche deutlich weniger Wert. Ganz besonders trifft das auf jüngere Studierende zu. Diese schätzen dagegen die Anerkennung von Leistung mehr als ihre älteren Kommilitonen. Beide Eigenschaften sind zudem für männliche Studierende wesentlich attraktiver als für weibliche. Das entspricht der Tatsache, dass männliche Studierende karriere- und geldbezogene Faktoren im Vergleich zu weiblichen Studierenden bevorzugen.

Beschleunigt Corona die Reise zum Arbeitsplatz der Zukunft?

Danach gefragt, welche Begriffe sie mit dem Arbeitsplatz der Zukunft assoziieren, nannten die Studierenden am häufigsten Innovation, Work-Life-Balance, Homeoffice, Flexibilität, Sicherheit und Digitalisierung. All diese Themen haben im Rahmen der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen, teilweise aus der Not heraus. Für Unternehmen liegt darin eine große Chance, vor allem sofern sie auf diese Themen Wert legen und darüber kommunizieren, auch nachdem wieder mehr Normalität eingekehrt ist. Schließlich zeigt ein Blick auf die Eigenschaften, die Arbeitgeber attraktiv machen, durchaus Übereinstimmungen. So liegt Innovation bei angehenden Ingenieuren und Naturwissenschaftlern sowie bei IT-Studierenden unter den Top 10. Das gleiche gilt für eine sichere Anstellung, die zusätzlich für die Wirtschaftswissenschaftler zu den zehn attraktivsten Arbeitgebereigenschaften zählt. Flexible Arbeitsbedingungen sind dagegen für Studierende der IT und Work-Life-Balance für die angehenden Naturwissenschaftler unter den Top 10.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE