Paris Auto Show 2018

Vinfast: „Good morning, Vietnam!“

| Autor / Redakteur: Oliver Altvater/Ampnet / Sven Prawitz

Vinfast hat seinen Produktionsstandort in Hai Phong, im Norden Vietnams.
Vinfast hat seinen Produktionsstandort in Hai Phong, im Norden Vietnams. (Bild: Vinfast)

In Paris stellt Vinfast seine beiden ersten Modelle der Öffentlichkeit vor. Der junge vietnamesische Automobilhersteller setzt ausdrücklich auf Premium und hat große Ziele – auch deutsche Partner sollen helfen, diese zu erreichen.

Ein Rundgang durch die neue Produktionsstätte von Vinfast zeigt, wie der erste Automobilhersteller Vietnams ab dem Jahr 2019 das eigene Land mobilisieren will: Die milliardenschwere Marke aus dem landesweit größten privaten Konzern, der Vingroup, setzt dabei vor allem auf Kooperationen mit Spezialisten der Branche wie BMW, Dürr, Eisenmann, Pininfarina, EDAG, Magna und vielen mehr. Ab Ende 2019 heißt es für die Automobilbranche zwischen rotem Fluss und Mekong-Delta: „Good morning, Vietnam!“. Dann rollen die ersten beiden Modelle vom Band. Auf der Mondial Paris Auto Show 2018 (4. bis 14. Oktober) präsentiert Vinfast diese der Weltöffentlichkeit.

Was sich zunächst anhört, wie die berühmte Geschichte vom Tellerwäscher, der sich zum Millionär hocharbeitet, hat diesmal nichts mit Amerika zu tun: Als der junge Vietnamese Pham Nhat Vuong vor 25 Jahren in der Ukraine eine Marktlücke erkannte, zögerte er nicht lange. Er nahm einen Kredit über 40.000 US-Dollar auf und verkaufte Instant-Nudeln unter dem Namen Miviva. Während er damit sein Fernweh kulinarisch linderte, baute er sich gleichzeitig ein Vermögen auf. Heute heißt sein neuestes Projekt Vinfast. Mit der ersten Automobilmarke Vietnams will Vuong zunächst die eigenen Landsleute mobilisieren. Die ersten beiden Modelle der Wahl sind zum einen ein siebensitziges „Sport-Utility-Vehicle“ und zum anderen eine Limousine mit fünf Sitzplätzen.

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Investitionsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar

Die Miviva-Instant-Nudeln verkaufte Vuong 2009 für 150 Millionen US-Dollar an Nestlé, kehrte er in seine Heimat zurück und baute die Vingroup auf, die ihn zum reichsten Vietnamesen werden ließ. Nun will er in außergewöhnlich kurzer Zeit ein erfolgreiches Automobilunternehmen aufbauen, wie schon der Name der Firma sagt: „Vin“ steht für Vietnam und „fast“ englisch für schnell.

Eingebettet in die Konzernstruktur der Vingroup sollen insgesamt bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar in die neue Auto-Marke fließen. Diese Summe liegt in der Größenordnung des Vingroup-Jahresumsatzes von 2017 mit 3,8 Milliarden US-Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro). Führend im Bau- und Immobiliensektor, engagiert sich der Konzern bisher außerdem in Einzelhandel, Tourismus sowie in der Bildung, Landwirtschaft und im Gesundheitssektor. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 32 Milliarden US-Dollar ist die Vingroup das landesweit größte private Unternehmen.

Fokus auf Vietnam

Mit der Präsentation der ersten beiden Modelle in Paris geben die Automobil-Novizen aus dem Hause Vinfast den Startschuss für eine Automobilindustrie in Vietnam. Mit international konkurrenzfähigen Produkten will das Unternehmen zunächst den eigenen Markt erobern, bevor weiteres Wachstum durch den Export generiert werden soll. Nicht nur die finanziellen Ressourcen der Vingroup untermauern die Pläne.

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Die Namen der Modelle wollen die Vietnamesen erst auf dem Automobilsalon in Paris preisgeben. Gemeinsam sollen sie der Welt als Vorhut einer vietnamesischen Automobil-Offensive zeigen, was das seit 2010 exponentiell wachsende Schwellenland leisten kann. Dazu ging Vinfast zahlreiche Kooperationen mit erfahrenen Partnern aus der internationalen Automobilbranche ein. Angetrieben werden beide Modelle per Heckantrieb, das SUV wahlweise zudem per Allradantrieb. Eine ZF-Acht-Gang-Automatik sorgt für die Einteilung der Antriebskraft. Beide Modelle wurden so entwickelt, dass sie den höchsten internationalen Sicherheitsstandards entsprechen sollen. Als lokale Besonderheit verzichtet Vinfast jedoch vorerst auf einen Spurhalteassistenten. Wer die rückständige vietnamesische Straßen- und bevölkerte Verkehrssituation kennt, weiß weshalb.

Ex-GM-Manager DeLuca setzt auf Premium

„Noch vor einem Jahr war hier nichts als Wasser“, erklärt James DeLuca, CEO von Vinfast und ehemaliger GM-Spitzenmanager, während sein Blick voller Stolz über das moderne Fabrikgelände schweift. Rund 335 Hektar misst die neue Produktionsstätte in Hai Phong, im Norden Vietnams – das größte Industrieprojekt, das Vietnam je gesehen hat. Inzwischen sind alle Gebäude komplett aufgebaut. Im nächsten Schritt folgt die Installation der Produktionstechnologie. Und die ist von der modernsten Sorte „4.0“. Vinfast hat von BMW die Rechte für den Einsatz von Fertigungstechnologien erworben. Damit wird die Hafenstadt Hai Phong zu einem wichtigen Industriestandort des Landes in unmittelbarer Nähe zum Wirtschaftsriesen China.

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Mit der Einführung der beiden ersten Modelle wollen die Verantwortlichen um Pham Nhat Vuong und James DeLuca Vinfast als begehrenswerte, moderne Automobilmarke der oberen Mittelklasse etablieren – Premiumanspruch ausdrücklich erwünscht. Nach dem Start in die beiden prestigeträchtigen Marktsegmente Limousine und SUV mit Stückzahlen von anfangs 100.000 bis 200.000 Einheiten pro Jahr soll die Gesamtproduktion mit der Einführung eines Modells der „A-Klasse“ ab 2025 auf 500.000 Einheiten wachsen. Mit diesen Kompaktmobilen will Vinfast das volumenstärkste Automobilsegment und damit die Marktführerschaft im vietnamesischen Automobilmarkt erobern.

Designimpulse von Pininfarina

Das Design des SUV und der Limousine wurden von der italienischen Design-Schmiede Pininfarina entwickelt. Die endgültige Designsprache wurde jedoch im Oktober vergangenen Jahres von den Vietnamesen per Abstimmung ausgewählt. So soll ein eigenständiger, vietnamesischer Charakter sichtbar werden. Zahlreiche weitere Partnerschaften, vor allem mit hochspezialisierten europäischen und vielen deutschen Unternehmen sorgen nach dem Beispiel der Kooperation mit BMW dafür, dass internationale Standards erreicht werden. Vinfast nennt die „klassenbeste Klimaanlage“ als Beispiel für die Anpassung an die Bedürfnisse des vietnamesischen Marktes.

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