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Historische Fahrzeuge

Volvo 240/260: Der Volvo aller Volvos

| Autor/ Redakteur: SP-X / Thomas Günnel

Langlebig und kantig wie Knäckebrot waren die Volvo 240 und 260, genau das machte den Charme der bis heute meistverkauften Volvo-Modellreihen aus. Die massiven Limousinen und Kombis waren Kult – nachdem sich Volvo von einem gewaltigen Imageproblem befreit hatte.

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Der Volvo unter den Volvos wird 40 Jahre alt. Die Baureihen 240 und 260 sind bis heute die meistverkauften Volvo-Modellreihen – und bei Fans noch immer Kult.
Der Volvo unter den Volvos wird 40 Jahre alt. Die Baureihen 240 und 260 sind bis heute die meistverkauften Volvo-Modellreihen – und bei Fans noch immer Kult.
(Foto: Volvo)

Nicht selten gewährt der Blick in die Kristallkugel nur ein Bild unscharfer Konturen. So kam es, dass Volvo-Konzernchef Pehr Gyllenhammar das Ölkrisenjahr 1974 als „ein verlorenes Jahr“ für Volvo bezeichnete. Auch manche Motorjournalisten sagten den damals neu präsentierten Volvo Modellen 240 und 260 keine große Zukunft voraus, weil sie zu deutlich an ihre acht Jahre alten Vorgänger, die kastenförmigen Volvo 140/160, erinnerten. In Wirklichkeit kam aber alles anders. Die anfangs als langweilig und uninspiriert bewerteten Limousinen, Kombis und Coupés der Serien 240 und 260 bescherten Volvo bis heute bestehende Rekordverkaufszahlen von rund 2,9 Millionen Einheiten und wurden gerade wegen ihrer Optik automobile Ikonen.

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Der Volvo unter den Volvos

Vor allem der Volvo 240 widersetzte sich gleich mehrmals den Prognosen über sein bevorstehendes Ende, so überlebte er die 1982 lancierte Nachfolgereihe 740/760 und genoss sogar noch nach dem 1991 erfolgten Marktstart des 850 mit Frontantrieb ungebrochene Beliebtheit. Dies als schwedisches Volksauto, Fahrzeug für Mercedes-Verweigerer, vielseitiger Familien- und Lastentransporter, sicherstes Auto Amerikas oder schlicht als der Volvo unter allen Volvo.

Entstanden war das erste Konzept zur erfolgreichsten Volvo-Baureihe aller Zeiten in den Jahren 1968/69, also mitten in einer Phase gesellschaftlicher Umwälzungen und Studentenunruhen. So wurde den Volvo 240/260 zunächst die Rolle des Revolutionärs in die Wiege gelegt und die ersten Vorboten in Form von zehn futuristischen Volvo Experimental Safety Cars (VESC) bestätigten in dieser Form noch nie dagewesene extrovertierte Designlinien. Zwar wirkten die 1972 öffentlich präsentierten Sicherheits-Forschungsfahrzeuge kaum weniger kantig als die bisherigen Volvo 140/160, dafür vermittelten massige Überrollbügel und riesige Sicherheitsstoßfänger das Bild einer Trutzburg mit vorgeschobener Unterlippe.

Benchmark beim Insassenschutz

Tatsächlich gingen viele der neuen Techniken aus den VESC bereits mit dem Serienanlauf der Volvo 240/260 an den Start, obwohl Volvo auf eine Großserienumsetzung der Concept Cars aus Kostengründen schließlich doch verzichtete. Stattdessen war die Serie 240/260 nur eine gründlich facegeliftete Neuauflage der Serie 140/160 mit frischem Vorderwagen bis zur A-Säule und anderer Heckgestaltung, jeweils mit vom VESC adaptierten Sicherheitsfeatures. Damit setzte Volvo einzigartige Standards beim Insassenschutz, wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestätigte, die den Typ 240 im Jahr 1976 zur Referenzbaureihe ihrer Sicherheitsforschung ernannte. Über seine ganze Bauzeit blieb der Volvo 240 Benchmark beim Insassenschutz. So bezeichnete das amerikanische Versicherungsinstitut IIHS noch 1993 den Volvo 240 als Fahrzeug mit den wenigsten Unfällen mit Todesfolge unter den in den USA von 1988 bis 1992 verkauften Fahrzeugen.

Pionier der Produktionsabläufe

Auch bei den Produktionsabläufen zählten die Volvo 240/260 zu den Pionieren und weltweit beachteten Referenzmodellen. Erstmals wurde nun eine Volvo-Reihe parallel in fünf Werken und vier Ländern (Schweden, Belgien, Kanada und Italien) gebaut, vor allem aber startete das neue schwedische Werk Kalmar im großen Stil mit dem soziologischen Experiment der sogenannten Gruppenmontage, wobei die neuen Volvo auf selbstfahrenden Plattformen von Arbeitsteam zu Arbeitsteam bewegt wurden. Ein Verfahren, mit dem Kalmar allerdings nie die Produktivität der anderen Werke erreichte, weshalb Volvo später wieder darauf verzichtete. Beispielhafte Langzeitqualität erreichten jedoch schließlich fast alle 240er und 260er. Nur sehr frühe Jahrgänge ärgerten bisweilen mit Rost und Auspuffproblemen.

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