Automatisiertes Fahren VW ID Buzz fährt ab 2025 autonom durch Hamburg

Redakteur: Claus-Peter Köth

Volkswagen Nutzfahrzeuge forciert seine Zusammenarbeit mit Argo AI. In München werden die ersten autonomen Prototypen auf Basis des künftigen ID Buzz getestet. Moia übernimmt ab 2025 in Hamburg.

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Volkswagen Nutzfahrzeuge nutzt für die Entwicklung des autonom fahrenden ID Buzz AD die Lidartechnik von Argo AI – die Serienreife will der Hersteller im Jahr 2025 erlangen.
Volkswagen Nutzfahrzeuge nutzt für die Entwicklung des autonom fahrenden ID Buzz AD die Lidartechnik von Argo AI – die Serienreife will der Hersteller im Jahr 2025 erlangen.
(Bild: Volkswagen)

Schon in vier Jahren will Volkswagen autonome Robo-Shuttles auf Basis des ID Buzz serienreif haben. Die ersten Prototypen werden in diesem Sommer im Münchner Umland getestet. In den kommerziellen Betrieb gehen sollen die Elektro-Vans dann ab 2025 mit der Konzerntochter Moia in Hamburg.

Leichte Nutzfahrzeuge sind für Volkswagen der erste, logische Einsatzort für den autonomen Transport von Menschen und Gütern. Dazu hat der Konzern ein eigenes Geschäftsfeld gegründet und sich für die Integration der Level-4-Technik in den vollelektrischen ID Buzz AD mit einer Milliarde Euro an Argo AI beteiligt – ebenso wie Ford. Argo entwickelt das sogenannte Self-Driving-System, kurz SDS, nach den Worten von CEO Bryan Salesky „das weltweit sicherste, intelligenteste und am besten skalierbare selbstfahrende System“.

Zweites Testfeld am Münchner Flughafen

Dafür testet Argo AI seit 2018 in sechs US-Städten, sammelt Daten, erstellt hochverdichtete 3-D-Karten und simuliert Szenarien am Computer. „Wir betrachten unser Testprogramm als das größte für innerstädtisches Fahren“, ergänzt Salesky, der zuvor bei Googles Selbstfahrer-Projekt die Hardware-Entwicklung leitete. Im Sommer dieses Jahres kommt München als erste europäische Stadt hinzu. In der Nähe des dortigen Flughafens hat Argo gerade ein neun Hektar großes Test-Areal für die Besonderheiten des europäischen Verkehrs eingerichtet.

Argos Testfahrzeuge, darunter auch ein VW T6, sind mit einer Kombination aus Kameras, Radar- und Lidar-Systemen ausgerüstet. Vor allem auf den selbst entwickelten Lidar, der nicht nur Objekte aus einer Distanz von bis zu 400 Metern erfassen kann, sondern diese auch in fotorealistischer Auflösung abbildet, ist das US-Unternehmen besonders stolz.

Mit der Lidar-Technik von Argo AI können Objekte in bis zu 400 Meter Entfernung erkannt werden.
Mit der Lidar-Technik von Argo AI können Objekte in bis zu 400 Meter Entfernung erkannt werden.
(Bild: Argo AI)

Der patentierte Scan-Modus soll selbst kleinste Lichtpartikel (von der Größe eines Photons) erkennen, so dass auch sehr schwach reflektierende Objekte detektiert und sehr genaue Darstellungen der Umgebung möglich werden. Damit können die autonomen Fahrzeuge dann auch in stark befahrene Fahrbahnen einfädeln, in engen Gassen mit Gegenverkehr manövrieren oder beim Abbiegen auf Radfahrer und Fußgänger Rücksicht nehmen. Und das Tag und Nacht, sieben Tage die Woche, bei Wind und Wetter.

Autonome Moia-Shuttles ab 2025

Für den kommerziellen Einsatz der künftigen Selbstfahrer-Technik hat VW sehr konkrete Pläne. So sollen die ersten autonom fahrenden ID Buzz AD ab 2025 als Moia-Shuttles in Hamburg zu sehen sein. Bereits seit April 2019 bietet die Konzerntochter in der Hansestadt ein Sammeltaxi-System mit einer speziell dafür entwickelten, vollelektrischen Fahrzeugflotte an, die inzwischen auf 500 Exemplare angewachsen ist, und sich in kurzer Zeit mit über drei Millionen Beförderungen zum größten rein elektrischen Ridepooling-Service in ganz Europa entwickelt hat – bis Corona das Geschäft zum Erliegen brachte.

Dennoch besitzt das Unternehmen schon jetzt reichlich Erfahrungen, weil es die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt, von der Software-Bündelung inklusive App, Einsatzsteuerung und Pooling-Algorithmus bis zum operativen Flottenbetrieb inklusive Fahrermanagement und Ladeinfrastruktur. „Diese Expertise bringen wir in die Kooperation mit VW Nutzfahrzeuge und Argo AI ein“, sagt Moia-Geschäftsführer Robert Henrich und verkündet: „Hamburg wird als erste Stadt einen autonomen Ridepooling-Service mit dem ID Buzz haben.“ Einen Vorgeschmack darauf soll es schon im Oktober diesen Jahres geben, wenn in Hamburg der ITS-Weltkongress (Intelligent Transport Systems) stattfindet – unterstützt von Volkswagen.

Sollten die Parlamente den Gesetzentwurf zum autonomen Fahren zügig verabschieden, dürfen bald autonome Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer in Deutschland kommerziell eingesetzt werden.

mit Material von ampnet

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