Automobil-Leichtbau

75 Jahre Kunststoff-Karosserie: Der leichte Traum

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Sportler und „Duroplast-Bomber“

Die Rettung für die Corvette brachte ein neuer Chefingenieur: Zora Arkus-Duntov, ein früherer Rennfahrer, demonstrierte den GM-Verantwortlichen was dem Fiberglasauto fehlte. Mit einem 145 kW/197 PS starken V8-Triebwerk beschleunigte Duntov die Corvette in Daytona auf eine Höchsgeschwindigkeit von 150 Meilen (241 km/h) und legte damit die Basis für einen erfolgreichen Relaunch des Racers. Konträr dazu verlief das Schicksal des Volvo Sport P 1900. Der Schwede schrieb 1954 Geschichte als erster europäischer Roadster mit Fiberglas-Karosserie. Doch dessen Entwicklung verlief offenbar zu schnell.

Folge der übereilten Volvo-Entwicklung waren massive Qualitätsprobleme, die nach nur 68 produzierten Einheiten das vorzeitige Aus für den P 1900 brachten. Tatsächlich waren es bis Ende der 1950er Jahre vor allem Concepts und Kleinstmobile, die mit Fiberglas Furore machten. Andererseits gab es aber auch atemberaubend gezeichnete Sportler wie den DKW Monza, die Renault Alpine oder den Lotus Elise mit Fiberglas-Monocoque.

75 Jahre Kunststoff-Karosserie: Stoff der leichten Träume
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Massenmodell Trabant P50

Als echtes Massenmodell startete 1958 der Trabant P50. Bereits dieser Vorfahre des legendären DDR-Volksautos Trabant 601 (1964 bis 1990) verfügte über eine Karosserie, die mit Duroplast verkleidet war. Dazu wurden Baumwollfasern zu Vliesmatten verdichtet und mit Phenolharz gemischt. Anschließend wurden die Matten in Heißpressen geformt und montiert. Dagegen waren bei den sogenannten „Leukoplastbombern“, Lloyd-Kleinwagen aus dem Borgward-Konzern, ab 1950 lediglich die Sperrholzkarosserien mit Kunstleder überzogen worden. Andererseits demonstrierten im Jahr 1963 Design-Meilensteine wie der amerikanische Studebaker Avanti mit einer Karosserie aus Komposit-Materialien und der Porsche 904 GTS als straßentauglicher Rennwagen, welche automobilen Kunstwerke aus innovativem Kunststoff kreiert werden können.

Wunderstoff CFK

Abgesehen von der Corvette waren es anfangs aber vor allem spaßige Strandautos, die mit Kunststoffkarosserien Stückzahlen im sechsstelligen Bereich erreichten. So etwa der 1968 lancierte Citroën Méhari, dem dann die Renault-Rodeo-Familie Konkurrenz machte. Überhaupt waren es besonders Franzosen, Engländer und Amerikaner, die Plastikautos favorisierten. Dies mit Fiberglas oder dem ab 1968 verbauten Verbundwerkstoff Sheet Molding Composite (SMC), einer Zusammensetzung aus Fiberglas und dem Gießharz Resin. Während Chrysler und Pontiac Ende der 1960er Jahre mit SMC-Komponenten Aufsehen erregten, folgten in den 1970er Jahren ganze Geschwader von Matra- oder Lotus-Sportwagen und sogar Ferrari mit dem 308 GTB.

Zwei Meilensteine im Jahr 1984

Im Jahr 1984 gab es dann gleich zwei neue Meilensteine zu feiern: Der Sportler Pontiac Fiero ging als erstes Auto mit einer Karosserie aus Komposit-Materialien in Großserie und der Renault Espace startete als erste europäische Großraumlimousine mit gänzlich neuer Karosseriekonstruktion: Seine tragende Struktur aus feuerverzinktem Stahl wurde mit Kunststoffpaneelen verkleidet. Neun Jahre später kam dann erstmals Recycling-SMC zum Einsatz, so etwa beim Interieur von Corvette und Chrysler Ram Van. Auch die neuen Materialien Karbon und Titan wurden bei der Corvette (Generation C5, ab 1997) frühzeitig in größerem Umfang verwendet. Dagegen versuchte das Smart City Coupé ab 1998 Mode zu machen mit austauschbaren Body Panels aus zeitgeistig bunten Kunststoffen.

Erstes Serienfahrzeug mit Monocoque und Aggregateträger aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) war ab 2003 der Supersportwagen Porsche Carrera GT. Längst sind Kunststoff-Komponenten im Fahrzeugbau unverzichtbar – aus Gründen der Gewichts- und Verbrauchsreduzierung ebenso wie wegen ihres Potenzials für die passive Fahrzeugsicherheit. Hier erreichen sie teils schon Resultate als hochfeste Stähle. Wo die Reise hingehen könnte, zeigt aktuell der Plug-in-Hybrid Volkswagen XL1 mit CFK-Karosserie und einem Verbrauch von 0,9 Litern auf 100 Kilometer.

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