Naturkatastrophen, Suezkanal-Blockade Analysten warnen vor verschärften Lieferengpässen

Redakteur: Svenja Gelowicz

Alleine im ersten Quartal konnten weltweit 1,3 Millionen Fahrzeuge nicht vom Band rollen. Das haben Analysten von IHS Markit berechnet. Sie warnen vor einer Erholung später als bislang vermutet.

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Hersteller und Lieferanten füllen ihre Bestände wieder auf.
Hersteller und Lieferanten füllen ihre Bestände wieder auf.
(Bild: Dräxlmaier)

Ein Eissturm in Texas, der die drei Halbleiterhersteller NXP, Infineon und Samsung in die Knie zwang. Ein Brand in Japan, der eine wichtige Waferlinie des Chipherstellers Renesas zerstörte. Und Taiwan erlebt gerade eine schlimme Dürre, die Chipproduktion benötigt allerdings große Mengen von hochreinem Wasser.

Schließlich ist da noch die „Ever Given“, das auf Grund gelaufene Containerschiff, das den Suezkanal für sechs Tage blockierte. Der Suezkanal ist eine wichtige Handelsroute für Autoteile: In einem normalen Jahr werden Teile im Wert von etwa 1,7 Milliarden Dollar in europäische Häfen verschifft. Teile im Wert von 1,3 Milliarden Dollar schwimmen in Containern Richtung Süden, davon gehen drei Viertel nach China.

Im ersten Quartal fehlen 1,3 Millionen Fahrzeuge

Lieferketten wackeln weltweit. Die Gründe dafür taugen längst als Stoff für einen Katastrophenfilm. Vor allem verschärfen sie die Knappheit von elektronischen Bauteilen, die bereits mehrere Autowerke lahmgelegt hat. Auch fehlender Stahl bereitet Unternehmen Kopfzerbrechen. Und auch der Rohstoff Polypropylen, der zum Beispiel in Stoßfängern steckt, ist gerade Mangelware.

Analysten von IHS Markit prognostizieren in einem Report von Mittwoch (31. März), dass die Lieferengpässe der Autobranche im ersten Quartal 1,3 Millionen Fahrzeuge kosten. Damit haben sie ihre Prognose von Februar um 300.000 Einheiten erhöht. Somit steigt die weltweite Autoproduktion im ersten Quartal um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die erwähnten Werke in Japan und Texas könnten für einen Monat stillstehen. Bis sie wieder auf Volllast produzieren können, dauert es noch länger, warnen die Analysten. Renesas selbst teilte mit, es benötige mindestens 100 Tage, bis sich die Situation in dem Werk im Nordosten Japans normalisieren wird.

Erholung erst 2022

Daher erwartet IHS Markit, dass das zweite Quartal ähnlich angespannt verlaufen wird wie das erste. Eine Stabilisierung des Angebots könnte im vierten Quartal erfolgen, während erst im nächsten Jahr eine Erholung eintreten könnte. Beliebte Fahrzeuge, warnt IHS Markit, könnten dadurch in nennenswerten Stückzahlen in größeren Märkten nicht verfügbar sein. Die eingangs genannten Störquellen könnten sich in den Werken der Autohersteller in zwei bis zehn Wochen zeigen.

„Ein wiederkehrendes Thema bei all diesen Engpässen oder Kapazitätsbeschränkungen ist ein Anstieg der Rohstoffpreise, den die Lieferanten an die OEMs und später an die Verbraucher weitergeben müssen“, warnte IHS-Analyst Matteo Fini in einer Mitteilung.

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