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Elektromobilität

BMW-Entwicklungschef Fröhlich: Hybrid ist keine Übergangstechnologie

| Autor: Svenja Gelowicz

BMWs Entwicklungschef kritisiert Volkswagen scharf: Deren Pläne zur E-Mobilität schadeten einer ganzen Volkswirtschaft – und erleichterten außerdem der Konkurrenz aus China den Markteintritt. Derweil sucht VW-Chef Diess in Wolfsburg laut einem weiteren Bericht händeringend Entwickler.

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BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich.
BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich.
(Bild: BMW)

Es ist erst einige Wochen her, dass sich verschiedene Akteure der Autoindustrie öffentlich über die Konzernstrategien in Sachen Elektromobilität gestritten haben. Dabei spielte auch eine große Rolle, dass der VW-Chef Herbert Diess die eigene Strategie am liebsten einer ganzen Branche verordnen würde. Rein batteriebetrieben will man bei Volkswagen künftig unterwegs sein, 70 E-Modelle bis 2028 anbieten können. Und da wäre es eben praktisch, wenn Förderprogramme der Politik nur für reine E-Autos gälten.

In einem Interview mit der „Welt“ übt Entwicklungschef Klaus Fröhlich nun scharfe Kritik an dem Vorgehen der Wolfsburger. „Ich glaube nicht, dass man immer zwingend eine gemeinsame Position haben muss. Aber wenn ein Unternehmen versucht, die Förderung – zum Schaden unserer Volkswirtschaft – sehr einseitig in die eigene Richtung zu lenken, dann müssen wir widersprechen“, sagte Fröhlich gegenüber der Zeitung. Es ginge darum, dass Volkswagen die Förderung von kleinen und sehr preiswerten E-Autos durchsetzen wollte – also denen des eigenen Portfolios. „Das Ergebnis wäre auch ein Förderprogramm für asiatische Hersteller von kleinen Elektroautos gewesen. Denn dort werden viel mehr preiswerte Elektrofahrzeuge gebaut als im Hochlohnstandort Deutschland. Und elektrische Fahrzeuge, die wie der i3 bereits im Markt sind, wären benachteiligt worden“, zitiert die „Welt“ den Entwicklungschef.

Unterstützung gibt es auch von der BMW-Spitze: „Technologisch alles auf eine Karte zu setzen wäre der völlig falsche Weg und für den Wohlstand in unserem Lande gefährlich“, sagte BMW-Chef Harald Krüger im Interview mit dem „Handelsblatt“.

Fröhlich: BMW-Strategie kommt in der Politik gut an

Für Klaus Fröhlich kommt es jetzt auf die Ergebnisse aus Berlin an. Die BMW-Strategien würden im politischen Berlin „sehr gut verstanden werden“, und er sei gespannt, was der Bundesfinanzminister jetzt zur weiteren Förderung der Elektromobilität vorschlagen wird, sagte Fröhlich im Interview weiter. Technologieoffenheit bei Förderprogrammen sei wesentlich, die Südachse BMW-Daimler möchte Hybride subventioniert haben. Und letztere, macht Fröhlich im Interview deutlich, sind keine Übergangstechnologie. Er verweist auf den X5 aus seinem Haus, der als Plug-in-Hybrid 80 Kilometer elektrische Reichweite schaffe. Mit dem Auto könne man aber eben auch eine Urlaubsreise machen. In Rotterdam teste BMW gerade das automatisierte Abschalten des Verbrennungsmotors in emissionsfreien Zonen.

Nicht zuletzt übt Fröhlich Kritik an seiner Lobby: Der VDA müsse sich von innen heraus erneuern. „Ich wünsche mir wieder eine größere Relevanz des VDAs im gesellschaftlichen Diskurs. Der Ansatz, immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen, wird nicht reichen“, sagt der Entwicklungschef gegenüber der Welt“.

Herbert Diess sucht händeringend Entwickler

Derweil scheint es in Wolfsburg zu kriseln. Laut einem Bericht des „Spiegel“ kämpft VW mit Entwicklungsproblemen bei der neuen Golf-Generation. Die Entwicklungsabteilung sei „dramatisch unterbesetzt“, laut der Wochenzeitung sind mehrere Hundert Planstellen offen. Vor allem an Softwareingenieuren soll es dem Autokonzern am Mittellandkanal mangeln. Der Ärger mit dem neuen Golf soll schon Krisentreffen mit Automobilzulieferern zur Folge gehabt haben und sogar die Vorstandschefs von Bosch und Conti seien in Wolfsburg gesichtet worden.

Für das Lösen der Elektronikprobleme im Golf 8 und auch im ID brauche es zwei Elektronikteams, schreibt der „Spiegel“ weiter, dafür soll laut einem Vertrauten das Personal nicht reichen. Thomas Ulbrich, Markenvorstand E-Mobilität, und Markenvorstand Produktion, Andreas Tostmann, sollen sich um die gleichen IT-Entwickler bemüht haben. „Jeder wollte, dass sich das Team vor allem um sein Auto kümmerte“, zitiert die Zeitung einen Insider. Dadurch wären beide Vorhaben ins Stocken geraten.

Diese Querelen dürften vor allem für Entwicklungsdienstleister von Interesse sein. Softwarekompetenz, das scheint sicher zu sein, wird in Wolfsburg gerade händeringend nachgefragt.

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 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin