Chipindustrie Bosch eröffnet Halbleiterfabrik in Dresden

| Aktualisiert am 07.06.2021Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Es ist die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte: Bosch eröffnete seine Halbleiterfabrik in Dresden. Es sollen bereits dieses Jahr die ersten Chips verkauft werden.

Firmen zum Thema

Der Bund förderte den Bau mit rund 140 Millionen Euro.
Der Bund förderte den Bau mit rund 140 Millionen Euro.
(Bild: Baldauf&Baldauf Fotografie/Bosch)

Perfektes Timing inmitten der Chipkrise: Knapp drei Jahre nach der Grundsteinlegung nimmt Bosch seine neue Halbleiterfabrik in Dresden in Betrieb. An der digitalen Eröffnungsfeier am 7. Juni nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer teil. Bosch will in der sächsischen Landeshauptstadt künftig auf 300-Millimeter-Wafern Chips für das Internet der Dinge und die Automobilindustrie fertigen. Langfristig sollen rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen.

Aktuell arbeiten laut Bosch-Vorstand Denner 250 Mitarbeiter am Standort in Dresden. Weitere Bewerbungen laufen und Bosch könne hier auf hochqualifizierte Mitarbeiter zurückgreifen. Die Fertigstellung der Halbleiterfabrik erfolgte sechs Monate früher als geplant. Erste Chips für den Automobilbau sollen noch im Dezember dieses Jahres das Werk verlassen.

Digitaler Zwilling der Fabrik

Die Planung der Fab dauerte laut Volkmar Denner rund zwei Jahre. Produziert werden Leistungshalbleiter, die für Gleichspannungswandler in Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzt werden sollen. Aber auch ASICs (englisch application-specific integrated circuit) für Airbags, ESP-Systeme und Motorsteuergeräte.

In Dresden beginnt eine neue Ära der Mikroelektronik. Die neue Halbleiterfabrik gehört zu einer der modernsten der Welt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Der Bau der den Angaben zufolge ersten vollständig digitalisierten und hochvernetzten Halbleiterfabrik Europas – sie existiert komplett als digitaler Zwilling – wurde mit rund 140 Millionen Euro vom Bund gefördert. Eine starke Mikroelektronik-Industrie in Deutschland sei notwendig, um bei Zukunftstechniken wie 5G, künstlicher Intelligenz und automatisiertem Fahren vorne mit dabei zu sein, so Altmaier.

Kosten: rund eine Milliarde Euro

Bosch habe rund eine Milliarde Euro in die neue Fabrik in der Nähe des Dresdner Flughafens investiert – die größte Einzelinvestition in der Bosch-Firmengeschichte. Damit wächst das sogenannte Silicon Saxony: Mit den großen Chipfabriken von Infineon und Globalfoundries ist Dresden bereits einer der wichtigsten Halbleiterstandorte in Europa.

Von der neuen Bosch-Fabrik sei eine Signalwirkung ausgegangen, sagte der Geschäftsführer von Silicon Saxony, Frank Bösenberg. Konzerne wie Vodafone oder Jenoptik hätten jüngst Investitionen in Dresden angekündigt.

Weltweite Chipknappheit hält an

Auch mit der neuen Halbleiterfabrik soll die angespannte Situation auf dem Weltmarkt anhalten. So wird der weltweit größte Auftragsfertiger TSMC aus Taiwan in den nächsten drei Jahren über 100 Milliarden US-Dollar in seine Halbleiterwerke investieren. Eher wird sich die Lage weiter anspannen. Der Markt für Halbleiter wird laut Denner in diesem Jahr um elf Prozent auf 400 Milliarden Euro wachsen.

(ID:47452641)