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DS Automobiles: „Wir müssen unbedingt flexibel bleiben“

| Redakteur: Christian Otto

Marion David, Direktorin Produkt DS Automobiles, spricht über die Rolle der ersten französischen Premiummarke im PSA-Konzern, das erste vollelektrische Modell und die Plattformstrategie.

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Marion David, Direktorin Produkt bei DS Automobiles.
Marion David, Direktorin Produkt bei DS Automobiles.
( Bild: DS Automobiles )

Frau David, Sie sind im vergangenen Jahr von Peugeot zu DS gewechselt. Was sind in Ihrer Wahrnehmung die wesentlichen Unterschiede beider Marken?

Peugeot ist die starke Volumenmarke des PSA-Konzerns. DS hingegen ist höher ausgerichtet. Es ist die erste französische Premiummarke. Bei Peugeot steht das Absatzvolumen im Vordergrund, bei DS denken wir an einen Premiumanspruch, das außergewöhnliche Design und die Marge. Das ist ein klarer Unterschied in der Denkweise.

Der Name DS ist natürlich auch historisch mit dem Modell von Citroën belegt. Hat das Einfluss auf Ihre Marke?

Es ist eine große Herausforderung. Mit DS ist eines der erfolgreichsten französischen Fahrzeugmodelle verbunden.

Wie ist die Entwicklungsabteilung der Marke organisiert?

DS hat hier keine eigene F&E-Abteilung. Vielmehr entsteht die Entwicklungsleistung aus der globalen PSA-F&E heraus. Dort arbeiten rund 18.000 Mitarbeiter, teilweise markenübergreifend. Seit 2017 wird dort auch das Opel-Entwicklungsteam in den F&E-Footprint der PSA-Gruppe integriert. Bei DS müssen die Ingenieure nochmals stärker auf Themen wie Performance und Qualität achten.

Wie stark tauschen sich die für die Marken zuständigen Ingenieure untereinander aus? Können womöglich auch die Opel-Mitarbeiter Impulse für die Premiummarke geben?

Der Austausch ist sehr stark. Vor allem dann, wenn wir ein DS-Modell entwickeln. Es ist dann Teil eines globalen PSA-Programms, in dem auch Fahrzeuge für die anderen Marken entstehen. Und es gibt immer wieder Impulse. So sind beispielsweise die Sitzspezialisten im globalen Team deutsche Ingenieure – sie bringen auch für DS ihr Know-how ein.

Der DS 7 Crossback baut wie der Opel Grandland X, der Peugeot 5008 II oder der Citroën C5 Aircross auf der EMP2-Plattform des PSA-Konzerns auf. Warum sollten Kunden trotzdem einen DS kaufen?

Wir versuchen einfach dort eine Teilegleichheit anzustreben, wo es der Kunde nicht sieht und wo es die Performance nicht beeinflusst. Was allerdings die Einzelmarken für den Käufer spezifisch machen soll, wird ganz klar auch spezifisch ausgelegt. Und DS bedient jenseits der geteilten Basistechnik als einzige der Marken das Premiumsegment.

Sehr spezifisch für DS ist ja das Design, etwa die Diamantformen im Interieur. Kommt diese Designsprache globalen Anforderungen nach?

Wir könnten uns nicht als Premiummarke neu etablieren, ohne etwas Spezielles am Markt anzubieten. DS hat den Anspruch, französisches Luxusverständnis in die Automobilindustrie zu bringen. Wir müssen so gut wie die deutschen Mitbewerber sein, aber wir müssen zusätzlich unsere Note einbringen. Das sieht man zum Beispiel im Interieur oder bei der Interieurbeleuchtung. Wir wollen französisches Design verkörpern.

Mit dem DS 3 Crossback kommt ab der zweiten Hälfte 2019 das erste vollelektrische Modell der Marke auf den Markt. Hier kooperieren sie mit Dongfeng aus China, die mit 14 Prozent an PSA beteiligt sind. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Dongfeng ist ein Shareholder von PSA. Wir haben zusammen das Elektrifizierungsprogramm gestartet. Aber der chinesische Partner hatte keine spezifische Rolle. DS hat für das Thema Elektromobilität die Führungsrolle innerhalb der Groupe PSA übernommen. Somit ist der DS 3 Crossback das erste vollelektrische Modell innerhalb der PSA-Gruppe. Als Reichweite bietet er 320 Kilometer nach WLTP, das sind 450 nach NEFZ. Das Laden der Batterie auf 80 Prozent dauert 30 Minuten mit Hilfe eines 100-Kilowatt-Schnellladesystems. Für das Laden haben wir Netzpartner. Sie arbeiten aber nicht spezifisch für DS.

Für reine Elektroautos hat PSA die Plattform CMP entwickelt, die auch konventionelle Antriebe wie Benzin oder Diesel aufnehmen kann. Warum diese Mehrgleisigkeit?

Wir müssen in der Produktion unbedingt flexibel bleiben, da niemand weiß, wie schnell vollelektrische Fahrzeuge von den Kunden angenommen werden. Deshalb haben wir uns für eine Mehrenergie-Plattform entschieden.

Gibt es erklärte Absatzziele für das vollelektrische Modell?

Das erste richtige Absatzjahr des DS 3 Crossback E-Tense wird 2020 sein. Wir können danach den Anteil auf 20 Prozent der Gesamtproduktionsmenge hochfahren. Wir haben aber keine spezifischen Ziele, sondern folgen den Bestellungen.

Und wie organisieren Sie Verkauf und Service der vollelektrischen DS-Modelle?

Nur die DS-Händler dürfen die Fahrzeuge verkaufen. Sie bekommen eine spezielle Schulung für den Service der E-Varianten. Jeder Kunde soll sein vollelektrisches Fahrzeug bei allen DS-Autohäusern reparieren lassen können.

Ist eine reine E-Plattform bei PSA geplant?

Die derzeitige Strategie sieht das nicht vor. Wir setzen in den nächsten Jahren auf die flexible Plattform.

Wie sieht die weitere Elektrifizierungsstrategie von DS aus?

2019 ist das erste Jahr der Elektrifizierung von DS. Für jedes Modell, das wir danach launchen, wird es eine elektrische Version geben. Von 2025 an werden wir nur noch rein elektrische oder Hybridvarianten produzieren.

DS ist beim Thema Elektromobilität in Führung. Wie schnell folgen die anderen PSA-Marken?

Aufgrund der CO2-Vorgaben etwas schneller, als wir erwartet hatten. Auch das Pricing spielt eine Rolle: Bei der höherpreisigeren Marke Peugeot wird die Elektrifizierung wohl schneller starten als bei Citroën.

Woher beziehen Sie die Batteriezellen, und wer übernimmt das Packaging?

CATL ist unser Lieferant für die Batteriezellen. Das Package wird bei PSA zusammengestellt und integriert.

Das Thema Sicherheit spielt DS bei der Bewerbung seiner Modelle sehr offensiv. Inwieweit treibt die Marke das Thema autonomes Fahren voran?

Auch beim autonomen Fahren eilt DS innerhalb der PSA-Gruppe voraus. Die DS-Assistenzsysteme, die wir einsetzen, sind umfassender als die der Konkurrenz im Crossover-Segment. In den kommenden Jahren werden wir das automatisierte Fahren vorantreiben.

Hinweis: Das Interview wurde erstmals in der Märzausgabe unseres Magazins veröffentlicht. Mittlerweile hat PSA eine Automatisierung über den Level 3 hinaus ausgeschlossen.

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