Leichtbaupreis Enlighten Award 2021: Was die Gewinner auszeichnet

Autor: Claus-Peter Köth

Ford, Magna und SAIC GM Wuling sind die Preisträger für die nachhaltigsten Produkte; Faurecia und Henkel für die nachhaltigsten Prozesse. Alle Gewinner verbindet der Leichtbau, eine Schlüsseltechnologie der Zukunft.

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Der Ford Mustang Mach-E stößt während der Fahrt kein CO2 aus und hat eine 100 Prozent vegane Innenausstattung.
Der Ford Mustang Mach-E stößt während der Fahrt kein CO2 aus und hat eine 100 Prozent vegane Innenausstattung.
(Bild: Ford)

Der gemeinsam mit dem Center for Automotive Research (CAR) verliehene Altair Enlighten Award zeichnet die beeindruckendsten Initiativen der Automobilindustrie im Bereich nachhaltiges Engineering aus. Der Fokus liegt dabei auf dem Leichtbau und dem Einsatz innovativer Materialien sowie Technologien, die CO2-Emissionen reduzieren. Im Jahr 2021 standen bedeutende Fortschritte bei der Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, der Senkung des Wasser- und Energieverbrauchs sowie der Zweitverwendung und des Recyclings von Materialien im Vordergrund.

Die Gewinner nach Kategorien auf einen Blick:

Sustainable Product – Vehicle

Platz 1: Ford Motor Company. Die Nachhaltigkeit des vollelektrischen Ford Mustang Mach-E wird zusätzlich durch eine hundertprozentige vegane Innenausstattung hervorgehoben. Diese verzichtet komplett auf tierische Produkte.

Sustainable Product – Component

Platz 1: Magna International. Durch die Verwendung von leichten, kosteneffizienten und zu 78 Prozent recycelbaren Kunststoffen reduzieren der aktive Luftabweiser und die Kühlergrillblenden des RAM 1500 den Luftwiderstand um neun Prozent und sorgen so für einen geringeren Kraftstoffverbrauch.

Platz 2: SAIC GM Wuling Automobile. Um die Gewichts- und Sicherheitsziele zu erreichen, kommt in der Rohkarosserie des Wuling Victory vermehrt hochfester und ultrahochfester Stahl sowie ein Warmumformverfahren zum Einsatz. Das Gesamtgewicht des Fahrzeugs konnte so um 61,5 Kilogramm reduziert werden. Das bedeutet 0,2 Liter weniger Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer.

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Sustainable Process

Platz 1: Faurecia. „NAFILean Stiff“ ist ein Polypropylen-Compound, das zu 20 Prozent aus biologisch erzeugten Inhaltsstoffen besteht und zu 100 Prozent recycelbar ist. Der Werkstoff ist die jüngste Innovation der NAFILean-Produktfamilie. Sie wird seit 2013 in 17 Serienfahrzeugen eingesetzt und kommt damit einer Flotte von 14 Millionen Fahrzeugen zugute.

Platz 2: Henkel. Das Metallvorbehandlungsverfahren „Pallumina“ wird in der Produktion der Toyota-Modelle Tacoma und Tundra eingesetzt. Es bietet nach eigenen Angaben im Vergleich zu konventionellen Prozessen signifikante Vorteile in punkto Nachhaltigkeit, darunter den Verzicht auf Schwermetallphosphate, eine bis zu 90 Prozent reduzierte Klärschlammerzeugung und die Verringerung des Wasserverbrauchs um bis zu 50 Prozent.

Lightweighting Enabling Technology

Platz 1: Arcelor Mittal. Der Stahl der nächsten Generation namens „Fortiform 980GI“ kombiniert die hohe Duktilität für komplexe Formen mit einer höheren Festigkeit zur verbesserten Sicherheit und bietet ein Gewichtseinsparpotenzial von bis zu 20 Prozent.

Platz 2: JAC Group. Die Karosserie des Sportwagen-Modells SOL A5 entstand mit einem integrierten, simulationsgesteuerten Designprozess. Durch einen multidisziplinären Ansatz, der auch Sicherheit, Geräusch- und Schwingungsverhalten (NVH) sowie Lebensdauer umfasst, wurde das Fahrzeuggewicht um 106,3 Kilogramm reduziert werden.

Lobende Erwähnung: U.S. Steel. Mit seiner Stahlsorte „980 XG3 Gen3 AHSS“ realisiert der Stahlhersteller durch die Kombination von Festigkeit und Umformbarkeit ohne Beeinträchtigung der Schweißbarkeit eine Gewichtsersparnis von etwa zehn Prozent – mit einer potenziellen Verbesserung der Sicherheitsleistung im Vergleich zu früheren Rohkarosserien des Programms.

Module Lightweighting

Platz 1: Stellantis. Die Tunnelverstärkung des neuen Jeep Grand Cherokee aus Verbundwerkstoff (weitere Partner: BASF, L&L Products) ist für einen wichtigen Lastpfad ausgelegt und erzielt eine Gewichtseinsparung von 40 Prozent beim Bauteil selbst und von weiteren 20 Prozent beim Subsystem. Insgesamt wird das Fahrzeug um 2,1 Kilogramm leichter, bei geringeren Kosten sowohl für das Bauteil als auch für den zugrundeliegenden Werkzeugbau.

Platz 2: Rassini Suspensiones. Die leichte Multi-Material-Hybrid-Blattfeder verwendet GFK-Verbundwerkstoffe und die HP-RTM-Fertigungstechnik, die eine Gewichtseinsparung von 30 Prozent gegenüber der vorherigen Produktgeneration ermöglicht. Da das Bauteil in leichten Nutzfahrzeugen sowie mittleren und schweren Transportfahrzeugen eingesetzt werden kann, wird der potenzielle jährliche Gesamtmarkt auf neun Millionen Blattfedern geschätzt.

Future of Lightweighting

Platz 1: American Axle & Manufacturing. Die elektrische Antriebseinheit von AAM spart im Vergleich zu vergleichbaren Systemen mehr als 25 Prozent an Masse. Durch die Integration des elektrischen Antriebes, des Getriebes und des Inverters in ein kompaktes Paket hat sie zudem ein besseres Leistungsgewicht als Wettbewerbsprodukte.

Platz 2: Shiloh Industries. Die lasergeschweißte, gekrümmte Platine aus Aluminium kommt mit nur einem Bauteil aus und macht vier Originalteile überflüssig. Bei einer typischen Heckklappe führt dies beispielsweise zu einer Gewichtsreduzierung von 16 Prozent. Bei 5,3 Kilogramm pro Fahrzeug würde das eine Gesamteinsparung von drei Millionen Kilogramm Aluminium pro Jahr bedeuten, basierend auf einem Produktionsvolumen von 300.000 Fahrzeugen.

Lobende Erwähnung: Dura Automotive Systems. Die modulare Batteriehalterung für Elektroautos kann auf verschiedene Plattformen und Fahrzeuge aller Typen und Größen zugeschnitten werden. Sie ist zehn Prozent leichter als eine alternative Konstruktion und reduziert die CO2-Emissionen über die Programmlaufzeit um 3,8 Tonnen.

„Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit Altair erneut eine beeindruckende Anzahl von innovativen Projekten auszeichnen zu können. Der Leichtbau ist von zentraler Bedeutung beim Streben nach höherer Kraftstoffeffizienz und Elektrifizierung, was wiederum entscheidend für die Zukunft der gesamten Branche ist“,betonte Carla Bailo, President und Chief Executive Officer bei CAR.

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Alle Informationen zur Veranstaltung

„Heute mehr denn je sind Nachhaltigkeit und Emissionsreduzierung große Herausforderungen nicht nur für die Automobilbranche, sondern für die gesamte Gesellschaft“, sagte James Scapa, Gründer, Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer von Altair, bei der Preisverleihung.

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 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur Automobil Industrie & Next Mobility