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Sicherheit Euro NCAP testet Autobahnassistenten

| Autor/ Redakteur: jri/Ampnet / Thomas Günnel

Euro NCAP hat erstmals Assistenten für automatisiertes Fahren in sein Testprogramm aufgenommen. Bewertet wurden Spurhalteassistent, Tempomat und Abstandsregeltempomat von zehn Herstellern als Autobahnassistent.

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Euro NCAP hat erstmals sogenannte Autobahnassistenten getestet.
Euro NCAP hat erstmals sogenannte Autobahnassistenten getestet.
(Bild: Euro NCAP)

Euro NCAP hat gemeinsam mit dem ADAC sogenannte Autobahnassistenten getestet, Spurhalteassistenten, Tempomaten und Abstandsregeltempomaten. Geprüft wurden im erweiterten Verfahren die Modelle Audi A6, 5er BMW, DS 7 Crossback, Ford Focus, Hyundai Nexo, Mercedes-Benz C-Klasse, Nissan Leaf, Tesla Model S, Toyota Corolla und Volvo V60.

Den Unterstützungsgrad der automatischen Abstandsregelung bewertete die Verbraucherschutzorganisation, der auch der ADAC angehört, beim DS und beim BMW als gering. Die Kontrolle lag in erster Linie beim Fahrer. Bei Audi, Ford, Hyundai, Mercedes, Toyota, Nissan und Volvo war das Verhältnis zwischen fahrerseitiger Kontrolle und Systemunterstützung ausgewogen, befand Euro NCAP. Dagegen besteht bei Tesla die Gefahr einer übermäßigen Abhängigkeit vom Assistenzsystem, da die Kontrolle in erster Linie beim Fahrzeug liegt.

Ein- und Ausscher-Test

Die größte Herausforderung für solche Fahrerassistenzsysteme sind Tests mit Szenarien wie Einscheren und Ausscheren. Beim Einscher-Test wechselt ein Fahrzeug von der benachbarten Fahrspur knapp vor dem Testfahrzeug auf dessen Spur. Hier wird eine Alltagssituation simuliert und ein aufmerksamer Fahrer wird ein solches Manöver in der Regel frühzeitig erkennen und seine Geschwindigkeit entsprechend verringern.

Beim Ausscher-Szenario verlässt ein vorausfahrendes Auto plötzlich seine Fahrspur, um einem stehenden Fahrzeug auszuweichen. Das System hat hierbei nur wenig Zeit, die Situation zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

Spurhaltefunktion

Eine zweite Versuchsreihe beurteilt die Spurhaltefunktion. Der Grad der Lenkunterstützung durch das jeweilige System wird im so genannten S-Kurven-Test bei verschiedenen Geschwindigkeiten getestet. In einem weiteren Test wird der Lenkaufwand gemessen, den der Fahrer zum Umfahren eines kleinen Hindernisses auf der Straße, zum Beispiel eines Schlaglochs, aufbringen muss. Ein gutes Fahrerassistenzsystem unterstützt den Fahrer auch während des Manövers, das heißt es setzt sich weder über den Fahrer hinweg noch schaltet es ab.

Die Bandbreite im Test war dabei groß. Das Tesla-System erzeugt auch hier potenziell eine übermäßige Abhängigkeit. Im „Schlagloch“-Szenario arbeiteten Fahrer und System bei allen Testfahrzeugen, bis auf Tesla, beim Lenken und Bewältigen der Situation zusammen. Das Tesla-System erlaubt dem Fahrer nicht von der Fahrspur abzuweichen und schaltet sich ab, sobald der Fahrer einen Lenkbefehl gibt. Auch hier besteht die Gefahr, dass sich der Fahrer zu sehr auf das System verlässt.

Das Fazit

Ein- und Ausscher-Szenarien sind die größten Herausforderungen für die Systeme. Alle Fahrzeuge hatten hier starke Defizite. Keines der Systeme konnte im Test unterstützen und Unfälle konnten nur dadurch vermieden werden, dass ein aufmerksamer Fahrer bremste oder der Gefahr auswich.

Geschwindigkeitsassistenzsysteme testet Euro NCAP bereits bei regelmäßigen Fahrzeugtests. Die automatische Abstandsregelung testet die Prüforganisation in einer erweiterten Fassung von Notbremsassistenten bei Annäherungsgeschwindigkeiten, wie sie typischerweise auf europäischen Autobahnen vorkommen. Diese Systeme schneiden in diesen Tests üblicherweise gut ab – arbeiten in Tests, bei denen sich das Testfahrzeug einem stehenden Fahrzeug nähert, aber nicht alle gleich zuverlässig.

Falsche Rückschlüsse der Käufer

Wie gut die Assistenzsysteme in der Wahrnehmung der Käufer abschneiden, fand eine Studie heraus, die Euro NCAP, Global NCAP und Thatcham Research jüngst in Auftrag gegeben haben. In der Umfrage gaben über 70 Prozent der Verbraucher an, dass selbstfahrende Autos bereits auf dem Markt sind. Euro-NCAP-Generalsekretär Michiel Van Ratingen dazu: „Das Fazit aus diesen Euro-NCAP-Tests ist eindeutig: Auch bei Fahrzeugen mit hochentwickelten Fahrerassistenzsystemen bedarf es eines konzentrierten und aufmerksamen Fahrers.“

Neben den Hauptfunktionen der Systeme prüft Euro NCAP nach eigenen Angaben auch, ob die vom Hersteller gemachten Angaben korrekt sind und sie das System und dessen Einschränkungen klar genug und vollständig beschreiben.

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