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Han Hendriks: „Wir wollen alle Bereiche global ausrichten“

| Autor: Sven Prawitz

Yanfeng stellt sich neu auf: Künftig sollen alle Produktsparten global aktiv sein. Dafür bündelt der Automobilzulieferer Forschung- und Entwicklung aller Divisionen. CTO Han Hendriks erklärte bei der Europapremiere des Konzeptfahrzeugs XiM20 die künftige Ausrichtung.

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Han Hendriks ist seit dem 1. September 2019 neuer Chief Technology Officer (CTO) von Yanfeng Technology.
Han Hendriks ist seit dem 1. September 2019 neuer Chief Technology Officer (CTO) von Yanfeng Technology.
(Bild: Yanfeng Technology)

Alle zwei Jahre präsentiert Yanfeng eine neue Studie zum Innenraum der Zukunft. Die Europapremiere des kurz XiM20 genannten Konzeptfahrzeugs Experience-in-Motion 2020 war in zweierlei Hinsicht anders als zuletzt: Der Zulieferer ist 2019 nicht auf der IAA und stellte seine Studie deshalb nicht mehr in Frankfurt vor. Man wolle näher bei den Kunden sein, weshalb man Stuttgart als Veranstaltungsort wählte, und einen intensiveren Austausch mit Vertretern der Partner pflegen, als dies auf einer Messe möglich sei.

Yanfeng Technology als F&E-Einheit

Noch viel wichtiger: Das Unternehmen, das zu den 40 größten Zulieferern der Welt gehört (Übersicht Top-100), stellt sich neu auf. Bisher ist lediglich der Bereich Interieur global aktiv. Künftig sollen auch die Divisionen Elektronik, Sitze, passive Sicherheit und Exterieur weltweit Produkte verkaufen. Den Grundstein für dieses Geschäft soll die neue Konzerneinheit Yanfeng Technology legen. Dort bündelt der Zulieferer seine Forschungs- und Entwicklungseinheiten aller Produktsegemte. Zum Chief Technology Officer wurde Han Hendriks benannt, der diese Funktion bisher im Bereich Interieur inne hatte. Wir sprachen in Stuttgart mit ihm über das aktuelle Konzeptfahrzeug und die künftige globale Ausrichtung des Unternehmens.

Herr Hendriks, noch vor zwei Jahren waren die Interieur-Studien von Yanfeng und anderen Unternehmen sehr visionär. Das XiM20 wirkt dagegen weniger weit in der Zukunft. Wie nah an der Serie sind die vorgestellten Funktionen?

Das stimmt, viele Features und Funktionen sind nah an der Serie. 30 Prozent ist in der Vorentwicklung und 70 Prozent der eingesetzten Innovationen sind innerhalb von ein bis zwei Jahren serienreif.

Haben Sie ein Beispiel?

Die Holzoberfläche mit dem Touchdisplay dahinter ist beispielsweise noch in der Vorentwicklung. Aber wir haben eine Echtholz-Dekoleiste mit Bedienfunktionen, angezeigten Symbolen und haptischen Feedback. Das können wir im Jahr 2021 in Serie haben.

Bei der Präsentation stellten Sie den Smart Cabin Domain Controller heraus. Warum wählen Sie diesen Ansatz?

Es gibt immer mehr Funktionen im Innenraum. Auch wenn wir die Shy-Tech-Strategie fahren, wo wir Funktionalität und Displays in Oberflächen integrieren, ist das Risiko für die kognitive Überlastung – so nennen wir das – des Kunden im Fahrzeug signifikant. Ein Weg ist, dass wir diese Features nur sichtbar machen, wenn sie gebraucht werden. Viel wichtiger ist, dass man die Funktionen nicht nur einfach an und aus schalten kann, sondern dass man die unterschiedlichen Funktionen choreografiert – zum Beispiel, wenn sich der Innenraum mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auf eine Person einstellt.

Damit diese Choreographie der neuen Funktionen im Innenraum einen Ablauf haben, brauchen wir einen Domain-Controller. Wir haben uns umgesehen, aber so wie wir das wollen kann man die Controller nicht kaufen. Wir wollen, das ein Domain-Controller all diese Funktionen im Innenraum steuert: Mehrere Displays, Licht, Temperatur, Audio – alles.

Ab wann ist der Controller verfügbar?

Der Domain-Controller ist ab der zweiten Hälfte 2020 serienreif.

Yanfeng hat sich neu aufgestellt, vormals eigenständige Bereiche wurden stärker in den Konzern integriert. Was bedeutet das für die Produktstrategie?

Stand heute ist der Bereich Interieur das einzige globale Geschäft. Die Strategie des Unternehmens ist, dass alle Bereiche global ausgerichtet werden. Bei den Sicherheitssystemen und den Sitzstrukturen geht das relativ schnell. In bestimmten Produktbereichen haben wir Joint Ventures, die die Umsetzung der Strategie beschränken. Die neue Forschungs- und Entwicklungsstruktur mit Yanfeng Technology dient als Vorreiter. Diese Einheit kann als Technologieunternehmen alle Themen bereits auf der Entwicklungsebene vorantreiben. Dazu sprechen wir zu allen Produkten mit unseren Kunden und Schritt für Schritt wird das Geschäft folgen. Zum Beispiel haben wir seit kurzem für den Bereich Safety einen Standort in Rüsselsheim.

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