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Peking Motorshow 2018

Hersteller zwischen SUV und NEV

| Autor/ Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Scheiner

In Peking zeigt die Autobranche, dass China nicht nur der größte Automarkt, sondern inzwischen ein Herstellermarkt ist. Auf der Auto China treten zahllose heimische Hersteller in Sachen Luxus und SUV in Konkurrenz zu deutschen Autobauern.

Chinas Autohersteller trauen sich inzwischen einiges zu und zeigen es auch. Im Bild die Marke Honqi mit einer Coupé-Studie.
Chinas Autohersteller trauen sich inzwischen einiges zu und zeigen es auch. Im Bild die Marke Honqi mit einer Coupé-Studie.
( Bild: SP-X/Mario Hommen )

Auch wenn sich die gigantischen Zuwachsraten mittlerweile etwas abgeflacht haben: In China können die Hersteller nicht nur die meisten Autos absetzen, sondern auch die höchsten Gewinne erzielen. Gerade die Premiumhersteller sind in China heiß begehrt und Luxus geht den meisten Kunden über alles.

Die Stars im New China International Exhibition Center an der Yuxiang Road nahe des Tianzhu Airport kommen in diesem Jahr jedoch nicht nur aus Europa. Längst sind Marken wie SAIC, Geely, BAIC, Wey oder Haval auch ohne etwaige europäische Kooperationspartner im automobilen Reich der Mitte angekommen. Die Zeiten von belächelten oder verärgernden Kopien sind vorbei. Viele Modelle können sich im internationalen Umfeld längst sehen lassen. Belächelt werden allenfalls noch die Marken aus der dritten Reihe. Alle anderen ernten selbst bei der internationalen Konkurrenz längst Applaus und Anerkennung.

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Trotzdem ist das Interesse an den europäischen Marken für die sorgsam umworbene China-Kundschaft größer denn je. Maybach müsste seinen Studien wie diesmal dem mächtigen Ultimate Luxury als Symbiose aus Luxuslimousine und Geländewagen jedoch auch einmal ein Serienfahrzeug folgen lassen. Vier Sitze, 750 Elektro-PS und jede Menge Applikationen in roségold – so stellt sich die Daimler-Designabteilung das Luxusschlachtschiff der Zukunft vor.

Verlängerter Radstand

Deutlich realitätsnäher und allemal sehenswert zeigen sich derweil die verlängerten Limousinenversionen von Mercedes C- und insbesondere neuer Mercedes A-Klasse, die mit sechs Zentimetern mehr Radstand erst einmal allein in China zu bekommen ist. Denn nach wie vor kaufen die Kunden ganz überwiegend Limousinen aus dem C-Segment. Gleichzeitig ist der Wandel zum SUV-Markt in den zahlreichen Messehallen offensichtlich. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die beliebtesten SUV jeder Klasse Europas in China allesamt auch als Version mit langem Radstand produziert und angeboten werden.

Das dürfte auch für den BMW X3 gelten, der in China ebenso lokal produziert wird wie der iX3, der auf der Auto China als seriennahe Studie seine Weltpremiere feierte. Die elektrische Version des X3 wird von einem 272 PS starken Elektromodul angetrieben. Die Reichweite: mindestens 400 Kilometer. Noch nicht elektrisch angetrieben, aber dafür bereits mit verlängertem Radstand ist der Audi Q5 L unterwegs, der in China ein Bestseller für Familienväter werden soll.

Skoda zeigt drittes SUV

„In den nächsten fünf Jahren wird der SUV-Anteil in China auf rund 60 Prozent wachsen“, erwartet Alain Favey, Skoda-Vorstand für Verkauf und Marketing, – und handelt. Dem SUV Kodiaq folgte zunächst der Karoq, jetzt wurde auf der Messe als drittes SUV der 4,39 Meter lange Kamiq enthüllt. Das Modell soll mit seinem 110-PS-Benziner das Einstiegssegment abdecken. Damit will Skoda in China nochmals erheblich wachsen und im Jahr 2020 rund 600.000 Einheiten absetzen – fast eine Verdoppelung der Verkaufszahlen von 2017 (325.000 Fahrzeuge). Auf diesem Niveau sind bereits die Premiummarken Audi, Mercedes und BMW unterwegs, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Chinakrone liefern.

An den Ständen in den acht mächtigen Messehallen gibt es außer zahllosen SUV kaum mehr etwas anderes zu sehen. Kleinwagen, Limousinen oder Vans – alles nur Nebendarsteller, denn egal ob die chinesische Marke mit dem höchst deutschen Namen „Weltmeister“ EX5, Wey RS7, Haval F5, Dongfeng T5, Singulato S6, Nio ES8, Roewe RX8, Lifan X80 oder Brilliance mit seinem V7 – die Zahl der SUV ist auf der Peking Motorshow nur schwer zu fassen. Eines eint sie allerdings: Optisch sind sie zumeist gefällig, aber beliebig austauschbar. Die meisten Modelle sind zwischen 4,55 und 4,90 Meter lang und werden von einem Vierzylinder-Turbomotor mit 1,5 bis 2,5 Litern Hubraum angetrieben. Da fallen kleine SUV wie der Dongfeng AX4 ebenso aus der Reihe wie das mächtige Luxus-SUV von Venucia oder Honqi mit seinem grün-blauen Luxuscoupé.

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Die Messehallen sind voll und die Stimmung scheint prächtig – auch weil die chinesische Regierung langsam Anstalten macht, den abgeschotteten Markt zu öffnen. So hat der chinesische Präsident Xi Jinping unter anderem in Aussicht gestellt, die Einfuhrzölle (derzeit 25 Prozent) auf Produkte wie Autos zu senken. Außerdem planen die Chinesen, die Strafabgaben auf verschiedene Produkte zu senken, um das Investitionsumfeld für internationale Unternehmen zu verbessern. Doch damit nicht genug, denn auch die Vorgabe, dass im Land nur unter einer 50-Prozent-Beteiligung eines lokalen Konzerns produziert werden darf, könnte in den nächsten Monaten kippen.

NEV-Quoten kommen 2019

Im vergangenen Jahr gab das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie in China bekannt, dass Automobilhersteller, die jährlich über 30.000 konventionelle Fahrzeuge in China produzieren, ab 2019 NEV-Quoten einhalten müssen. Demnach müssen OEMs ab 2019 eine NEV-Quote von zehn Prozent der gesamten Fahrzeugverkäufe erfüllen, 2020 werden dies zwölf Prozent sein. Das nationale NEV-Segment, bestehend aus Hybrid- und Elektroautos, verzeichnete in China 2017 einen Absatz von 777.000 Einheiten, was einer Steigerung von 53,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Produktion stieg um 53,8 Prozent auf 794.000 Einheiten. Dies entspricht jedoch nur 2,9 Prozent der Neuwagenverkäufe in China.

Überraschend gering zeigt sich die Zahl der reinen Elektroautos auf der Auto China in Peking. In Europa sind bisher ohnehin allenfalls nur Modelle von Byton oder Nio bekannt geworden, die beide auch in der westlichen Welt als elektrische SUV Marktchancen haben. Lexus zeigt in Peking erstmals sein neues Oberklassemodell ES, das mit seinem 218 PS starken Hybrid ohne Plug-In-Modul jedoch nicht in die Fahrzeugklasse der chinesischen NEV (new electric vehicle) fällt, zu der nur Plug-In-Hybride mit einer Reichweite von mindestens 50 Kilometern und reine Elektrofahrzeuge gehören.

VW und JAC gründen Elektromarke

Auch deshalb hat VW zusammen mit dem Joint Venture Partner JAC die Elektromarke „Sol“ (Sonne) gegründet. Noch dieses Jahr erscheint mit dem 4,15 Meter langen Sol E20X das erste der rein elektrischen Fahrzeuge. Die Basis für den 1.460 Kilogramm schweren Crossover ist der JAC iEV 7s. „Wir haben das Auto deutlich verbessert“, stellt Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe klar. Das fängt bei der Crashstruktur, einer steiferen Karosserie und einem höheren Sicherheitsniveau an, und hört beim Exterieur- und Interieur-Design auf, das von den Seat-Formengebern überarbeitet wurde.

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Die Formensprache des E20X soll wegweisend für die folgenden Sol-Modelle sein. Das kleine Elektro-SUV verfügt über einen 80 kW/109 PS Elektromotor und dank der 43-Kilowattstunden-Batterie über eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern. Innerhalb einer Stunde sollen die Akkus wieder zu 80 Prozent gefüllt sein. Ein weiteres wichtiges Auto des VW-Konzerns ist der Lavida, von dem der Wolfsburger Autobauer im vergangenen Jahr rund 450.000 Modelle verkauft hat. Die Stufenheck-Limousine, die zusammen mit dem Joint-Venture-Partner SAIC produziert wird, hat bei der Länge zugelegt und wird als weitere Version einen Kombi namens Lavida Plus erhalten.

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