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Zulieferer IAA 2019: Continental zeigt 48-V-Vollhybriden

| Autor: Sven Prawitz

Der Automobilzulieferer gab einen Ausblick auf seine Themen auf die diesjährige IAA in Frankfurt, Vernetzung und Elektromobilität bleiben die bestimmenden Themen. Doch: Im Verbrenner steckt noch Potenzial. Das zeigt ein überraschendes Hybridkonzept.

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Das Joint-Venture Osram Continental hat einen Frontscheinwerfer mit Matrix-LED-Technik und Laserfernlicht entwickelt.
Das Joint-Venture Osram Continental hat einen Frontscheinwerfer mit Matrix-LED-Technik und Laserfernlicht entwickelt.
(Bild: Marcus Prell/Continental)

Im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Hannover zeigte Continental seine aktuellen Entwicklungsprojekte. Der Zulieferer gibt damit einen Ausblick auf die Themen seines Messeauftritts im September auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt.

Die Botschaft der Veranstaltung: Conti arbeitet weiter an den Megatrends Konnektivität, Elektromobilität und automatisiertes Fahren. Aus Sicht von CTO Dirk Abendroth muss dazu die Automotive-Sparte des Konzerns weiter umgebaut werden. Zum 1. Januar 2020 will sich der Automobilbereich der Hannoveraner hierfür neu aufstellen – Details verriet Abendroth noch nicht. Nur so viel: Bald werde der Konzern 50.000 Ingenieure weltweit beschäftigen – in zwei bis drei Jahren soll der Anteil der Softwareexperten bei 50 Prozent liegen. Software, die heute noch in den einzelnen Produkteinheiten nach Bedarf entwickelt wird, soll künftig zentral erstellt werden. Abendroth möchte redundantes Arbeiten vermeiden.

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Keine Angst vor Apple und Co.

Vor den Giganten der Unterhaltungselektronik hat Abendroth keine Angst. In beiden Branchen haben die Unternehmen unterschiedliche Stärken und Schwächen, sagte Abendroth. Er ist sich sicher, gemeinsam könne man mehr erreichen, als im Wettbewerb: Abendroth erwartet künftig deutlich mehr Kooperationen zwischen beiden Branchen.

Zu den neuen Produkten, die in Hannover gezeigt wurden, gehört ein Vollhybrid mit Niedrigvolttechnik. E-Motor und Batterie speisen ihre Energie aus einem 48-Volt-System. Die E-Maschine liefere bis zu 30 Kilowatt und sitzt zwischen Verbrenner und Getriebe (P2-Hybrid). Damit soll das Fahrzeug rein elektrisch etwa durch eine Tempo-30-Zone fahren können. Auch rein elektrisches Fahren bis zu einem Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 90 km/h soll mit diesem Konzept möglich sein.

Günstige Hybridtechnik

Besonders interessant ist das Konzeptfahrzeug von Continental: Die Regensburger Versuchsabteilung des Zulieferers hat einen Ford Focus 1.0 Ecoboost komplett umgebaut. Das Versuchsfahrzeug ist nun ein 48-Volt-Plug-in-Hybrid mit entsprechender Batterie, der 48-Volt-E-Maschine und einem beheizbaren Katalysator. Das Fahrzeug kann bis zu einer Leistung von etwa sieben Kilowatt rekuperieren, nutzt – wann immer möglich – das segeln und spart im WLTP-Zyklus laut Conti 20 Prozent Kraftstoff gegenüber dem Serienmodell.

Besonderes Highlight am modifizierten Focus ist die manuelle Gangschaltung ohne Kupplungspedal. Ein Sensor erkennt die Hand am Schalthebel und kuppelt automatisch aus und wieder ein. Ein Ziel des Zulieferers ist, den Preis des 48-Volt-Systems ähnlich des Aufpreises für ein Automatikgetriebe zu gestalten. Das soll die Technik sowohl für die OEMs als auch für die Endkunden attraktiv machen. Weiteres wichtiges Kriterium ist der Bauraum: Der E-Antrieb ist kaum größer als eine Lichtmaschine und lässt sich so relativ leicht im Motorraum unterbringen.

Ausfallsichere E/E-Architektur

Auf der IAA wird Conti natürlich neben der Antriebstechnik noch weitere Produkte zeigen, beispielsweise Konzepte für künftige E/E-Architekturen. Der Weg geht kontinuierlich weg von einzelnen Steuergeräten hin zu Servern, die die Funktionen mehrerer Steuergeräte übernehmen. Die Vision ist ein „self healing vehicle“ – ein Auto, das zumindest auf Steuerungsebene spontane Ausfälle kompensieren können soll. Fällt ein Server aus, sollen wichtige Funktionen von den anderen Servern des Fahrzeugs übernommen werden. So sind einige Grundfunktionen des Autos gesichert und der Fahrer bleibt nicht zwangsläufig liegen.

Ebenfalls zu sehen war ein im Joint-Venture Osram Continental entwickelter Frontscheinwerfer. Dieser kombiniert ein Matrix-LED-Abblendlicht mit einem Laserfernlicht. Die LEDs des Abblendlichts sind einzeln ansteuerbar. Osram Continental nutzt Daten der Frontkamera und der Objekterkennung und erzeugt damit ein Videosignal, das die einzelnen LEDs steuert – damit soll der Scheinwerfer blendfrei sein. Pro Scheinwerfer kommen vier Chips mit jeweils 1.024 Pixel zum Einsatz. Das Fernlicht wird in fünf Laser-Modulen je Scheinwerfer erzeugt.

Das besondere Know-how des Joint-Ventures liegt nach eigener Darstellung in der Vernetzung von Sensorik und Scheinwerfer und der Strahlbündelung. Für letzteres setzt Osram Continental auf das Material Silikon. Die Silikonlinsen sind besonders hitzebeständig und können deshalb sehr nah an den LEDs platziert werden.

Die Technik soll bis 2022 bzw. 2023 serienreif sein. Angedacht ist auch ein Scheinwerfer mit sogenannter Digital Micromirror Device (kurz DMD) – dieser könne im Jahr 2023 in Serie gehen.

Intelligente Kreuzungen und Straßen

Ein weiteres Thema sind intelligente Kreuzungen. Hier startet Conti zwei Forschungsprojekte mit je einer Stadt in USA und China. Der Zulieferer rüstet dabei Kreuzungen mit Radarsensoren aus und bildet zunächst den realen Straßenverkehr virtuell ab. In einem nächsten Schritt soll aus den analysierten Daten etwa eine adaptive Ampelsteuerung umgesetzt werden.

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Zusammen mit der sensorbestückten Straßenlampe zeigt der Zulieferer, dass sein Kerngeschäft künftig nicht mehr nur beim Automobil liegen könnte – vielmehr geht es Continental darum, in der gesamten Mobilitätstechnik eine feste Rolle einzunehmen.

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 Sven Prawitz

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Technikjournalist