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Automobilzulieferer IZB 2018: Die Messe bleibt dem B2B-Konzept treu

| Autor/ Redakteur: Christian Otto / Jens Scheiner

Heute beginnt die Internationale Zuliefererbörse in Wolfsburg. Wir haben vorab mit Thomas Krause, Vorstandsmitglied der Wolfsburg AG – Ausrichter der IZB – , über die Messe, dem speziellen B2B-Konzept und dem Ausbau des Schwerpunkts Digitalisierung gesprochen.

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Die IZB (Internationale Zuliefererbörse) findet alle zwei Jahre in Wolfsburg statt.
Die IZB (Internationale Zuliefererbörse) findet alle zwei Jahre in Wolfsburg statt.
(Bild: Thomas Günnel/»Automobil Industrie«)

Herr Krause, die IZB feiert ihre Jubiläumsausgabe. Zum 10. Mal laden Sie internationale Zulieferer nach Wolfsburg. Was waren bisher aus Ihrer Sicht die Meilensteine der Messe?

Was im Jahr 2001 als Leistungsschau für die Zuliefererbetriebe der Region Wolfsburg-Braunschweig begann, ist heute eine der größten internationalen Fachmessen für Automobilzulieferer. Die Meilensteine liefern immer wieder die Aussteller selbst. Anhand der über die Jahre vorgestellten Neuheiten und der Entwicklung der Ausstellungsthemen lässt sich die Veränderung der Branche insgesamt ablesen. Bis 2014 nahm die IZB die Automobilmärkte in aller Welt in den Fokus. Seit 2016 zeigen wir mit dem thematischen Schwerpunkt „Digitalisierung“ die zunehmende Verknüpfung von IT und Mobilität.

Thomas Krause, seit dem Jahr 2007 Mitglied des Vorstands bei der Wolfsburg AG.
Thomas Krause, seit dem Jahr 2007 Mitglied des Vorstands bei der Wolfsburg AG.
(Bild: Wolfsburg AG)

Die Ausstellerzahl der IZB ist seit dem Jahr 2014 mit rund 800 relativ konstant. Ist noch Luft nach oben, oder gibt es räumliche Grenzen?

Die Wolfsburger Messelandschaft wird temporär speziell für die IZB aufgebaut. Da sind uns flächenmäßig Grenzen gesetzt. Aber ehrlich gesagt kommt das unserem Konzept entgegen, Qualität zu bieten. In Wolfsburg stellt nur aus, wer einen direkten Beitrag zur Wertschöpfungskette des Automobils leistet.

Gleichzeitig nimmt die Zahl der vertretenen Nationen weiter zu – von 29 im Jahr 2014 auf 34 in diesem Jahr. Welche Länder kamen in den letzten vier Jahren dazu?

2016 waren erstmals Aussteller aus Skandinavien, der Slowakei und Moldawien dabei. Auch Taiwan gehört seither dazu, mit inzwischen vier Ausstellern. In diesem Jahr gibt es IZB-Premieren seitens Malta und Bosnien-Herzegowina. Die stärkste Nation ist nach wie vor Deutschland mit rund zwei Dritteln der Aussteller.

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Zur Person

Thomas Krause, 50, ist studierter Wirtschaftsgeograf. Ab 1994 arbeitete er im Euro Info Centre der Europäischen Kommission in Hannover und später bei der Niedersächsischen Agentur für Technologietransfer und Innovation. In Wolfsburg wurde er 1999 Prokurist bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, bevor er 2003 die Leitung des Fachbereichs „Strategische Planung, Stadtentwicklung, Statistik“ der Stadt Wolfsburg übernahm. Seit 2007 ist Thomas Krause Mitglied des Vorstands der Wolfsburg AG, für die er die Geschäftsbereiche Mobilitätswirtschaft sowie Energie, Umwelt und Ressourcen verantwortet. Parallel dazu ist er seit 2013 Prokurist der Allianz für die Region GmbH in Braunschweig.

Die direkte Nähe zu Volkswagen und die Abwesenheit anderer Automobilhersteller scheint die Anziehungskraft der Messe nicht zu mindern. Ist der Konzern immer noch ein wichtiges Zugpferd?

Auf der IZB sind Vertreter vieler OEMs anwesend, aber eben nicht als Aussteller. Der Veranstaltungsort Wolfsburg sowie die Nähe zu Volkswagen machen einen Teil der Authentizität der Messe aus. Denn ihr Ursprung liegt in der Idee, für Zulieferer eine Plattform zum Austausch zu schaffen, um sie für den Standort Wolfsburg zu interessieren und im Falle einer Ansiedlung hier zu halten.

„Think Digital“ lautet das diesjährige Schwerpunktthema. Wie hebt es sich vom letzten Schwerpunkt „Digitalisierung der Mobilität“ im Jahr 2016 ab?

Es haben sich noch mehr Aussteller im Vorfeld dem Schwerpunkt zugeordnet. Jeder Zehnte zeigt Produkte und Lösungen aus dem komplexen Spektrum der Digitalisierung. Das reicht von aufgewerteten, eher klassischen Komponenten über Fahrerassistenzsysteme und Unterhaltungselektronik bis hin zu Produktionsprozessen. Geballt findet der Besucher das in Halle 1 sowie in den Hallen 2 und 3: Dort stehen die Themen Elektrik, Elektronik und Mechatronik sowie IT und Dienstleistungen, Logistik, Produktion und Entwicklung im Mittelpunkt.

Wird die IZB langfristig mehr Tech-Unternehmen als klassische Zulieferer begrüßen?

Fakt ist: An der Digitalisierung führt in der Automobilindustrie und damit in der Zulieferindustrie kein Weg vorbei. Sie bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle und ist gleichzeitig Herausforderung, wenn es um die Sicherung von Marktanteilen in den neuen Geschäftsfeldern geht. Viele Zulieferer positionieren sich, indem sie ihr Portfolio ergänzen. Gleichzeitig werden neue Unternehmen als Zulieferer interessant, wie Multimediahersteller, Softwareanbieter oder Datenbankspezialisten. Denn bei der Digitalisierung der Mobilität geht es neben der digitalen Steuerung des Fahrzeugs vor allem um neue digitale Lösungen rund um das Produkt Auto sowie die gesamten vor- und nachgelagerten Produktionsprozesse, beispielsweise die Logistik und die Fertigung selbst.

Digital zu denken, bedeutet, nicht nur technologisch aufzurüsten, sondern auch die eigene Unternehmenskultur anzupassen. Denken Sie, dass es hier noch Defizite in der Zulieferbranche gibt?

Die Digitalisierung des Fahrzeugs und seiner Komponenten ist kein einmaliger Schritt, sondern ein fortlaufender Prozess. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, muss die strategische Ausrichtung der Zulieferer berücksichtigen, dass sich auch die Unternehmenskultur fortlaufend anpassen muss.

Bei der letzten Ausgabe hatte die Internationale Zuliefererbörse eine Sonderausstellung für Firmen wie Samsung. Sind diese Unternehmen nun integriert, weil sie näher an die Automobilindustrie herangerückt sind?

Der Wandel der Zulieferbranche erfolgt sehr schnell. Wir stehen nicht vor der Integration von Digitalunternehmen in die Zulieferbranche. Vielmehr ist der Eintritt dieser Unternehmen bereits erfolgt. In den nächsten zehn Jahren wird der Wandel abgeschlossen und das Fahrzeug weitgehend durchdigitalisiert sein.

Wo sehen Sie die IZB bei ihrem 20. Jubiläum im Jahr 2038? Werden auf der Zuliefererbörse dann auch Systeme und Komponenten jenseits des Automobils vorgestellt?

Das Auto wird auch in 20 Jahren noch eine wichtige Rolle im Individualverkehr spielen. Es wird aber nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen, und die Fahrzeuge werden für das autonome Fahren anders aufgebaut und ausgestattet sein. Diese Genese des Kernprodukts Automobil wird sich im Geschäft der Zulieferer widerspiegeln und somit auch auf der IZB sichtbar sein. Denn grundsätzlich werden wir dem Konzept einer reinen B2B-Messe treu bleiben. Die konsequente Ausrichtung darauf macht bislang unseren Erfolg aus.

Die Fragen stellte Christian Otto

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, AUTOMOBIL INDUSTRIE