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Tokyo Motor Show 2019 Kei-Cars: Die heimlichen Stars in Tokyo

| Autor/ Redakteur: Peter Weißenberg/SP-X / Jens Scheiner

Für viele Besucher der Tokyo Motor Show sind sie die wahren Traumautos: Ultrakompakte Fahrzeuge. Die neuesten Ideen der Autobauer machen vor, wie sich aus weniger mehr machen lässt. Manches Stück Zukunft der Mobilität könnte auch bei uns begeistern.

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Kombi oder Coupé? Im Fall des Waku SPO will sich Suzuki sich da nicht ganz festlegen.
Kombi oder Coupé? Im Fall des Waku SPO will sich Suzuki sich da nicht ganz festlegen.
(Bild: SP-X/Peter Weißenberg)

Stärker, breiter, höher: Auf diesen Dreiklang haben sich in den vergangenen Jahrzehnten Autobauer und ihre Kunden in Deutschland und vielen anderen Staaten eingeschworen. Und nicht erst seit der Klimadebatte und immer knapperem Parkraum ist dieses Bild vom besseren Auto in die Krise gekommen. Geändert hat sich am Wachstumskurs in der Modellpalette dennoch wenig.

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Die Tokyo Motor Show belegt, dass es auch anders geht. Hier treffen sich zwar auch die Geschwindigkeits-Begeisterten - und drehen etwa eine virtuelle Runde mit der Datenbrille im e-Racer. Aber Besucher wie Akiro Fujimori wollen sich denn doch real ganz andere Träume erfüllen: „Ich interessiere mich für den Hustler von Suzuki“, sagt der Barkeeper aus dem City-Stadtteil Shibuya. „Damit kann ich in der Woche alle Wege in der Stadt erledigen, aber auch zwei Surfbretter und reichlich Gepäck verstauen und mit meinem Sohn ins Wochenende fahren.“ Klingt nicht so sensationell, ist es aber. Denn der Hustler hat nur knapp 3,40 Meter Länge, ist 1,48 schmal, dafür aber fast 1,70 hoch.

Steuerbegünstigt und keine Parkplatzprobleme

Kein Zufall. Auf der Messe stehen massenhaft derartige Fahrzeuge vom Typ „Keijidōsha“, kurz: K-Car. Die dürfen nicht mehr als exakt diese Maße haben - und bescheidene 660 Kubikzentimeter Hubraum. Dagegen ist selbst ein Smart Fortwo noch ein motorischer Bolide. Wer sich wie Fujimori mit diesen Beschränkungen begnügt, bekommt entscheidende Vorteile: „Die Steuer ist viel niedriger, und ich muss keinen Parkplatz vorweisen“, erklärt der 38-jährige. Der wäre im Zentrum der 30-Millionen-Einwohnerstadt auch unerschwinglich.

In Japan fahren fast die Hälfte aller Autobesitzer solche K-Cars; der dichte Stadtverkehr würde wohl erheblich langsamer laufen ohne die wendigen K-Cars. Neben dem SUV-ähnlichen Hustler zeigt Suzuki auch noch eine Kleintransporter-Studie und eine Mini-Limousine, die sich automatisch vom stylishen Stufenheck zum Kombi verwandeln lässt, je nach Einsatzzweck.

Dazu kommt ein Modell, das auch in Deutschland gerade heiß begehrt ist: der Geländewagen Jimny. Den meisten deutschen Kunden dürfte wohl nicht bewusst sein, dass sie sich mit dem kleinen Klettermaxen ein solches K-Car zugelegt haben. Allerdings mit 1,5-Liter. Messebesucher Fujimori staunt, dass „so ein großer Motor da reinpasst“. Alles ist eben relativ.

Und oft relativ luftig. In den Transportern auf der genormten Größe, wie sie auch Nissan, Honda oder Daihatsu anbieten, sitzen auch vier normalgroße Europäer auf dem Weg zur Arbeit durchaus bequem - und nutzen den Raum auf der Straße optimal aus. Honda erleichtert zudem auch das Ein- und Aussteigen, indem sich praktisch der ganze Passagierraum zu beiden Seiten ohne Holme öffnen lässt. Bei Nissans neuestem K-Car, dem IMk-Concept, lassen sich zudem die Sitze drehen; im Land der besonders vielen alten Menschen ein Kaufargument.

Vernetzt und mit Assistenzsystemen versehen sind die meisten K-Cars inzwischen übrigens genau wie die Großen. Der Daihatsu Mira bietet in aller Kürze auch Abstandsradar, Xenonscheinwerfer und ein umfangreiches Infotainment: In den Achtziger und Neunziger Jahren haben Hersteller wie Daihatsu, Suzuki oder Subaru noch versucht, mit eher spartanischen Dünnblech-Angeboten auch in Deutschland K-Car-Kunden zu betören. Der Verzicht auf Mini-Rädern vermittelte mit dünnen Blechen und schaukeligem Fahrverhalten zudem meist wenig Vertrauen. Dabei gab es etwa den Subaru Libero sogar mit Allradantrieb im Kleinstbus.

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Ist Deutschland schon bereit für K-Cars?

Ayana Hioki glaubt jedenfalls daran, dass die K-Cars auch in Deutschland einmal wieder eine Renaissance feiern könnten: Die Europa-Vertriebschefin des Autobauers E-Applecar will den elektrischen Zweisitzer jedenfalls auch hier anbieten. Japan und China seien zwar Kernmärkte, aber wegen der Diskussionen um Fahrverbote und Parkraumbeschränkungen sieht die Managerin auch in Deutschland steigendes Interesse an kleinen Lösungen; zunächst wohl eher bei kleinen Flotten von Pflegediensten oder Pizzaboten und im Carsharing. Bei 10-Kilowattstunden Batterie, 55 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit und 2,30 Meter Länge dürfte zumindest kein Sozialneid bei der Autohasser-Fraktion aufkommen.

Ein bisschen neidisch macht dagegen ein weiteres K-Car-Angebot: Das Cabrio Copen, dessen neueste Variante auf dem Daihatsu-Stand umlagert ist. Mit dem kleinsten Klappdach-Cabrio der Welt wurde bis 2013 auch in Deutschland deutlich vierstellige Kundenzahlen erreicht. In Tokio steht der Nachfolger nun im Trim der Toyota-Sportabteilung, Recaro-Sitze und Momo-Lenkrad inklusive. Sieht dem Audi TT ziemlich ähnlich - solange der nicht wie ein Riese danebensteht. Beim Copen II sind zudem auch in der sportlichsten Variante maximal 64 PS drin. Mehr lässt sich aus 600 Kubik einfach nicht holen. Und die sind eben gesetzt im K-Car.

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