Wirtschaft

Opel-Chef Lohscheller: „Wir machen Opel deutscher als je zuvor“

| Autor / Redakteur: Günter Weigel, Max Friedhoff/SP-X / Svenja Gelowicz

Opel-Chef Michael Lohscheller auf dem Opel-Stand der IAA 2017 neben dem Grandland X.
Opel-Chef Michael Lohscheller auf dem Opel-Stand der IAA 2017 neben dem Grandland X. (Bild: Opel)

In einem Jahr unter Führung des PSA-Konzerns hat sich bei Opel mehr verändert, als in fünf Jahren zuvor – die Zahlen stimmen endlich. Wieso gelingt PSA in kurzer Zeit, was GM mit Opel über Jahrzehnte nicht gelungen ist? Opel-Chef Michael Lohscheller im Interview über die unerwartete Rendite und die Zukunft der Marke.

Nahbarer, aufregender und deutscher: So will sich Opel künftig positionieren. Der Autohersteller aus Rüsselsheim gehört nun seit genau einem Jahr zur französischen PSA-Gruppe mit Citroen, Peugeot und DS. Zum kleinen Jubiläum blickt man mit der Studie „GT X Experimental“ in die Zukunft, die eine neue Designsprache mit sich bringen wird.

Nicht nur das Design verspricht eine gelungene Neuausrichtung: Fast pünktlich zum Jahrestag des Verkaufs von Opel an den französischen PSA-Konzern meldet die Marke mit dem Blitz im Logo einen respektablen Halbjahresgewinn.

Erstmals seit gut zwanzig Jahren schreibt Opel für ein Halbjahr schwarze Zahlen, liefert eine halbe Milliarde Gewinn ab und erzielt eine Marge von fünf Prozent. Deutlich mehr als die erst für 2020 avisierten zwei Prozent und nahe dran am Fernziel sechs Prozent, dem aktuellen Mittelwert der Branche. Wir sprachen mit Opel-Chef Michael Lohscheller über die unerwartete Rendite und die Zukunft der Marke.

Herr Lohscheller, Opel hat erstmals wieder einen operativen Gewinn eingefahren. Das war für viele Beobachter eine Überraschung. Ist das schon die Wende?

Lohscheller: Wir haben einen ersten wichtigen Meilenstein erreicht, auf den wir stolz sind: 502 Millionen Euro wiederkehrendes operatives Ergebnis und eine fünfprozentige Marge sind ein guter erster Schritt. Wir haben mit der Umsetzung unseres Plans PACE im November begonnen, von daher zeigt das Ergebnis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben unsere Umsatzerlöse pro Fahrzeug verbessert, was wiederum heißt, die Fahrzeuge werden gut angenommen. Wir konnten unsere Preispositionierung leicht verbessern, besonders die neuen Modelle wie Insignia, Grandland X und Crossland X sind gefragt und das bedeutet, unsere Marke gewinnt wieder an Kraft. Dazu konnten wir auch unsere Fixkosten verringern. Insgesamt kommen wir gut voran.

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Ihre Kollegen bei den französischen Marken von PSA haben im ersten Halbjahr sogar eine Rendite von 8,54 Prozent erzielt. Schaffen Sie das auch?

Das ist natürlich ein sehr gutes Ergebnis und liegt auf dem Niveau der deutschen Premiumanbieter. Wir haben als ersten Schritt vorgesehen, zwei Prozent bis 2020 zu erreichen und wollen uns bis spätestens 2026 auf sechs Prozent Marge steigern. Das ist der Wert, den die Automobilindustrie in Europa im Schnitt erreicht.

Der Nicht-Fachmann wird sich fragen: Wieso gelingt PSA in kurzer Zeit, was GM mit Opel über Jahrzehnte nicht gelungen ist?

Wir haben sehr intensiv in kurzer Zeit an unserem eigenen Plan gearbeitet und ihn vor allem sehr konsequent umgesetzt. Zudem haben wir alle Themen angefasst, uns nicht nur um die Kosten oder die Umsätze gekümmert, sondern alle Bereiche des Unternehmens deutlich verbessert. Und nicht zuletzt ist es ein großer Vorteil, dass wir das jetzt mit einer europäischen Konzernmutter umsetzen können. Wir können Daten miteinander vergleichen. Wir sehen, wer ist wo besser, wir haben gemeinsame Synergien.

Entscheidend ist aber die Umsetzung. Wir haben einen guten langfristigen Plan und es ist jetzt sehr wichtig für die Mitarbeiter, dass man direkt sieht: Der Plan funktioniert.

Hat GM rückblickend das Gefühl für Europa gefehlt und dafür, was Opel hätte leisten können?

Ich will das nicht so direkt vergleichen. Es ist sicherlich einfacher, im Rahmen eines europäischen Konzerns solche Veränderungen herbeizuführen. Wir haben in dem einen Jahr mehr verändert und erreicht als in den vergangenen fünf Jahren zuvor.

Peugeot, Citroen und Opel bedienen im Prinzip die gleichen Volumensegmente und haben daher eine vergleichbare Zielgruppe. Wie soll Opel im PSA-Konzern aufgestellt werden? Wie werden sich die Fahrzeuge, über die Optik hinaus, unterscheiden?

Opel ist die deutsche Marke und wir machen Opel noch deutscher als es jemals zuvor der Fall war. Wir designen und entwickeln alle Opel-Modelle hier in Rüsselsheim und stellen sicher, dass ein Opel aussieht wie ein Opel, sich anfühlt wie ein Opel und so fährt wie ein Opel. Das machen wir alles hier in Rüsselheim. Das war in der Vergangenheit übrigens nicht der Fall. Da haben wir Fahrzeuge auch in Nordamerika oder in Südkorea entwickeln lassen.

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Jetzt stellen wir ganz klar unseren Standort heraus. Von der Innenraumanmutung über die Sitze, bis zur Lichttechnik, der Fahrwerksabstimmung wird jedes unserer Fahrzeuge als Opel erkennbar sein. Aber wir machen das alles jetzt auf Basis von Konzernplattformen, und das ist eine sehr intelligente Lösung.

Professor Dudenhöffer hat ihnen pünktlich zur Veröffentlichung der Zahlen vorgeworfen, zur reinen Designhülle von PSA-Technik zu werden. Selbst wenn es so wäre, stört das die Kunden überhaupt?

Ich muss da vehement widersprechen. Wir haben ja schon bei Crossland X und Grandland X gezeigt, dass wir auf dem Konzernbaukasten eigenständige, typische Opelmodelle entwickeln können. Die Verkaufszahlen und damit die Kunden geben uns hier Recht, wir gewinnen Segmentanteile hinzu. Jeder große Wettbewerber nutzt Konzernplattformen. Ich denke aber wir machen es, insbesondere was das Design angeht, viel, viel besser und das wird der Weg der Zukunft sein. Wir bringen den Blitz nachhaltig zum Strahlen!

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