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Wirtschaft So reagieren die Zulieferer auf den Produktionsstopp durch Covid-19

| Autor: Jens Scheiner

Nachdem zahlreiche Automobilhersteller ihre Produktionen für bis zu vier Wochen herunterfahren, sind nun auch die Zulieferer gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen.

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(Bild: Boysen)

AMAG

Die weltweite Corona Pandemie hat mittlerweile auch deutlich spürbare Auswirkungen auf die Nachfrage nach Produkten der AMAG. Insbesondere Werkschließungen in der Automobilindustrie aber auch Rückgänge im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Bauwesen erfordern Kapazitätsanpassungen.

AMAG beantragt daher für den Standort Ranshofen mit Wirkung vom 1. April 2020 Kurzarbeit, um flexibel auf die zu erwartenden Auslastungsschwankungen reagieren zu können und gleichzeitig die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzusichern.

Benteler

Auch Benteler stellt Produktion in einigen Automotive-Werken vorübergehend ein. Dies betrifft vor allem einige Werke in Spanien, Tschechien und Frankreich, die sich in unmittelbarer Nähe zu den Automobil-Kunden befinden. Daneben hat Benteler ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, speziell in Werken der Benteler-Stahlrohrsparte, die derzeit nicht von einem vorübergehenden Produktionsstopp betroffen sind. Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem:

  • Weltweit Vorsorgepläne für den Fall einer Infektion an einem Benteler-Standort,
  • Sensibilisierung und Information zu Verhaltensregeln sowie zum Thema Hygiene; erhöhte Reinigungsfrequenzen,
  • Keine Dienstreisen, sowie die Empfehlung, auch privat auf Reisen zu verzichten,
  • Virtuelle Konferenzen statt Präsenz-Meetings,
  • Schließung der Kantinen.

Weitere Maßnahmen könnten außerdem mobiles Arbeiten, Abbau von Überstunden, unbezahlter Urlaub oder Kurzarbeit sein. Die Ausgestaltung hänge von der Gesetzgebung und der konkreten Situation im jeweiligen Land ab.

Boysen

Die auf Abgastechnik spezialisierte Boysen Gruppe schließt wegen der Ausbreitung des Coronavirus ihre Produktionsstandorte in Deutschland, Frankreich und Südafrika für drei Wochen. Die Produktionsunterbrechung findet dabei analog zu den Kunden in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie statt und dauert voraussichtlich bis zum 19. April an. Dadurch sind auch die Entwicklungs- und Verwaltungsstandorte gezwungen einen Arbeitsstopp bis einschließlich 3. April einzulegen – mit anschließender 50-Prozent-Besetzung für weitere zwei Wochen.

Brose

In einer Mitteilung des Zulieferers heißt es, die Arbeit werde an den meisten europäischen Standorten eingestellt. Grund sei der erhebliche Auftragseinbruch in Folge der Produktionsstopps bei den OEMs. An den deutschen Standorten ruhe die Arbeit bis zum 19. April. Ab dem 27. März werden laut eigener Angaben standortspezifische Maßnahmen im Rahmen von Betriebsvereinbarungen angewendet – darunter fallen Kurzarbeit und Betriebsurlaub. Projekte zur Zukunftssicherung des Unternehmens sollen jedoch fortgeführt werden.

„Wir ergreifen notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Krise“, wird Brose-CEO Ulrich Schrickel in der Mitteilung zitiert. In Nordamerika habe das Familienunternehmen Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen. So sollen Schichten zeitlich versetzt arbeiten und die Angestellten im Home Office arbeiten. In China sei die Produktion in den Werken des Zulieferers wieder angelaufen.

Elmos Semiconductor

Elmos Semiconductor plant, mit bis zu 50 Prozent in Kurzarbeit zu gehen. Dies wird eigenen Angaben zufolge zunächst nur einige Produktionsbereiche betreffen. Elmos habe seit einigen Wochen umfangreiche Präventivmaßnahmen in allen Bereichen des Unternehmens ergriffen. So arbeiten beispielsweise mehrere hundert Mitarbeiter im Home Office, weite gelten – laut Elmos – strikte Reisebeschränkungen und Eingangskontrollen an den Firmengebäuden. Die ergriffenen Maßnahmen dienen darüber hinaus dem Ziel, sowohl den laufenden operativen Betrieb, soweit wie angemessen, aufrecht zu erhalten als auch die termingerechte Abarbeitung der Entwicklungsprojekte sicherzustellen.

Elring Klinger

Elring Klinger hat im Zuge der Coronavirus-Pandemie beschlossen, die Produktion des Konzerns ab heute (23. März) in Deutschland bedarfsorientiert anzupassen. Betroffen sind vor allem die europäischen und nordamerikanischen Standorte, aber auch das indische und das brasilianische Werk. Die Produktion in Deutschland soll entweder durch Kurzarbeit eingeschränkt, oder auch vorübergehend komplett unterbrochen werden. Nicht in dieses Maßnahmenpaket fallen die chinesischen Werke, die nach den vorübergehenden Schließungen ihren Betrieb wieder aufgenommen haben. Auch die Standorte in den übrigen Regionen der Welt, wie z. B. in Südafrika, produzieren von diesen Maßnahmen derzeit unberührt weiter. Die Dauer der Werksschließungen bei den Herstellern lässt sich ebenso wenig absehen wie mögliche Verschärfungen in den nächsten Wochen – auch von politischer Seite.

Mahle

Mahle hat ein Maßnahmenpaket als Reaktion auf die weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sowie die Produktionsaussetzung zahlreicher Fahrzeughersteller beschlossen. Alle europäischen Produktionsstandorte werden seit Freitag (20. März) sukzessiv bis spätestens Mittwoch, 25. März kontrolliert heruntergefahren und die indirekten Funktionen in der Verwaltung und Entwicklung auf wenige Kernfunktionen reduziert.

Die Maßnahmen betreffen laut Mahle europaweit rund 70 Standorte, über die jeweilige Herangehensweise, beispielsweise die Beantragung von Kurzarbeit, stimmt sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern ab. Diese und weitere interne Maßnahmen gelten in Abhängigkeit der Rahmenbedingungen bis auf weiteres, teilt der Zulieferer mit. Ausgenommen bleiben die Verteilzentren für den Aftermarket, um die Belieferung der Werkstätten mit Ersatzteilen sicherzustellen.

Veritas

Auch Veritas passt seine Produktion an die veränderte Situation an und hat daher für die Beschäftigten in Produktion und Verwaltung an den deutschen Standorten in Gelnhausen und Neustadt bereits seit dem 20. März in erheblichem Umfang Kurzarbeit angeordnet. Für die Beschäftigten von Poppe in Gießen wurde die dort bereits laufende Kurzarbeit ausgeweitet.

ZF Friedrichshafen

Nachdem viele Kunden von ZF in den vergangenen Tagen angekündigt haben, ihre Produktion für mehrere Wochen ruhen zu lassen, haben Unternehmen und Gesamtbetriebsrat auf die ausbleibende Nachfrage reagiert. Mit einer Vereinbarung zur Einführung von Kurzarbeit können jetzt Teile von Produktion und Verwaltung kontrolliert heruntergefahren werden, heißt es in einer Mitteilung des Zulieferers.

Die Regelung gilt bis einschließlich Juni, wobei die Phase der Kurzarbeit sich danach richtet, zu welchem Zeitpunkt die Kunden von ZF ihre Werke wieder in Betrieb nehmen. Der kombinierte Einsatz von 25 Prozent Gleitzeit und 25 Prozent Urlaubszeit sowie 50 Prozent Kurzarbeit ermöglicht das Ruhen von Produktion und Verwaltung. Für vereinzelte Werke und Produktlinien sowie Teile der Verwaltung, die normal weiterarbeiten, gelten weiterhin die bereits eingeführten verschärften Maßnahmen zum Gesundheitsschutz.

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 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE