Branchenausblick

VDA Technischer Kongress 2019: Nicht in allem einig

| Redakteur: Christian Otto

Die VDA-Veranstaltung im Vorjahr. Rund 800 Teilnehmer tauschten sich über die wichtigen Branchenthemen aus.
Die VDA-Veranstaltung im Vorjahr. Rund 800 Teilnehmer tauschten sich über die wichtigen Branchenthemen aus. (Bild: VDA)

Der VDA lädt wieder die Spitzen der deutschen Zulieferindustrie nach Berlin. Die Branche sucht ihre Position in Anbetracht herausfordernder Themen wie der Elektromobilität. Das blieb nicht ohne Diskussionen.

Derzeit (14. März) findet der Technische Kongress des VDA in Berlin statt, und nicht zum ersten Mal steht der Branchentreff unter dem Einfluss von Themen wie Elektromobilität und dem autonomen Fahren. Allerdings hat gerade bei der Elektromobilität das jüngste Zugeständnis von Volkswagen, sich voll auf den reinen E-Antrieb zu konzentrieren, der Diskussion einen heftigen Schub gegeben – und womöglich einige Zulieferer, die noch einen hohen Anteil von Komponenten und Systemen für die Verbrennungstechnologie herstellen, ungläubig zurückgelassen.

Volkswagen will einen Paradigmenwechsel

Vielleicht auch deshalb durfte nach der Begrüßung durch VDA-Präsident Bernhard Mattes und dem Grußwort von Oliver Wittke, Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Thomas Ulbrich von Volkswagen starten. Ulbrich, der als Vorstand bei der Marke Volkswagen die E-Mobilität verantwortet, gab einen Einblick in die E-Strategie von Konzern und Marke.

Ulbrich verwies auf den Klimawandel als entscheidende Herausforderung und Treiber für die Ausrichtung des Unternehmens in Richtung Elektrifizierung. Dabei sei allein der Volkswagenkonzern für ein Prozent des weltweiten CO2-Aufkommens verantwortlich. Daraus resultiere eine besondere Verantwortung. Deshalb habe man „einen Paradigmenwechsel eingeleitet“, so Ulbrich.

Für Volkswagen ist nach allen Vergleichen mit anderen Antriebskonzepten „die E-Mobilität in Reinkultur alternativlos.“ Dafür will der Konzern bis 2028 70 neue vollelektrische Modelle anbieten und bis 2023 30 Milliarden Euro investieren.

Vor allem die Marke folge zudem der Mission „bezahlbares E-Auto für alle“, erklärt der Markenvorstand. Damit das möglich wird, nutze man die MEB-Plattform (MEB: Modularer Elektrifizierungsbaukasten) und werde diese hoch skalieren. Doch Ulbrich sprach auch über Hemmnisse wie Ladeinfrastruktur. Deshalb fordert er auch einen „Masterplan E-Mobilität“.

Technologieoffenheit in Gefahr

Stefan Hartung, der bei Bosch den Unternehmensbereich Mobility Solutions leitet, fokussierte stärker auf das Thema Mobilität, ging aber auch auf die möglichen Antriebsformen der Zukunft ein und sprach von „vielen Gleisen“, die es zu befahren gelte, um die CO2-Ziele zu erreichen – also nicht nur von E-Mobilität.

In Sachen autonomes Fahren warnte der Bosch-Manager davor, sich nur auf die eigenen Fähigkeiten zu verlassen. Die Konkurrenz durch Tech-Unternehmen sei groß und man sei nicht allein. Vielmehr ist „immer einer im Rückspiegel“, sagte Hartung.

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ZF setzt auf den Hybrid

Wolf-Henning Scheider von ZF wiederum stellte seine Keyynote unter den Titel „Pragmatismus statt Dogmatismus“. Damit adressierte er die zum Teil einseitig Diskussion über die Antriebsvarianten der Zukunft. Anders als Volkswagen hat ZF den PHEV als beste Lösung für die kommenden Jahrzehnte identifiziert. Er habe laut Scheider „die beste Gesamtbilanz´“ gegenüber den Verbrennern und den rein elektrischen Antrieben.

ZF will die nächste Generationen der Hybride „EV plus“ nennen. Scheider erklärte auch, dass das Unternehmen an einem „Volks-Hybrid“ arbeite. Der ZF-Chef räumte aber auch ein, dass der Hybrid nicht auf jedes Fahrzeugkonzept passe. Deshalb arbeite man auch an vollelektrischen Lösungen, beispielsweise mit dem Partner Mahle.

ZF-Chef fordert, weltweite Bedürfnisse zu beachten

Wolf-Henning Scheider merkte zur Strategie von Volkswagen weiterhin an, dass ein Konzern diesen Weg natürlich gehen könne. Er sagte aber auch: „Wenn ich das weltweite Bedürfnisspektrum der Kunden abbilden möchte, brauche ich mehr.“ Gibt es durch die Ausrichtung von VW womöglich auch Verlierer bei den Zulieferern? Nun, diese Frage ließ Ulbrich unbeantwortet.

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