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China soll Volumen schaffen
Die schwedische Marke – seit zweieinhalb Jahren unter dem Dach des chinesischen Automobilherstellers Zhejiang Geely Holding – muss mehr verkaufen. Volvo-Chef Samuelsson wurde dieser Tage in einem Interview deutlich: „Klar ist, obwohl wir immer ein Nischenanbieter bleiben werden, müssen wir mehr Volumen haben, um am Markt zu bestehen.“ Der Produktionsstandort spielt eine entscheidende Rolle bei der Kostenreduktion. Deshalb werde Volvo laut Samuelsson, künftig mehr in China herstellen, wo er mindestens die Hälfte des Wachstums erwarte, wenn die dort ab Herbst produzierten Modelle ihren Marktauftritt haben.

Volvo hat anspruchsvolle Wachstumsziele: Bis 2015 soll der Absatz auf 500.000 Einheiten im Jahr wachsen und 2020 auf 800.000 Auslieferungen steigen. Die Ziele hat Samuelsson, seit Oktober letzten Jahres Präsidenten und CEO der Volvo Car Group, von seinem Vorgänger übernommen und hält sie nicht für realitätsfremd. China als größter Wachstumsmarkt spielt dabei die herausragende Rolle. Auch für die traditionellen Standorte in Schweden und Belgien, weil Volvo erstmals eigene Produktionswerke in China in Betrieb nimmt. Wie lange die Zusicherung der Unternehmensführung Bestand hat, dass die Produktionsausweitung in China keine Auswirkungen auf das Geschäft und die Belegschaft in Europa haben soll, bleibt abzuwarten. Letztes Jahr hat Volvo bereits 900 Stellen gestrichen.
Stellenabbau in Europa
Volvo beschäftigte 2012 in Europa noch 14.000 Mitarbeiter. Mit dem Aus für das Cabrio-Werk in Uddevalla bleiben das Hauptwerk Göteborg-Torslanda und das Werk im belgische Gent. Wegen schwacher Absatzzahlen sollen nun weitere 1.000 Beschäftigte bis Ende des Jahres Volvo Cars verlassen. Dieses Mal keine Werkarbeiter, wie von Volvo-Chef Samuelsson zu hören ist, sondern Manager und andere Büroangestellte. Dennoch ist die Produktion in China billiger und wenn die Kostenschere angesetzt wird, dann sicherlich nicht in Fernost.
Das China-Geschäft startet Volvo im Herbst neu. Dann laufen dort die Bänder im ersten Werk der Volvo Car China an. Am Standort Chendu, Provinz Sichuan, werden bis Ende des Jahres rund 1.200 Beschäftigte Volvo-Modelle herstellen. Per-Åke Fröberg, Sprecher der Volvo Car Group will jedoch noch nicht verraten welche Modelle, sagte aber, dass die jährliche Produktionskapazität 125.000 Einheiten beträgt.
Zweites Werk in Daqing
Wann das zweite Werk in Daqing im Nordosten Chinas anlaufen wird, steht noch nicht fest. Dort in der Millionenstadt der Provinz Heilongjiang an der russischen Grenze sollen auch Autos produziert werden. Anders in der Provinz Hebei, wo in Zhangjiakou nahe Peking eine Motorenproduktion geplant ist, aber laut Fröberg noch die staatliche Genehmigung aussteht. Schon seit 2006 kommt der Volvo S80L für den chinesischen Markt von der Changan Ford Mazda Automobile Corporation Ltd in Chongqing, rund 500 Kilometer von Chengdu am Jangtse gelegen. Darüber hinaus gibt es noch je ein Montagewerk in Thailand und Malaysia.
Die Volvo Car Group baut Produktionskapazität in Fernost auf. Sie kann damit Kosten senken. Gelingt es nicht, generell den Absatz zu steigern und in einem 2013 um 3 Prozent auf 73,7 Millionen Pkw weiter wachsenden Weltmarkt deutlich mehr Volvo-Modellen zu verkaufen als im Vorjahr, dürfte es der Nischenanbieter immer schwerer haben, am Markt zu bestehen.
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