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Schwedisches Office- gegen bayrisches Club-Feeling
Ob nun Office- bzw. Club-Feeling, beide Premium-Limousinen sind gut verarbeitet, bieten vorn passable Raumverhältnisse, reichlich Ablagen und fein konturierte Sitze. Im Gegensatz zum BMW 3er ist die Rundumsicht hinten im S60 eingeschränkt, ebenso die Bedienung – weil dem Schweden eine zentrale Bedieneinheit fehlt, die bei Audi, BMW und Mercedes längst Standard ist. Die Kofferräume haben eine kleine Klappe, aber das Gepäckabteil des BMW 320d hat mit einem Volumen von 480 Liter einen um 100 Liter höheren Nutzeffekt als der des Volvo S60.

Der Fahrkomfort ist gut. Die Fahrsicherheit hoch. Die präzisen Lenkungen verleihen zum einen dem S60 ein gutes, zum anderen dem 320d ein sehr agiles Handling, das durch die Achtgangautomatik „Steptronic“ von ZF unterstützt wird. Deren Schaltstufen sind kaum auszumachen, das Schalten des Sechsgangautomaten mit Geartronic-Funktion im Volvo macht schon auf sich aufmerksam.
Sparsame Diesel-Motoren
Beim Motor wird die Problematik Volvos deutlich. Der in die Jahre gekommene Fünfzylinder-Diesel schöpft aus 2,0 Liter Hubraum 120 Kilowatt (163 PS) und liefert 400 Newtonmeter an den Frontantrieb. Der hubraumgleiche BMW-Vierzylinder neuester Bauart leistet 135 Kilowatt (184 PS) und verfügt über ein maximales Drehmoment von 380 Newtonmeter. Mit dieser Maschine schneidet der BMW 320d mit Hinterachsantrieb in allen Belangen besser ab als der Volvo S60 D4.
BMW punktet bei Fahrleistung und Verbrauch
Beim Spurt aus dem Stand auf 100 km/h ist der BMW 320d mit 7,4 Sekunden 1,8 Sekunden schneller als der Volvo S60 D4. Wer will, erreicht maximal 230 km/h, der S60 schafft die 215-km/h-Marke. Das „Nachsehen“ ist unter anderem die Folge des mit 1.665 Kilogramm um über drei Zentner schwereren Volvo. Auch beim Diesel-Verbrauch. Im europäischen Fahrzyklus NEFZ „insgesamt“ auf dem Rollprüfstand resultieren je 100 Kilometer 4,4 Liter (117 g CO2/km) für den BMW 320d und 5,4 Liter (142 g CO2/km) für den Volvo S60 D4. Außerhalb des Labors, im Straßenverkehr bei eisigem Winterwetter, verbraucht der BMW 320d je 100 Kilometer 6,4 Liter, der Volvo S60 D4 6,8 Liter. So schafft der Schwede mit vollem Tank die Fahrt von Flensburg in die Landeshauptstadt Bayerns – der Münchner, mit um zehn Liter geringerem Tankinhalt (57 Liter), muss in Ingolstadt nachfassen.
Beim Kauf ist die Frage, ob wirklich der Preis oder die Marke den Ausschlag geben. Auch wenn die viertürigen Einstiegsmodelle mit Automatikgetriebe mit 35.950 Euro für den Volvo S60 D4 und 37.800 Euro für den BMW 320d etwas auseinander klaffen, die Sonderausstattungen, Fahrerassistenzsysteme, Infotainment-Pakete etc. schrauben den Kaufpreis bei beiden in die Höhe. Der getestete Volvo S60 D4 R-Design mit optionalen Zusatzausstattungen kostet über 55.000 Euro, doch das lässt sich leicht beim BMW toppen.
Der 3er ist BMWs Bestseller
Und wie entscheiden sich die Kunden von Mittelklasselimousinen? Sie kaufen BMW. So wurde die 3er-Limousine weltweit letztes Jahr mit rund 294.000 Einheiten Bestseller der Münchner, die insgesamt von der 3er-Baureihe knapp 407.000 Pkw auslieferten. Fasst 65.000 Limousinenkäufer erwarben eine S60, zusammen mit dem Kombi V60 wurden global insgesamt 118.000 Einheiten abgesetzt; Bestsellermodell bei Volvo ist der SUV XC60 mit gut 106.000 Auslieferungen. Auch in Deutschland lag 2012 die Zahl der ausgelieferten Limousinen weit auseinander: 27.789 BMW 3er (plus 44 Prozent) zu 1.714 Volvo S60 (minus 68 Prozent).
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