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IAV-Geschäftsführer Matthias Kratzsch

„Wir entwickeln uns in Bereiche wie den Fahrzeugbetrieb hinein“

| Autor: Svenja Gelowicz

Der Berliner Entwicklungsdienstleister IAV hat für die Hochbahn Hamburg ein fahrerloses Shuttle entwickelt und erste Prototypen gebaut. Während das Fahrzeug derzeit im Norden auf einer Teststrecke kreist, macht sich IAV Gedanken über neue Geschäftsmodelle mit der städtischen Mobilität.

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Matthias Kratzsch ist Geschäftsführer beim Entwicklungsdienstleister IAV.
Matthias Kratzsch ist Geschäftsführer beim Entwicklungsdienstleister IAV.
(Bild: IAV)

Es ist fünf Meter lang und fast drei Tonnen schwer; hat fünf Radar- und acht Lidarsensoren und damit die beste Rundumsicht: Das Shuttle des Konsortiums „HEAT“ (Hamburg Electric Autonomous Transportation). Bald schon soll es erste Fahrgäste über eine Teststrecke befördern, gerade absolviert das leere Transportfahrzeug erste Laufübungen mit einer Begleitperson. Der Shuttle stammt aus dem Engineering-Haus IAV. Wir haben am Rande der Fahrzeugpräsentation mit dessen Geschäftsführer Matthias Kratzsch gesprochen.

Herr Kratzsch, wie erweitert die IAV ihr Geschäftsmodell durch den HEAT-Shuttle?

Die Fahrzeugentwicklung gehört – neben Antriebs- und Elektronikentwicklung – zu den Kernkompetenzen von IAV, damit kennen wir uns gut aus. Mit dem HEAT-Shuttle erweitern und zeigen wir unser Technologie-Know-how, insbesondere im Bereich des automatisierten Fahrens.

Neben der Entwicklung des Fahrzeugs und der autonomen Fahrfunktionen auf Level 4 sind mit dem HEAT-Projekt auch neue Geschäftsmodelle denkbar. Wir werden perspektivisch auch weiterhin diese Funktionalitäten für Fahrzeughersteller entwickeln und testen, darüber hinaus ist aber auch die Entwicklung von autonom fahrenden Shuttles eine Option. Zum Beispiel könnte man diese Fahrzeuge bei Partnern produzieren lassen und dann in den Verkehr bringen. Derzeit entwickeln und prüfen wir solch mögliche Geschäftsmodelle.

Städte wollen Gesamtlösungen. Könnten Sie dann perspektivisch alles „aus einer Hand“ anbieten?

Wir möchten in der Lage sein, die gesamte Wertschöpfungskette von Mobilitätsdienstleistungen zu verstehen, im Detail bewerten und perspektivisch auch anbieten zu können. Wir werden dabei natürlich nicht alles selbst machen – zum Beispiel Verkehrsinfrastruktur oder Instandhaltung. Darum ist die Zusammenarbeit mit Partnern zunehmend wichtig, und dafür hilft uns das Projekt in Hamburg. Beispielsweise: Welche Infrastruktur benötigen wir für die V2X-Kommunikation; welche Signale mit welcher Güte und mit welcher Zuverlässigkeit? In andere Bereiche, wie den Betrieb, entwickeln wir uns wiederum hinein.

Bereits in zwei Jahren soll der IAV-Shuttle mit 50 km/h durch die Hafencity fahren, während ein anderer Shuttle im weniger komplexen Bad Birnbach seit fast zwei Jahren deutlich langsamer unterwegs ist. Wie geht das?

Unser Shuttle wird während der Entwicklungsphasen sukzessive an Geschwindigkeit zulegen, da wir die Technologie stetig verbessern und erweitern. Das Ziel von 50 km/h haben wir von Anfang an in der Entwicklung berücksichtigt. Das hat große Auswirkungen auf Systeme und Software, und die Integration von AD-Technologie, Fahrzeugentwicklung und Infrastruktur in ein Gesamtsystem ist dafür essentiell. Das heißt auch: Wir würden den Schritt auf die 50 km/h nicht schaffen, hätten wir von Anfang an nur 15 km/h angepeilt.

Hamburg: Autonome Shuttles im Testbetrieb

Phase 1: August 2019
Erprobung auf einem ausgewählten Abschnitt der Teststrecke, mit Fahrzeugbegleiter und ohne Fahrgäste. Geschwindigkeit: 15 km/h
Phase 2: Mitte 2020
Die Teststrecke wird erweitert, feste Haltestellen, mit Fahrzeugbegleiter und eingewiesenen Passagieren. Geschwindigkeit: 25 km/h
Phase 3: 2021
Finale Erprobung auf der gesamten, 1,8 Kilometer langen Teststrecke. Feste Haltestellen mit Fahrgästen und ohne Fahrzeugbegleiter. Geschwindigkeit: 50 km/h

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin