Suchen

Entwicklung

Alvier Mechatronics: Den Elektroantrieb verbessern

| Autor: Svenja Gelowicz

Alvier Mechatronics heißt ein neuer Entwicklungspartner aus Bad Dürkheim, der sich auf elektrische Antriebssysteme konzentriert. Das Start-up geht nun in den Markt – und will den E-Motor gemeinsam mit Partnern von Grund auf verbessern

Das Start-up Alvier Mechatronics will den Elektromotor verbessern.
Das Start-up Alvier Mechatronics will den Elektromotor verbessern.
( Bild: Bosch )

Ein Start-up möchte ein hochspezialisierter Entwicklungspartner für E-Antriebssysteme werden: Alvier Mechatronics heißt dieses junge Unternehmen, das seit Kurzem zwischen Kaiserslautern und Mannheim in der Kleinstadt Bad Dürkheim sitzt. 20 Arbeitsplätze plant CEO Uwe Hotz in einem sogenannten „Co-Creation Space“, wo Mitarbeiter sehr bald eng mit Kunden und Entwicklungspartnern zusammenarbeiten sollen.

Uwe Hotz ist der CEO von Alvier Mechatronics.
Uwe Hotz ist der CEO von Alvier Mechatronics.
( Bild: Alvier Mechatronics )

Dazu muss man wissen: Das Unternehmen kommt mit einem Hintergrund. Die Schwesterfirma heißt Alvier PM-Technology, ein familiengeführter Schweizer Werkzeughersteller und Experte für die Nischentechnologie Pulvermetallurgie. Sie wurde 2018 vom schwedischen Metallpulverhersteller Höganäs aufgekauft. Laut CEO Uwe Hotz sind die neuen Gesellschafter zwar Impulsgeber für das Start-up. Doch der große Treiber der Neugründung sei der Markt: „Es gibt heute kein vollständig optimiertes E-Antriebssystem. Wir sehen hier großes Potenzial für uns.“ Alvier Mechatronics will sich auf die Vorentwicklungsphase konzentrieren und, so drückt es Hotz aus, „eingezogene Grenzen überwinden“. Der Schlüssel liege auf dem Systemverständnis und natürlich, wie so oft, im Team.

CEO Hotz: „Große Chance, ein Start-up zu sein“

Die begehrten Fachkräfte zu finden sei, zeigt sich Hotz erstaunt, kaum ein Problem gewesen. Wie viel Start-up-Spirit steckt in den Gründern, dessen Schwesterunternehmen ein etablierter Werkzeughersteller ist und dessen Netzwerk bereits vor der Gründung auf gutem Fuß stand? „Ein Start-up zu sein ist unsere große Chance, und die müssen wir nutzen“, sagt Hotz bestimmt. Sein Unternehmen müsse an keine bestehenden Strukturen anknüpfen. Jeder Mitarbeiter sei in Scrum geschult, dadurch wolle man schneller Ergebnisse liefern. Doch das Silicon-Valley-Credo „fail fast“ gelte für ihn nur für eine sehr frühe Entwicklungsphase. Sobald es in ein späteres Stadium gehe, müsse man liefern können.

Alvier Mechatronics fokussiert sich vorerst auf Deutschland und China

Die ersten Märkte, in denen der junge Entwicklungspartner an den Start gehen will, sind Deutschland und China. „Hierzulande sind wir in der Nähe der wichtigen Entwicklungsabteilungen der OEMs und Zulieferer sowie der großen Entwicklungspartner“, sagt Hotz. Der Einfluss der deutschen Autoindustrie auf die Branche sei groß, daher hat er sein Unternehmen auch hier gegründet. Doch in puncto Absatz liege der Fokus auf dem Reich der Mitte – und China lockt zusätzlich mit zahlreichen Start-ups, die sich laut Hotz nicht von „gefühlten oder momentanen technischen Grenzen zurückhalten lassen“: Unter gleichen zusammenzuarbeiten, sei oft einfacher.

Auch in Japan gebe es sehr gute Ansätze, was Neuerungen der E-Maschine betrifft. Und um die geht es Alvier Mechatronics: „Wir denken den E-Motor dreidimensional“, sagt Hotz. Das habe Einfluss auf Materialien, Design, Elektronik oder Software, wie in einem Brennglas schaue man Technologien an und bündele die dann auf die jeweilige Anwendung. Elektromotoren unterliegen schließlich unterschiedlichen Betriebszuständen, erklärt der CEO, und brauchen daher eine optimale Systemfunktion. In einem klassischen Konkurrenzverhältnis zu OEMs, Zulieferern oder Start-ups sieht er sein Unternehmen übrigens nicht.

In den ersten Monaten seit der Gründung hat Alvier Mechatronics daher auch schon einiges an F&E-Arbeit geleistet: Für die eigene Produktvision gehe man auch in Vorleistung. Genaueres möchte Uwe Hotz erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen.

Elektromobilität: Wette auf die Zukunft

Eine Wette auf die Zukunft ist es allemal: Zwar investieren alle großen deutschen Hersteller gerade massiv in die Technik von morgen. So hat VW sich ein großes Sparprogramm namens „Zukunftspakt“ aufgelegt, um die F&E-Ausgaben stemmen zu können; Daimler wiederum hat 2018 beachtliche 9,1 Milliarden Euro in Entwicklungsaktivitäten gesteckt. Doch im gleichen Jahr ist der Gewinn der Stuttgarter im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent eingebrochen. Auch bei Volkswagen ist man sich des hohen Risikos bewusst, alles auf die Karte E-Antrieb zu setzen. Bei Alvier Mechatronics hofft man jedenfalls, dass die Autoindustrie trotz aller konjunkturellen Eintrübungen weiter Geld in die Hand nimmt in Sachen Zukunftstechnik.

Alvier Mechatronics: Nur mit Partnern

Um den E-Motor von Grund auf zu verbessern, setzt Uwe Hotz auf partnerschaftliche Zusammenarbeit: „Damit wir Grenzen in Entwicklungsprozessen überwinden, wollen wir Leute zusammenbringen, die bisher noch nicht zusammengearbeitet haben.“ Auch Hochschulen sollen einbezogen werden.

Die Schwesterfirma Alvier PM-Technology dürfte ebenfalls von der Neugründung profitieren. Wurde sie früher für Werkzeuge angefragt, wenn das Design schon fertig war, könnte man den Pulvermetallurgie-Spezialisten schon früher einbinden – um die Komponenten beispielsweise besser zu planen. Eine durchdachte Industrialisierungskette soll eine der Stärken des Start-ups werden, denn auch Produktions- und Automatisierungspartner sind im Netzwerk von Alvier Mechatronics.

Doch nun eröffnet das Start-up erst mal im Rahmen einer Fachkonferenz seine Räumlichkeiten in Bad Dürkheim und will die ersten Projekte ordentlich ins Ziel bringen. In den kommenden drei Jahren wollen die Gründer einen Kundenstamm aufbauen und solide wachsen – nicht schnell. Ums Geld müssen sie sich vorerst keine Sorgen machen: Die Startphase sei finanziert, berichtet Hotz.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45717778)

Über den Autor

Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Autojournalistin