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Supplier Innovation Awards

BMW-Vorstand Wendt: „Der Prozess ist der Chef“

| Autor/ Redakteur: Tina Rumpelt / Jens Scheiner

BASF, LG Chem, Preh, 3Con und Inrix heißen die diesjährigen Gewinner der BMW Supplier Innovation Awards. Am 21. November wurden sie im BMW-Werk Landshut gefeiert.

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„Ich bin selbst seit 26 Jahren Zulieferer“, sagte Andreas Wendt , BMW-Vorstand Einkauf, bei der Verleihung der BMW Zuliefererauszeichnungen.
„Ich bin selbst seit 26 Jahren Zulieferer“, sagte Andreas Wendt , BMW-Vorstand Einkauf, bei der Verleihung der BMW Zuliefererauszeichnungen.
(Bild: BMW)

Andreas Wendt, seit 1. Oktober BMW-Vorstand Einkauf und Lieferantennetzwerk, nutzte den Gala-Abend, um sich vorzustellen. Und er machte deutlich, was er von ihnen erwartet: „Exzellenz“. „Ich bin selbst seit 26 Jahren Zulieferer“, ließ er die 250 geladenen Vertreter aus der Zulieferindustrie wissen. Zehn Jahre kümmerte er sich bei Bosch um die Produktion unter anderem von Lichtmaschinen, Anlassern und Bremsen, bevor er im Jahr 2002 zu BMW wechselte und dort wieder die Fertigung von Gelenkwellen, Achsen, Motoren (2003-2009 als Geschäftsführer BMW Motoren in Steyr) und schließlich um ganze Fahrzeuge als Werkleiter in Regensburg und danach in Dingolfing verantworte. „Stets hat jemand in der Prozesskette nach mir beurteilt, ob ich gute Arbeit geleistet habe. Um das mit meiner Mannschaft sicherzustellen, ging es mir neben der eigentlichen Produktion immer darum, Organisationseinheiten zu ganzheitlicher Exzellenz zu führen, das heißt: sich auszuzeichnen, dass man nachhaltig besser als der Wettbewerb ist, den Kunden in den Mittelpunkt stellt und das Vertrauen und die Kompetenz seiner befähigen Mitarbeiter gewinnt.“

Das streben nach Prozessexzellenz

Und da war es schon, sein Lieblingswort, seine Passion: Exzellenz. Wendt, der in seiner Doktorarbeit „Sensoren und Sensorsteuerungskonzepte für die Qualitätssicherung in flexibel automatisierten Montagesystemen“ erörterte, hat sich seit vielen Jahren der Exzellenz verschrieben. Er führte das Werk Regensburg 2017 zum EFQM Excellence Award. Der Standort mit rund 9.000 Mitarbeitern, dem Wendt von 2009 bis 2017 vorstand, war die erste Automobilfabrik in Europa, die diese renommierte Auszeichnung bekommen hat. „Auch in der Lieferkette eines Automobilunternehmens geht es um ganzheitliche Exzellenz“, betonte der Vorstand, der einst Fotografie studierte und als Fotograf arbeitete, bevor er sich zu einem Maschinenbaustudium an der TU München entschloss. Er wisse, so der 60-Jährige, es sei eine „extrem anspruchsvolle Aufgabe, die unendlich komplexen System der automobilen Prozesskette in einen stabilen Zustand zu bringen“. Erreichbar werde dies nur im perfekten Zusammenspiel der Erfolgsfaktoren Innovationen, Flexibilität, Qualität und Kosten und zwar „getrieben vom gleichen Antrieb: Exzellenz“. Da war es schon wieder, sein Lieblingswort.

Mit Wendt weht zweifellos ein neuer Wind durch das BMW-Einkaufs-Ressort. Wohin der weht, darüber klärte er die Gäste ziemlich unverblümt auf. „Seit langem arbeite ich daran, in meinem jeweiligen Verantwortungsbereich durch Prozessexzellenz höchste Qualität zu realisieren. Dabei habe ich die vorgegebenen Qualitätsziele stets ignoriert.“ Kurze Pause im Redefluss, gespannte Stille im Auditorium. „Und durch deutlich radikalere Ziele ersetzt.“

„Über die genannten Erfolgsfaktoren sind wir uns sicher einig“, sagte Wendt mit kurzem Rundumblick ins Auditorium, legt aber gleich mit dem Appell an die Zulieferer nach, dass „Exzellenz bei den Erfolgsfaktoren“ nur erreicht werde, „wenn wir auch Einigkeit über das Wie, das heißt über unser Verhalten erzielen.“ Er zählt die Positionen und Einstellungen auf, die BMW und die Lieferanten künftig noch intensiver teilen sollten: klare Kundenorientierung, aber auch Prozessorientierung. „Der Prozess ist der Chef“, sagt Wendt. Er ist überzeugt: „Die Probleme müssen dort gelöst werden, wo sie entstehen.“

Mitarbeiter wertschätzen und mit ihnen interagieren

Er strebe zudem eine „einheitliche Wertebasis“ und gemeinsame Verhaltensgrundsätze an, „die man anderen gegenüber auch in einem schwierigen Umfeld einhält.“ Wohl wissend, dass man ihn auch an dem messen wird, was er an diesem Abend sagte, fügte er an: „Schlechte Führung ist die Mutter aller Qualitätsprobleme.“ Fehler gingen in der der Regel zu 70 Prozent auf mangelhafte Führung zurück, schilderte er. Eine „exzellente Organisation“ beschrieb er in einem Interview einmal so: „Es beginnt mit der Einbindung jedes Mitarbeiters: ihn wertschätzen, ihn persönlich wahrnehmen und ihm zeigen, dass die Fabrik ein Ort ist, wo er gefragt ist. Das ist Aufgabe der Führungskräfte, die mit den Menschen interagieren, statt nur einkanalig Botschaften zu senden.“

Einheitliches Verständnis zwischen BMW und den Zulieferern nötig

Wendt ist ein außergewöhnlicher Manager, einer den die Leidenschaft für seine Profession, seine Ziele treibt – und eben jene „Exzellenz“, die er in vielfältiger Weise umsetzen will. An ihrer „Exzellenz“ im Wendt’schen Sinne werden sich die Zulieferer zweifellos künftig messen lassen müssen. Verantwortung, Wertschätzung, Transparenz, Vertrauen und Offenheit habe BMW der Strategie „Number ONE NEXT“ zugrunde gelegt. „Hinsichtlich dieser Werte benötigen wir ein einheitliches Verständnis zwischen uns und Ihnen“, adressierte er die Zulieferer.

Dass Wendt seine Vorstellungen von Mitarbeiterführung und Wertschätzung auch selbst lebt, zeigte er auch bei der Verleihung der Supplier Innovation Awards. Er überließ die große Bühne seinen Mitarbeitern: Einkaufsverantwortliche aus verschiedenen Funktionsbereichen und Regionen stellten die Unternehmen und ihre Innovationen vor und überreichten die Auszeichnungen. Insgesamt 15 Unternehmen waren nominiert.

Die Gewinner der BMW Supplier Innovation Awards 2018 sind:

Die Gewinner der BMW Supplier Innovation Awards 2018.
Die Gewinner der BMW Supplier Innovation Awards 2018.
(Bild: BMW)

Kategorie „Produktivität“

3Con: Die schnellste Presskaschieranlage

Gemeinsam mit 3Con hat BMW die – nach eigenen Angaben – schnellste Presskaschieranlage der Welt gebaut. Die Anlage verbindet Nähkleider in Leder und Kunstleder mit einem Spritzgussträgerteil und ermöglicht Taktzeiten von nur 30 Sekunden. Dank drehbarer Kombiwerkzeuge werden in Sequenz Links- und Rechtslenkerbauteile ohne Einsteuerrestriktion produziert. Das spart mehr als 80 Prozent der Fertigungskosten.

Nominiert in dieser Kategorie waren außerdem Magna (Fügetechnik) und Berrang (Neuentwicklung Türscharnier-Gegenhalter).

Kategorie „Nachhaltigkeit“

BASF: Beste CO2-Performance bei ambitionierten Zielen

BASF zeigt die beste Performance im Bericht der Nichtregierungsorganisation CDP hinsichtlich seiner CO2-Emissionen und der Verankerung des Kampfes gegen den Klimawandel im Unternehmen. Auch wirkt das Unternehmen darauf hin, dass die eigenen Lieferanten Emissionen reduzieren und orientiert sich grundsätzlich am globalen Zwei-Grad-Ziel.

Nominiert in dieser Kategorie waren außerdem Arkema (Bio-Kunststoff aus Rizinusöl) und Samsung SDI (Analyse der Kobalt-Lieferkette für die Zellproduktion).

Kategorie „Efficient Dynamics“

LG Chem: 12V-Lithium-Ionen-Speicher

Dank des 12V-Lithium-Ionen-Speichers von LG Chem wird das heutige System mit zwei schweren Blei-Starterbatterien durch eine Bleibatterie und einen leichten Lithium-Speicher abgelöst. Das spart Gewicht und darüber hinaus ist die Lithium-Ionen-Batterie leistungsfähiger als eine Bleibatterie und die Rekuperationsfähigkeit wurde verbessert.

Nominiert in dieser Kategorie waren außerdem Webasto (Softtop für BMW i8 Roadster) und BWI Poland Technologies (Hydraulic Compression Stop).

Kategorie „Digitalisierung“

Inrix: On-Street-Parking

Der On-Street-Parking-Service soll BMW-Kunden die Parkplatzsuche in 68 Städten in Europa und den USA erleichtern. Das Navigationssystem zeigt Straßen grafisch an, in denen man sehr wahrscheinlich einen Parkplatz findet. Der Dienst wurde kürzlich verbessert, indem Ultraschalldaten der BMW-Flotte integriert wurden.

Nominiert in dieser Kategorie waren außerdem Microsoft (Server-Technologie) und Aptiv (Gesichtserkennung zur Steuerung von Fahrerassistenzsystemen).

Kategorie „Emotional Experience“

Preh: Modulares Bedienzentrum Mittelkonsole

Das modulare Bedienzentrum Mittelkonsole vereine verschiedene Techniken in einer einzigen Komponente. Statt vieler einzelner Schalter und Stecker gibt es nur eine Schnittstelle. Und es ermöglicht eine Konfiguration nach Kundenwunsch. Dank des Baukasten-Prinzips passe es in viele Baureihen bei BMW.

Nominiert in dieser Kategorie waren außerdem Meiré und Meiré (Event-Management) und FKT (Anti-Slip-Rail im Kofferaum).

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