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Satellitennavigation „Die GNSS-Positionierung ist für das autonome Fahren unverzichtbar“

Autor: Sven Prawitz

Fünfzigmal genauer als GPS und zehnmal präziser als Galileo: Das Joint Venture Sapcorda bietet in Europa seinen Korrektur-Algorithmus für GNSS-Signale an.

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Schlechtes Wetter beeinträchtigt die Sensoren eines Fahrzeugs. Der Dienst von Sapcorda kann dennoch eine exakte Position liefern.
Schlechtes Wetter beeinträchtigt die Sensoren eines Fahrzeugs. Der Dienst von Sapcorda kann dennoch eine exakte Position liefern.
(Bild: Bosch)

Anfang des Jahres startete Sapcorda seinen Korrekturdienst für Satellitensignale. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist ein Joint Venture von Mitsubishi Electric (nicht zu verwechseln mit Mitsubishi Motors), Bosch, Geo++ und U-blox. Das Akronym steht für Safe and Precise Correction Data. Die Technik von Sapcorda errechnet zu den Signalen des globalen Navigations-Satelliten-Systems (GNSS) einen Korrekturfaktor und erhöht so dessen Genauigkeit. Sapcorda berechnet mit Hilfe von exakt vermessenen Referenzstationen permanent einen Korrekturfaktor für diese Signale. Das Ergebnis steht in Echtzeit zur Verfügung.

Der Autobahnpilot der neuen Mercedes-Benz S-Klasse etwa verwendet einen solchen Korrekturdienst (ob von Sapcorda ist nicht bekannt), um zum Beispiel eine Rettungsgasse zu bilden, ohne auf den benachbarten Fahrstreifen zu gelangen. Ab 1. Dezember gibt es den Dienst zusätzlich auf dem L-Band. Wir haben uns mit Geschäftsführer Botho zu Eulenburg über die Erfahrungen der ersten Monate unterhalten.

Interesse aus Fahrzeugindustrie und IoT-Welt

Herr zu Eulenburg, wie wird der Dienst von Sapcorda angenommen?

Das erste Feedback ist sehr zufriedenstellend. Darunter sind insbesondere auch Firmen, die als First Mover unsere Technologie sehr schnell adaptieren können. Mit einer Vielzahl von Kunden befinden wir uns in einer Test- und Proof-of-Concept-Phase.

Welchen Stand hat die Technik momentan?

Die breite Verfügbarkeit der hohen Genauigkeit unserer Dienste ist seit Anfang dieses Jahres gegeben. Derzeit arbeitet unser Entwicklerteam an deren Sicherheit. Um hochpräzise GNSS-Technologie als sichere Sensorik in der Automobilwirtschaft zu etablieren, müssen sehr hohe Anforderungen an die Qualität und funktionale Sicherheit eines Korrekturdatendienstes erfüllt werden.

Botho Graf zu Eulenburg, Geschäftsführer Sapcorda.
Botho Graf zu Eulenburg, Geschäftsführer Sapcorda.
(Bild: Sapcorda)

Welchen Stellenwert hat das GNSS-Signal neben den Sensoren Kamera, Radar und Lidar?

Die präzise GNSS-Positionierung ist aus Sicherheitsgründen unabdingbar. Sie ist tatsächlich die einzige Sensorik, die eine unabhängige und absolute Positionierung in einem globalen und einheitlichen Koordinatensystem ermöglicht. Eine präzise und sichere Positionsbestimmung entfaltet Ihre Kraft im Zusammenspiel mit anderen Sensoriken und besonders mit der genauen Karte, die ja selbst auch mit Hilfe der genauen GNSS-Positionierung in einem Koordinatensystem gelagert wird. Das Thema wird mit der entsprechenden Sicherheit der präzisen Lokalisierung für das autonome Fahren unverzichtbar werden.

Welche Chancen räumen Sie der korrigierten GNSS-Positionierung in Europa ein?

Japan hat bereits früh auf die hochpräzise GNSS-Positionierung gesetzt und mit dem QZS-System sogar ein kostenfreies System landesweit zur Verfügung gestellt. Die Technik hat auch in Europa eine hohe Aufmerksamkeit erreicht, und ich kenne kaum einen Autohersteller, der sich diese Technologie nicht genau anschaut. Nachfragen kommen aber auch aus allen Feldern der IoT-Welt und aus den klassischen Anwendungsfeldern wie beispielsweise die automatische Spurführung in der Landwirtschaft

Was sind die nächsten Schritte?

In der Automobilbranche arbeiten wir intensiv an Kundenprojekten und werden Ende dieses Jahres unsere Korrekturdaten in den USA und Europa über geostationäre Satelliten ausstrahlen. Dadurch erhöhen wir die Verfügbarkeit der Korrekturen in Fahrzeugen, falls eine Internetverbindung mal nicht zur Verfügung steht.

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Über den Autor

 Sven Prawitz

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Technikjournalist