IAA 2021 IAA Mobility: Das zeigen Zulieferer und Start-ups

Verteilt über München, statt nur in Messehallen. Mit vielen Alternativen zum Auto. Und mit spärlichen Informationen: Die IAA Mobility ist bislang schwer einzuordnen. Einige Teilnehmer haben dennoch Neuheiten angekündigt; wir haben sie zusammengefasst.

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Bosch wird auf der IAA im Parkhaus Messe West eine Live-Demo des automatisch parkenden Autos zeigen.
Bosch wird auf der IAA im Parkhaus Messe West eine Live-Demo des automatisch parkenden Autos zeigen.
(Bild: Mercedes-Benz)

Klein und wendig, einfach aufgebaut, elektrisch angetrieben und variabel in der Größe: Der „City Transformer“ des gleichnamigen israelischen Start-ups ist ein verkleinerbares Chassis. Laut seiner Entwickler lässt es sich während der Fahrt automatisch von 1,40 m auf einen Meter Breite reduzieren. Ohne Akkus wiegt das Fahrzeug rund 450 Kilogramm; für 180 Kilometer sollen die Stromspeicher reichen. Die lassen sich mit maximal 90 km/h, im verkleinerten Zustand mit höchstens 45 km/h zurücklegen. Den Antrieb leisten zwei Elektromotoren an den Hinterrädern. Nur 1.500 Teile waren notwendig, um das Auto zu bauen. Ab 2024 soll der City Transformer auf den Markt kommen.

Benteler, Bosch und Dockr

Eine Plattform zeigt auch der Zulieferer Benteler. Das bestehende „Benteler Electric Drive System“ (BEDS), eine serienreife, skalierbare Plattform für Elektrofahrzeuge, entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit Bosch weiter: zu einem „Rolling Chassis“. Angetrieben wird es von einer Achse mit integriertem Antrieb. Außerdem wird ein autonom fahrender People Mover des Unternehmens zu sehen sein. Er basiert auf der BEDS-Plattform und kann bis zu 22 Personen transportieren.

Für die Stromversorgung elektrisch angetriebener Fahrzeuge hat der Zulieferer außerdem ein vollmodulares Batterie-Pack dabei. Zu sehen sind die Demos auf dem Stand von Bosch.

Die Stuttgarter zeigen daneben noch ein Brennstoffzellen-System sowie ein redundantes Brems- und Lenksystem. Im Parkhaus Messe West zeigt der Zulieferer Live-Demos seines sogenannten Automated Valet Parking. Einem System, dass Fahrzeuge vollständig automatisiert auf einen Stellplatz im Parkhaus manövriert. Außerdem wird Bosch eine Fülle von Komfortfunktionen demonstrieren, darunter Software für die Batteriepflege, eine App, die das Smartphone zum Autoschlüssel macht und diverse Sensoren.

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Für den innerstädtischen Transport hat das niederländische Start-up Dockr ein elektrisch angetriebenes Lastenrad entwickelt, das es im Abo gibt. Maximal 350 Kilogramm kann das Cargo E-Bikes tragen, das Ladevolumen liegt zwischen 550 und 1.700 Litern.

Brose, Gentex und Schaeffler

Brose zeigt auf der IAA, wie seine Software „BRAIN“ (Brose Access and Interior Network) hilft, den Innenraum zu personalisieren. In einem seriennahen Fahrzeug können Messebesucher selbst testen: Zum Beispiel wie das System einen Fahrer daran erinnert, dass er wieder die Kontrolle über das autonom fahrende Fahrzeug übernehmen muss. Optische Signale, Vibrationen im Sitz, der Sitz richtet sich auf, Lenkrad und Mittelkonsole kehren in die ursprüngliche Position zurück, der Luftstrom der Klimaanlage stellt sich auf die neue Situation ein: Es dürfte eine vollkommen neue Erfahrung sein.

Schaeffler zeigt neben einem „Rolling Chassis“ sein „steer-by-wire“-System. Fahr- und Lenkbefehle gelangen als elektronische Signale an die entsprechenden Aktuatoren. Mit dem „space drive 3 add-on“ will das Unternehmen in die Kleinserienfertigung einsteigen. Passend dazu hat der Automobilzulieferer den „Hand Wheel Actuator“ entwickelt. Er ersetzt das klassische Lenkrad mit mechanischer Lenksäule durch mechatronische Aktuatorik; haptisches Feedback von den Rädern inbegriffen.

Produkte und Systeme rund um die Innenraumüberwachung wird Gentex zeigen. Der amerikanische Zulieferer ist zum ersten Mal auf der IAA und zeigt dort seine Kompetenz für Fahrer- und Innenraumüberwachung. Die Technik soll helfen können, Unfälle etwa durch Handy-Nutzung am Steuer zu vermeiden. Das „Cabin Monitoring“ gibt Hinweise zu vergessenen Gegenständen in Carsharing-Fahrzeugen und warnt vor Schadstoffen und Rauch. Außerdem zeigt Gentex ein dimmbares Glas, das zum Beispiel für Panoramadächer eingesetzt werden kann.

Webasto, Waldaschaff Automotive, Hella

Der türkische Bushersteller Otokar geht mit dem zwölf Meter langen Passagierbus einen weiteren Schritt in Richtung emissionsfreie Zukunft. Um den Bus mit Energie zu versorgen, setzt das Unternehmen auf Batterien von Webasto. Besucher der IAA Mobility können den Bus im September in München erleben – er fährt dort auf der sogenannten Blue Lane von einem Messestandort zum anderen..

Webasto liefert Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Batterien mit je 35 Kilowattstunden an Otokar. Am Bus können bis zu zehn Batterien verbaut werden. Die Module sind auf dem Dach und am Heck des Busses angebracht, um bei Kurvenfahrten einen besseren Schwerpunkt und eine bessere Fahrdynamik zu erreichen. Die Reichweite des Elektrobusses liegt je nach Gelände und Nutzungsprofil bei über 300 Kilometern, heißt es in einer Mitteilung des Zulieferers.

Ebenfalls für die E-Mobilität zeigt Waldaschaff Automotive neue Produkte: So wird es ein Batterie-Gehäuse mit verbesserter Dichtigkeit und einem Leichtbaukonzept zu sehen geben, teilt der Zulieferer mit.

Den aktuellen Stand seiner Lichttechnik möchte Hella zeigen. Der chipbasierte Scheinwerfer soll neue Designs ermöglichen und einen Beitrag zu mehr Sicherheit und Komfort im Straßenverkehr sorgen. Aus dem Bereich Licht wird es zudem ein Konzept für eine neue Heckleuchte zu sehen geben. Ein Lichtleiter mit besonders kleinen Optiken soll neue Formen von Lichtsignaturen möglich machen.

Ekpo Fuel Cell Technologies, Adasky

Ekpo Fuel Cell Technologies (EKPO), das Gemeinschaftsunternehmen von Elring Klinger und Plastic Omnium, stellt drei Brennstoffzellenstack-Plattformen vor. Das PEM-Stackmodul „NM5-EVO“ geht in diesem Jahr in Serienproduktion und leistet bis zu 76 kWel, bei 2,5 bar Betriebsdruck. Gemeinsam mit AEDS und Quantron zeigt der Zulieferer ein Fahrzeug, das mit einem NM5-EVO-Modul ausgerüstet ist.

Deutlich größer ist das PEM-Stackmodul „NM12 Twin“ mit 598 Zellen (2x299 Zellen) auf Basis metallischer Bipolarplatten. Das Plug-in-Modul leistet bis zu 205 kWel und soll sich vor allem für Lkw, Bahn und Marine-Anwendungen eignen.

In einem weiteren Demonstratorfahrzeug ist ein 359-zelliges „NM12 Single“ PEM-Stackmodul verbaut. Es basiert auf metallischen Bipolarplatten ud hat eine elektrische Leistung von bis zu 123 kWel. Die Leistungsdichte beträgt mehr als 6 kW/L.

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Das israelische Start-up Adasky zeigt einen neuartigen Sensor für Fahrerassistenzsysteme. Statt CMOS-Chips für Kameras setzt das Unternehmen auf eine Technik, die aus Wärmebildkameras bekannt ist. Die Technik wurde allerdings stark modifiziert und an die Bedürfnisse der Automobilindustrie angepasst. So zeigen die Sensoren ein scharfes Bild der Umgebung ohne dabei auf Tageslicht angewiesen zu sein. Damit soll ein redundantes Sensorsystem möglich werden, das unabhängig ist von den Sichtverhältnissen im Bereich der für das menschliche Auge erkennbaren Wellenlängen.

Zusätzlich hat Adasky eine Software zur Objekterkennung entwickelt. Sensor und Software wurden bereits von einem amerikanischen OEM für ein Serienprojekt nominiert. Das Start-up will die Komponenten dafür selbst produzieren.

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Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE