Fertigung Klimaschutz als Geschäft: Welche Maßnahmen sich für Zulieferer lohnen

Autor Svenja Gelowicz

Verringerte CO2-Emissionen machen Automobilzulieferer profitabler. Zu diesem Ergebnis kommt die Beratung Bain. Mit welchen Maßnahmen das gelingt und welche Wettbewerbsvorteile sich daraus ergeben können.

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Klimaschutz: Volkswagen spart eigenen Angaben zufolge dank LED-Beleuchtung an neun Produktionsstandorten 116.000 Tonnen CO2 jährlich.
Klimaschutz: Volkswagen spart eigenen Angaben zufolge dank LED-Beleuchtung an neun Produktionsstandorten 116.000 Tonnen CO2 jährlich.
(Bild: Volkswagen)

Klimaschutz ist längst als Baustein in Vergabeentscheidungen eingezogen. Ob Volkswagen, BMW oder Daimler: Die großen Hersteller betonen regelmäßig den Wert einer grünen Lieferkette. Die Zulieferbranche ist dabei unterschiedlich weit. Der weltweit größte Automobilzulieferer Bosch beispielsweise ist eigenen Angaben zufolge bereits seit dem vergangenen Jahr klimaneutral. „Sowohl bei den Ambitionen als auch bei der Umsetzung der Dekarbonisierungsmaßnahmen gibt es eine sehr große Spreizung zwischen großen und kleinen Unternehmen“, sagt Dominik Foucar von der Unternehmensberatung Bain.

Die Vergaberegeln werden sich nicht ändern.

In einer Studie hat Bain verschiedene Instrumente für die Dekarbonisierung ausgewertet und nach ihrer Wirtschaftlichkeit analysiert. „Klimaneutralität wird zunehmend zu einem Kernelement des Geschäftsmodells der Zulieferer“, sagt Bain-Partner Markus Bürgin. „Je schneller Unternehmen eine entsprechende Strategie entwickeln und umsetzen, desto eher erlangen sie einen Wettbewerbsvorteil und können Marktanteile gewinnen.“

Marktanteile für schnelle Autozulieferer

Die Autoren betonen in der Studie auch den Druck durch die Autobauer. „Kunden, Wettbewerber und Kapitalmarkt sowie die steigenden Preise für CO2-Zertifikate lassen Automobilzulieferern keine Wahl“, sagt Bürgin. Die Unternehmen müssen bei Produktion und Erzeugnissen auf den Klimaschutz achten, wollen sie künftig noch Abnehmer für ihre Produkte. Das ist ein Punkt: Zulieferer, die auf eine rasche Dekarbonisierung setzen, erzielen damit klare Kostenvorteile und können langsameren Wettbewerbern Marktanteile abnehmen, heißt es von Bain weiter.

Dennoch: „Die Vergaberegeln werden sich nicht ändern“, sagt Bain-Experte Foucar. Wenn alle Lieferanten entsprechende Standards erreichen, gewinnt der beste Preis. „Wenn also Dekarbonisierungsstandards homogen von allen Wettbewerbern mit dem gleichen Zeithorizont als Vergabekriterium eingefordert werden, dann können sich Zulieferer über die kosteneffizienteste Dekarbonisierungsstrategie differenzieren.“ Andere OEMs bauten Emissionen in ein Bonus-Malus-System im Vergabeverfahren ein. So bepreisen sie gleichfalls das Klimagas in den Lieferketten, wodurch für Lieferanten ein Wettbewerbsvorteil bestehen kann.

Maßnahmen für die Fertigung

Um die eigene CO2-Bilanz zu verbessern, sieht die Beratung drei Maßnahmen als ausschlaggebend an: Zulieferer müssten

  • ihre Energieeffizienz steigern,
  • auf regenerative Energiequellen umsteigen und
  • Emissionen, die sich nicht vermeiden lassen, kompensieren.

So könnte grüne Energie und durch eigene Anlagen erzeugte elektrische Energie aus Solar, Wind und Biomasse die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um bis zur Hälfte reduzieren.

Maßnahmen für weniger CO2-Emissionen lohnen sich für die Kasse.
Maßnahmen für weniger CO2-Emissionen lohnen sich für die Kasse.
(Bild: Bain)

Vor allem die Bereiche Einkauf und Erzeugung von grünem Strom sind Hebel, mit denen schnell Klimagas gespart werden kann. Ein positiver Return on Investment (ROI) komme bei dem Block der Effizienzmaßnahmen ins Spiel: „Nur beides zusammen ergibt einen guten ROI und ermöglicht große Schritte in Richtung Emissionsreduktion“, sagt Dominik Foucar. Heißt umgekehrt: Maßnahmen, um grüne Energie zu beziehen oder zu erzeugen, lohnen sich aus ökonomischer Brille nicht. Allerdings können Unternehmen ohne sie keine vollständige CO2-Neutralität erreichen.

Klimaneutral bis 2025 möglich

Laut der Studie ist vielerorts das Potenzial eines optimierten Energieeinsatzes noch nicht ausgereizt. Ansatzpunkte könnten beispielsweise eine nachfragebasierte Anlagesteuerung, optimierten Klimatisierung oder die Rückgewinnung der genutzten Energie sein. „Binnen drei bis fünf Jahren können die Automobilzulieferer ihre direkten Emissionen drastisch reduzieren“, sagt Foucar. „Wenn sie den Rest kompensieren, wirtschaften sie bereits ab der zweiten Hälfte dieser Dekade klimaneutral.“

Hella will zum Beispiel bis 2025 klimaneutral produzieren. Valeo möchte bis 2050 mit seiner gesamten Geschäftstätigkeit bilanziell CO2-frei arbeiten.

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