Elektromobilität

Mercedes-Benz EQC: Daimlers großer Wurf?

| Autor / Redakteur: Peter Schwerdtmann/Ampnet / Sven Prawitz

Daimlers erstes Elektroauto: Der Mercedes-Benz EQC soll ab Mitte 2019 verfügbar sein.
Daimlers erstes Elektroauto: Der Mercedes-Benz EQC soll ab Mitte 2019 verfügbar sein. (Bild: Daimler)

Gestern (4. September) feierte Daimler in Stockholm die Weltpremiere des Elektro-SUV EQC. Für den OEM ist es das erste Modell der Submarke EQ – es soll den Anspruch des Autoherstellers markieren. Vor Jahresmitte 2019 wird der EQC jedoch nicht verfügbar sein.

Ein Vorgriff auf die Zukunft ist der Mercedes-Benz EQC gleich mehrfach: Dieses batterieelektrische SUV ist das erste Modell der neuen Elektromobilitäts-Marke EQ. Der EQC ist damit auch der erste elektrische Mercedes-Benz, der in Serie gebaut werden wird. Und nach der Ankündigung auf dem Pariser Automobilsalon 2016 greift nun die erste Präsentation des Neuen ungewöhnlich weit in die Zukunft; denn er soll erst Mitte 2019 im Handel stehen. „Wir wollen früher beginnen, aber es wird keine vertikale Anlaufkurve geben“, äußerte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Pressegespräch auf der Premierenveranstaltung. Einen Preis für das E-SUV wollte Zetsche noch nicht nennen.

Natürlich soll der EQC in Sachen Qualität, Sicherheit und Komfort als „der Mercedes-Benz unter den Elektrofahrzeugen antreten“, was sich eigentlich aus dem Selbstbild der Marke versteht. Hingestellt haben sie das vermutlich beste Elektroauto der Gegenwart. Doch beantwortet der Neue auch die Frage nach der Reichweite angemessen? Ola Kallänius, Entwicklungs-Vorstand, legte bei seiner Vorstellung der Technik des EQC Wert auf die Feststellung, in der Praxis spiele die Reichweite eine geringere Rolle als in der Diskussion. In den noch nicht endgültigen technischen Daten werden mehr als 450 Kilometer nach dem NEFZ-Zyklus für Elektrofahrzeuge genannt. Power gibt es auch: Der Elektromotor an der Vorderachse und der an der Hinterachse entwickeln immerhin viel Kraft – auch für einen 2,5-Tonner.

Daimler: „Vier Trends verändern die Branche“

Interview mit Ola Källenius

Daimler: „Vier Trends verändern die Branche“

16.05.17 - Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius über die Zukunftsstrategie CASE, künftige Standards beim automatisierten Fahren, die Zukunft von Benziner und Diesel sowie die sich ändernde Wertschöpfungsstruktur. lesen

Außen kein Visionäres Design, innen futuristische Optik

Seine Proportionen, die gestreckte Dachlinie und die Scheibengrafik mit tief positionierter Bordkante und dem coupéhaften Dacheinzug am Heck und die großen Räder (19 Zoll bis 21 Zoll) positionieren ihn als SUV, aber als eines mit Coupé-Zügen ums Heck. Prägnantes Merkmal der Front ist die Fläche in glänzendem Schwarz, die den Grill umschließt und die Scheinwerfer verdeckt. Den oberen Abschluss bildet ein Lichtleiter als optische Verbindung zwischen den Tagfahrlicht-Fackeln. Bei Nacht entsteht hier ein horizontales Lichtband, das sich am Heck in Rot wiederholt. Farbliche Kontrastelemente zeigen die Zugehörigkeit zur neuen EQ-Familie: blaue Streifen auf schwarzem Grund und ein blauer Multibeam-Schriftzug. Alles sehr rund, freundlich und modern, aber nicht das visionäre Design, das wir nach Paris 2016 erwartet hatten.

Auch im Innenraum will sich der EQC als Vorreiter einer avantgardistischen Elektro-Ästhetik profilieren. Beispiele dafür sind der „Kragen“ der Instrumententafel, der an die Kühlrippen eines Hi-Fi-Verstärkers erinnert und das breite, aufgesetzte digitale Display – wie bei der neuen A-Klasse. In der Summe ergibt sich ein fahrerorientiertes Cockpit in futuristischer Optik in einer sachlich-modernen Umgebung, bei der einfache Formen und neue, besonders grifffreundliche Materialien den Charakter bestimmen.

Studie: Entwicklung bei Brennstoffzellenfahrzeugen

Branchenbarometer

Studie: Entwicklung bei Brennstoffzellenfahrzeugen

Aktuelle Marktzahlen der Automobilindustrie – monatlich thematisch aktualisiert weiter...

Allrad mit dynamischer Momentenverteilung

Der EQC tritt mit dem komplett neu entwickelten System mit je einem kompakten elektrischen Antriebsstrang an Vorder- und Hinterachse an. Damit bietet das E-SUV die Fahreigenschaften eines Allradantriebs, denn die Drehmomente können – je nach Bedarf – bis zu 100 Prozent zwischen vorn und hinten verschoben werden. Zur Verringerung des Stromverbrauchs und zur Steigerung der Dynamik sind die beiden elektrischen Achsen unterschiedlich ausgelegt: Die vordere E-Maschine ist für den schwachen bis mittleren Lastbereich auf bestmögliche Effizienz optimiert, die hintere bestimmt die Dynamik. Zusammen bringen sie die Leistung von 300kW/408 PS auf die Straße, das maximale Drehmoment beider E-Maschinen beträgt zusammen 765 Newtonmeter – trotzdem herrscht im Innenraum natürlich ungewöhnliche Stille.

Die Lithiumionen-Batterie hat einen Energieinhalt von 80 kWh. Nach NEFZ soll der Energiekonsum bei 22 kWh pro 100 Kilometer liegen. Zum Vergleich: Die Fachzeitschrift »Automobil Industrie« testete die beiden Plug-In-Hybriden Porsche Panamera 4 Sport Turismo und Toyota Prius. Deren Verbrauch im reinen E-Modus lag bei etwa 20 beziehungsweise knapp elf kWh auf 100 Kilometer.

Der EQC unterstützt seinen Fahrer mit den fünf Fahrprogrammen „Comfort“, „Eco“, „Max Range“, „Sport“ und eine individuell anpassbare Fahrstufe. Außerdem kann der Fahrer die Stärke der Rekuperation über Schaltwippen hinter dem Lenkrad beeinflussen. Wer die stärkste Rekuperationsstufe wählt, gewinnt nicht nur über die beiden als Generator arbeitenden Achsen am meisten Energie zurück, er spart auch bei den Bremsen. Bei dieser Einstellung werden sie so gut wie nie aktiv werden müssen. Ein „ECO-Assistent“ hilft beim vorausschauenden Fahren durch Hinweise, wann der Fuß vom Fahrpedal genommen werden kann. Dafür nutzt er Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen vom Radarsensor und der Stereokamera.

Auf EQ angepasstes Infotainment „MBUX“

Der EQC verfügt über einen wassergekühlten On-Board-Lader mit einer Leistung von 7,4 kW und ist damit für das Wechselstrom-Laden zu Hause und an öffentlichen Ladestationen vorbereitet. Bis zu dreimal schneller als an einer Haushaltssteckdose erfolgt das Laden an einer Wallbox des Herstellers. Und noch schneller geht es über Gleichstromladen – beim EQC serienmäßig – zum Beispiel via CCS (Combined Charging Systems) in Europa und den USA sowie „CHAdeMO“ in Japan oder GB/T in China. Der EQC lädt mit maximal 110 kW in etwa 40 Minuten bis zur Ladehöhe von 80 Prozent.

Das Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) wird um EQ-spezifische Inhalte ergänzt, etwa die Anzeige von Reichweite, Ladezustand und Energiefluss. Das System ermöglicht außerdem eine optimierte Navigation. Fahrprogramme, Ladestrom und Abfahrtszeit lassen sich ebenfalls über MBUX einstellen. „Mercedes me“ bietet weitere Dienstleistungen, zum Beispiel die Steuerung der Vorklimatisierung.

Die für den EQ optimierte Navigation legt bei der Berechnung die schnellste Route zugrunde und berücksichtigt dabei die kürzeste Ladezeit. Außerdem reagiert die Routenplanung dynamisch auf Änderungen. Über die Mercedes-me-App können Kunden Ladestationen finden und bekommen über Mercedes-me-Charge Zugang zu Ladesäulen zahlreicher Anbieter, auch über Landesgrenzen hinweg.

Samsung und Harman „bilden ein Power House“

Automobilzulieferer

Samsung und Harman „bilden ein Power House“

26.03.18 - Im März 2017 schloss Samsung die Übernahme von Harman ab. »Automobil Industrie« sprach mit Mike Peters, Leiter der Division Connected Car bei Harman, über die ersten Monate und gemeinsame Projekte. lesen

Batterie nur eine Übergangstechnologie

Aber selbst die Reichweite von (theoretisch) mehr als 450 Kilometern macht aus dem EQC noch keine Dauer-Langstrecken-Reiselimousine. Auch wenn die Batterien besser und die Reichweite damit größer werden wird, bleiben die Fragen: Ist es sinnvoll, 650 Kilogramm Batterie durch die Gegend zu fahren? Haben wir bisher nicht akzeptiert, dass geringes Gewicht eines der Entwicklungsziele der Automobilentwickler ist, weil das den Energieverbrauch senkt?

Autos wie der EQC und die kommenden Modelle anderer Hersteller mit noch mehr Leistung zeigen, dass die Batterie nicht mehr als eine Übergangstechnologie zu einer sinnvollen Technologie der Zukunft sein kann. Den klimaschädigenden, ökologischen Fußabdruck der heutigen Elektroautos im Blick, muss die Lösung zu großen Teilen im Wasserstoff als Energiespeicher für die Elektromobilität der Zukunft liegen – jedenfalls auf der Langstrecke. Die Domäne der Batterie kann in Deutschland die Kurzstrecke werden, überall dort, wo lokal emissionsfreier Verkehr gefordert wird.

Diese E-Autos kommen 2018 und 2019 auf den Markt

Neue Modelle

Diese E-Autos kommen 2018 und 2019 auf den Markt

16.03.18 - In den nächsten zwei Jahren flutet eine Welle von E-Mobilen die Modellpaletten der Autohersteller. Ein Überblick. lesen

Technische Daten Mercedes-Benz EQC

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,76 x 1,88 (mit Spiegeln 2,10) x 1,62
  • Radstand (m): 2,87
  • Antrieb: Eine Asynchron-Maschine pro Achse, Allradantrieb,
  • Leistung: zusammen 300 kW (408 PS)
  • Batterie: Lithium-Ionen-Batterie, 80 kWh
  • Max. Drehmoment: 765 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,1 Sek.
  • Verbrauch nach NEFZ: 22.2 kWh/100 km
  • Reichweite (NEFZ): ca. 450 km
  • CO2-Emissionen: lokal 0 g/km
  • Leergewicht / Zuladung: min. 2.425 kg/max. 500 kg
  • Batteriegewicht: 650 kg
  • Kofferraumvolumen: ca. 500 Liter
  • Max. Anhängelast: 1.800 kg
Produktion des Audi E-tron ist gestartet

Elektromobilität

Produktion des Audi E-tron ist gestartet

03.09.18 - Heute (3. September) startete die Serienproduktion des Audi E-Tron in Brüssel. Das Werk wurde seit Sommer 2016 auf den Produktionsstart des E-Autos vorbereitet. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zum Beitrag schreiben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45481273 / Automobile)