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Fahrbericht

Opel Zafira Life: Von Unterfranken bis Istrien

| Autor: Jens Scheiner

Die neue Generation des Opel Zafira ist kein Kompakt-Van mehr. Seit Februar heißt die vierte Auflage des Familienautos Zafira Life und ist nun ein richtiger Kleinbus für bis zu neun Passagiere. Wir haben den VW-Bulli-Konkurrenten auf dem Weg in den Sommerurlaub getestet.

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Zafira Life heißt die vierte Generation von Opels Familienauto.
Zafira Life heißt die vierte Generation von Opels Familienauto.
(Bild: »Automobil Industrie«/Jens Scheiner)

Mein Nachbar ist nicht nur stolzer Besitzer eines Opel Vivaro, sondern muss tatsächlich ein eingefleischter Opel-Fan sein. Denn bei allen Testwagen, die im Laufe der Zeit auf meinem Parkplatz standen, weckt ausgerechnet der neue Opel Zafira Life sein Interesse. Wobei ihm sofort auffällt, dass die Bezeichnung Zafira nicht mit dem Kleinbus in Einklang zu bringen ist, den er vor sich stehen sieht. Wie er richtig anmerkt, war der Zafira in der Vergangenheit, genauer gesagt seit 1999, ein Kompakt-Van und hatte auf engstem Raum Platz für bis zu sieben Sitze, die sich zu einer ebenen Fläche umklappen ließen.

An diesem raffinierten Innenraumkonzept haben die Ingenieure bei der vierten Generation nicht festgehalten, und außerdem aus dem Kompaktvan einen richtigen Kleinbus gemacht. Dieser trägt bei Opel nun die Zusatzbezeichnung Life und wird in drei Größen (S, M und L) gebaut. Genau wie seine Schwestermodelle Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller und Toyota Proace Verso. Hinter diesem Quartett verbirgt sich die EMP2-Plattform der Konzernmutter PSA.

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Kastenwagen mit gelungener Frontoptik

Daneben lehnt sich das Design des Zafira Life grundsätzlich an die Plattform-Brüder an: Alle vier Modelle haben eine kastenwagenförmige Silhouette mit kurzen Überhängen vorne und hinten. Auch die herausgestellten Kotflügel und markanten Sicken an den Seiten sind bei jedem der vier Marken nahezu identisch. Gleiches gilt für die runde und zugleich bullige Motorhaube, wobei jeder Hersteller der Front sein markentypisches Design verpasst hat: Beim Zafira Life ist das der markante Kühlergrill mit seinen einzelnen Chromelementen in Kacheloptik sowie einer horizontalen Spange, die in die Lichtsignatur der Schweinwerfer übergeht.

Dabei sorgen die Xenon-Scheinwerfer und das LED-Tagfahrlicht zwar optisch für mehr Dynamik, lassen in ihrer Leuchtkraft aber speziell auf dunklen Landstraßen etwas zu wünschen übrig. Hier hätten wir uns bei einigen Testfahrten das adaptive LED-Matrix-Licht aus dem Opel Insignia gewünscht. Wesentlich nüchterner kommt das Heck daher: Die vertikal angeordneten Rückleuchten sorgen zwar für ausreichend Signalwirkung, allerdings ist das klassische und kantige Heck-Design im Transporter-Stil kein Eyecatcher. Insgesamt ist die Optik allerdings gelungen.

Viel Platz und ein sehr variabler Innenraum

Obwohl der Kleinbus eine komplett neue Außenhaut trägt, ist er im Vergleich zum Vorgänger nahezu gleichlang. Das trifft allerdings nur auf den Life S zu, den uns Opel für unseren Trip an die Spitze der kroatischen Halbinsel Istrien zum Testen überlassen hat. Denn die kleinste Version der Baureihe misst nur 4,61 Meter in der Länge, und ist damit knapp zehn Zentimeter kürzer als die alte Baureihe. Trotzdem gerät mein Nachbar so richtig ins Staunen, als die elektrischen Schiebetüren mittels Knopfdruck am Autoschlüssel den Blick auf den Innenraum freigeben. Sechs Plätze hinten und richtig geräumig, befindet er. Und variabel ist er auch: Denn die beiden Sitzbänke bestehen jeweils aus einem Einzel- sowie einem Doppelsitz und sind im Verhältnis 1/3 und 2/3 umklappbar. Auf Wunsch ist auch ein Tisch und Gegensitzgruppe (Life L) erhältlich.

Während die Rüsselsheimer früher stolz darauf waren, dass alle Sitze im alten Zafira im Fahrzeug blieben und einfach im Boden versenkt werden konnten, muss man sie im Life jetzt ausbauen, wenn man mehr Stauraum im Auto braucht. Dafür funktioniert der Ausbau ganz einfach über eine rote Lasche auf der Rückseite des Sitzes. Der Einzelsitz kann dabei von einer Person ohne große Probleme aus dem Bus gehievt werden, wohingegen beim Doppelsitz zwei Personen anpacken müssen. Sind die Sitze draußen, bietet der Opel Zafira Life einen gigantischen Kofferraum mit einem Ladevolumen von 3.600 Litern.

Das Be- und Entladen am Heck ist dank der niedrigen Ladekante sehr komfortabel. Wohingegen das Öffnen der Heckklappe mit erhöhtem Kraftaufwand verbunden ist, denn bei unserem Testwagen lässt sich das gigantische Blechtor nur manuell öffnen, dafür über die komplette Fahrzeughöhe von 1,90 Metern. Gegen Aufpreis lässt sich die Heckklappe auch automatisch öffnen, und die elektrischen Schiebetüren sogar mittels Fußbewegung über Sensoren - ähnlich wie Hecklappen bei Kofferräumen. Praktisch: Bei engeren Parklücken kann man die Scheibe in der Heckklappe auch separat aufklappen, um Kleinigkeiten zu verstauen.

Wer Tetris beherrscht, ist klar im Vorteil

Für unseren Strandurlaub im kroatischen Pula mit einer zweitägigen Wandertour am Wilden Kaiser in Österreich reisen wir mit einigem Gepäck: zwei große Koffer, zwei Strandliegen, ein Schlauchboot, ein Sonnenschirm, eine Kiste Wein und diverse Taschen mit Krimskrams passen dennoch ohne große Probleme in den Van, sofern man Profi im Tetris ist. Zwar kann man die beiden Sitzreihen auf sauber eingepassten Aluschienen im Fahrzeugboden vor- und zurückschieben – allerdings nicht durchgehend, und man muss ein wenig ausprobieren. Wer also das Computerspiel Tetris aus den Neunzigern beherrscht, sollte beim Beladen des Zafira Life keine großen Probleme bekommen.

Neben reichlich Variabilität und Stauraum ist der Fond mit einem zweiteiligen Panoramaglasdach, Klimaanlage, Ausklapptischen sowie einer 220-Volt-Steckdose ausgestattet. Die Sitze sind mit weichem Leder überzogen, geben ausreichend Seitenhalt und sind selbst auf langen Strecken sehr bequem. Lediglich Armstützen haben in unserem Testwagen gefehlt. Das gilt auch für die äußeren Armlehnen der Vordersitze. Dafür sind die Vordersitze mit Sitzheizung und Massagefunktion ausgestattet. Schade, dass durchweg schwarzer Kunststoff mit einigen Aluelementen den riesigen Innenraum dominiert. Weiche Softtouch-Oberflächen sind nicht vorhanden. Die Verarbeitungsqualität kann im Opel dennoch überzeugen, und auch die Serienausstattung mit Bordcomputer, Klimaanlage, Regensensor und Tempomat fällt ordentlich aus.

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Ablagefächer mit einigen Schwächen

Auch ist das Navi mit einer aktuellen Kartenversion ausgestattet, hat bei unserem Testwagen aber keine Live-Daten über Staus oder Baustellen empfangen, sodass wir unser iPhone via Apple CarPlay über ein Kabel mit dem sieben Zoll großen Touchscreen gekoppelt haben. Allerdings haben wir eine richtige Ablagemöglichkeit für das Handy vermisst. Zwar gibt es einen kleinen Schacht im Armaturenbrett, aber bei jedem Beschleunigen fällt das Smartphone auf den Boden.

Die beiden Cupholder direkt hinter der Windschutzscheibe erwärmen durch die direkte Sonneneinstrahlung nicht nur kühle Getränke sehr schnell, auch der Thermobecher glüht nach einiger Zeit. Die Fächer in den vorderen Seitentüren sind zwar groß, aber extrem tief angebracht, sodass sich der Boden der Fächer vom Sitz aus kaum mit der Hand erreichen lässt.

Daneben klappern die Wasserflaschen durch das verbaute Hartplastik um die Wette, obwohl der Zafira Life selbst vollbeladen Fahrbahnunebenheiten recht geschmeidig wegfedert und Querfugen gelassen meistert. Die Verbundlenkerachse im Heck schickt allerdings hin und wieder kurze, harte Stöße spürbar an die Passagiere im Fond weiter. Dafür hält sich die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven in Grenzen, und das Fahrverhalten ist absolut souverän.

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Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE