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Youngtimer Reliant Scimitar SS 1: Ein echtes Spaßmobil

| Autor / Redakteur: ampnet / Thomas Günnel

Es ging ihnen schlecht in den 1970ern, den Cabrios und Roadstern. Die Ölkrise und nach hundertprozentiger Sicherheit strebende Amerikaner machten ihnen das Leben schwer. Nur wenige Modelle hielten das Fähnlein der „unbedachten“ Spaßmobile hoch.

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Die Ölkrise und neue Sicherheitsanforderungen machten in den 1970ern Cabrios und Roadstern zu schaffen. Nur wenige trotzten der Vernunft: wie der Reliant Scimitar.
Die Ölkrise und neue Sicherheitsanforderungen machten in den 1970ern Cabrios und Roadstern zu schaffen. Nur wenige trotzten der Vernunft: wie der Reliant Scimitar.
(Foto: ampnet/Weidmann)

Zu hoher Spritverbrauch und vor allem mangelnder Insassenschutz bei Überschlägen, so lauteten die Anklagepunkte. Auf der Strecke blieben nicht nur knackige britische Roadster, wie sie dereinst von Lotus oder Triumph gebaut wurden, es erwischte auch hochherrschaftliche Cabrios der Oberklasse wie die offene Baureihe von Jaguar. Mit Erscheinen des VW Golf Cabrios 1979 kam wieder ein wenig frischer Wind in die Blechkarossen. Fast jeder Hersteller bot nach und nach wieder Cabrios an. Der Mazda MX-5 löste 1989 einen Roadster-Boom aus. In jenem Jahr wurden in der Bundesrepublik über 56.000 neu Cabrios zugelassen, ein Marktanteil von rund zwei Prozent. Und die jährlichen Zuwachsraten lagen bei über zehn Prozent.

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Bis heute exotisch

Der Drang nach Ausbruch aus der automobilen Uniformität bescherte uns nicht nur Geländewagen und eine steigende Nachfrage nach Oldtimern, sondern auch den Cabrios beachtliche Zuwachsraten. Wichtiger als imposante Höchstgeschwindigkeit oder PS-Zahlen, als günstiger Verbrauch und toller Cw-Wert, als nachträgliche „Aufrüstung“ biederer Familienkutschen mit Spoilerwerk und Breitreifen, war und ist den Cabrio-Fahrern das offene Vergnügen. Besonders viel davon bot seinerzeit ein in der Bundesrepublik beinahe unbekanntes Fahrzeug, das bereits seit fünf Jahren auf dem Markt war: der Reliant Scimitar SS 1. Als eines der letzten kompakten zweisitzigen Cabrios der guten, alten britischen Machart zählte es bis heute zu den Exoten auf den (Land-)Straßen.

Deshalb kannte – und kennt – ihn auch so gut wie niemand. Und die wenigen Zeitgenossen, die am Bug des parkenden Cabrios das Emblem mit dem Krummschwert und dem winzig kleinen Schriftzug „Reliant“ entdecken, werden davon dann auch nicht wirklich schlauer. Um erklärende Worte kommt man – übrigens selbst bei Auto-Enthusiasten – kaum herum. Und beginnt das Gespräch dann vielleicht beim Reiz des Einzelstücks, über den der Scimitar auf dem Kontinent zweifellos verfügt.

Der erfolgreichste unabhängige Automobilhersteller

In Großbritannien liegt der Fall schon etwas anders. Dort gehörten die von Reliant gefertigten dreirädrigen Pkws, eine Ausgeburt der britischen Steuergesetze, nach denen ein Auto nach der Zahl seiner angetriebenen Räder besteuert wird, zum alltäglichen Erscheinungsbild in den Citys, seltener auf den Motorways. Bekannt wurde die 1935 in Tamworth gegründete Firma aber auch durch sportliche Fahrzeuge mit dem Modellnamen Scimitar, einem Sport-Kombi, der in seiner Form an Volvos berühmten „Schneewittchensarg“ erinnert. Dank dem Scimitar GT / GTE und den Dreirad-Vehikeln mit dem Namen Kitten wurde Reliant in den 1970er Jahren immerhin zum erfolgreichsten unabhängigen Automobil-Produzenten der Insel. Zwar nicht zum bekanntesten, aber immerhin: Die renommierten traditionsreichen großen Marken wie Lotus, TVR und Morgan bauen weniger Fahrzeuge, die anderen – mit höheren Stückzahlen – waren bereits in Konzernen aufgegangen.

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