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Motoren von Ford und Nissan
Der Scimitar SS 1 mit seiner charakteristischen Keilform debütierte bereits 1984 auf der Motor Show in Birmingham – der viel versprechenden Zusatz SS steht für Small Sportscar, kleiner Sportwagen. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Scimitar in Deutschland zu Preisen zwischen 27.500 und 37.900 D-Mark angeboten, in drei verschiedenen Motorvarianten. Der 1400er und der 1600er wurden von Ford-Maschinen mit 75 PS beziehungsweise 95 PS, bekannt aus Fiesta und Escort, angetrieben. Spitzenmodell war der 1800 TI mit Nissan-Turbomotor und 135 PS beziehungsweise 122 PS, in der Version mit Katalysator. Die Vorteile der fremden Antriebe lagen auf der Hand: Sie waren preiswerter als eine Eigenentwicklung und konnten bei jedem Ford- oder Nissan-Händler gewartet werden.
Karosserie aus Kunststoff
Obwohl unterschiedlich motorisiert, bot das Reliant-Rezept doch ähnliche Zutaten. Allen Modellen gemeinsam ist die vom Italiener Michelotti gezeichnete und in Kunststoff gefertigte Karosserie. Kantig und keilförmig gestylt ist sie zwar nicht nach jedermanns Geschmack, aber der nur 388 Zentimeter „lange“ Sportwagen – zehn Zentimeter kürzer als der damalige VW Golf – fiel auf im Straßenverkehr. Ob Michelotti mit dem Scimitar nun ein großer Wurf gelungen ist oder nicht, darüber lässt sich trefflich streiten. Unstrittig sind die praktischen Vorzüge des mit seiner Keilform an den Triumph TR 7 erinnernden Reliant. Front- und Heckpartie sowie die Kotflügel des Cabrios sind aus weichem Kunststoff gefertigt.
Das Material übersteht auch schon mal klag- und schadlos kleine Rempler beim innerstädtischen Parkplatz-Suchspiel. Weniger praktisch, aber zeittypisch: Die versenkbaren Schlafaugen-Scheinwerfer und der Einarm-Scheibenwischer. Solches Beiwerk sorgt mit dafür, dass der Brite selten auf Anhieb gefällt – aber er gewinnt, je länger man sich mit ihm befasst. Und, egal ob hübsch oder hässlich: Formale Eigenständigkeit ist in der Zeit automobiler Massenware ja auch schon etwas Wert.
Verzinkter Leiterrahmen
Zur Cabrio-Karosserie gesellt sich ein stabiler, feuerverzinkter Leiterrahmen und – im hier gezeigten Modell – der bereits erwähnte 1.600-m³-Motor von Ford. Bei einem Gewicht von nur knapp 900 Kilogramm errechnet sich mit der 95 PS leistenden Maschine ein Leistungsgewicht von nur 9,47 Kilo pro Pferdestärke. Das lässt einiges erwarten, aber vor das Fahren haben die Götter den Einstieg gestellt. Bis zu einer Körpergröße von etwa 1,80 Meter klappt der, etwas Übung und Beweglichkeit vorausgesetzt, auch recht anständig und problemlos. Ein wenig hinabfallen lassend, wenn der Wohlstandsbauch nicht zu üppig geraten ist, kann man sich zwischen Lenkrad und Sitz hindurch einfädeln, und das verlängerte Rückgrat landet auf den mit Alcantara bezogenen, rot eingefassten Sitzen. Markante seitliche Wülste an Sitz und Lehnen – und damit die rechte Eignung zu „Sport“sitzen – fehlen ihnen zwar, aber der Einstieg wäre durch Schalensitze sicher nur erschwert worden. Unangenehmer fällt da bereits die mangelnde Verstellmöglichkeit der Kopfstützen auf.
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