Elektromobilität Wien und Graz starten E-Taxi-Projekt mit automatisiertem Laden

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Sven Prawitz

In Österreich dürfen ab 2025 nur noch lokal emissionsfreie Taxis zugelassen werden. Die Branche muss sich also elektrifizieren. Ein großes Pilotprojekt startet dazu nun in Wien und Graz. Besonders: Die E-Taxis sollen nicht an klassischen Ladesäulen aufgeladen werden.

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Easelink setzt auf das sogenannte „Matrix Charging“. Dabei werden E-Autos per nachgerüstetem Connector mit einer Ladeplatte im Boden verbunden.
Easelink setzt auf das sogenannte „Matrix Charging“. Dabei werden E-Autos per nachgerüstetem Connector mit einer Ladeplatte im Boden verbunden.
(Bild: Easelink)

Ab 2025 sollen in Österreich nur noch Taxis zugelassen werden dürfen, die lokal emissionsfrei unterwegs sind. Wie der Taxi-Betrieb unter diesen Umständen in Zukunft aussehen könnte, erproben nun die beiden größten Städte des Landes, Wien und Graz. Dabei kommen nicht einfach komplett konventionelle Elektrofahrzeuge zum Einsatz. Stattdessen wird im Rahmen des Pilotprojekts „E-Taxi Austria“ bis 2024 der Einsatz automatisierter, konduktiver Ladetechnik des Dienstleisters Easelink getestet.

Und so soll das „Matrix Charging“ funktionieren: Die E-Autos werden mit einem Connector am Unterboden nachgerüstet. So können sie per Knopfdruck mit einer Ladeplatte im Boden physisch verbunden werden. Ein Anstecken an eine Ladesäule ist so nicht nötig. An insgesamt zehn Taxistandplätzen wollen die Projektpartner die Technologie mit insgesamt 66 VW ID4- und Hyundai Ioniq 5-Modelle testen.

Bis zu 800 Volt und 100 kW

Beide Autos unterstützen auf dem Weg AC-Laden mit 11 Kilowatt. Laut Easelink sollen in Zukunft aber auch bis zu 22 kW beim AC-Laden und bis zu 100 kW bei DC-Laden bei 800 Volt möglich sein. Die Nachrüstung der Technik sei bei den meisten gängigen E-Fahrzeugen problemlos möglich, sagt Easelink-Gründer und Geschäftsführer Hermann Stockinger. Auch die Ladeplatten seien „robust und wartungsfrei und lassen sich sowohl im öffentlichen Raum als auch in der privaten Garage installieren.“

Paul Gredler Oxenbauer, Gruppenleiter beim Projektpartner Wien Energie, erklärte, dass es für einen elektrischen Taxi-Betrieb vor allem eine robuste Ladetechnologie brauche, die barrierefrei integriert werden könne. Diese Anforderungen erfülle das Matrix Charging. „Durch den dezentralen Aufbau der Ladeinfrastruktur und einer hohen Verbindungszeit der Fahrzeuge mit den Ladepunkten, kann eine netzdienliche Integration in das städtische Stromnetz erreicht werden“, so Oxenbauer. Auch Siegfried Nagl, Bürgermeister der Stadt Graz, ist überzeugt. „Mit dem Projekt E-Taxi 2.0 machen wir Graz zukunftsfit und starten ein internationales Leuchtturmprojekt im urbanen Verkehr“, sagte er.

Projektpartner Hyundai

Easelink wiederum verspricht nicht nur eine robuste Technik, sondern weitere Vorteile: So sei es beispielsweise problemlos möglich, das Taxi während des Ladevorgangs ohne Verluste zu heizen oder zu kühlen. Außerdem entfielen unwirtschaftliche Fahrten zu Ladesäulen.

Neben den bereits genannten Unternehmen sind einige weitere Partner an dem Projekt beteiligt, darunter die Wirtschaftskammern Wien und Steiermark, die Taxianbieter Taxi 40100 und 31300 sowie Hyundai. Gefördert wird das Vorhaben mit Mitteln aus dem Klima- und Energiefonds des Programms „Zero Emission Mobility Implementation“.

Die Idee des konduktiven Ladens ist rund um die Autobranche immer mal wieder präsent. So stellte beispielsweise der chinesische Hersteller Wey vor einigen Jahren bei der IAA entsprechende Prototypen vor. Auch in diesem Jahr gab es bei der IAA Mobility in München derartige Konzepte zu sehen. Dort demonstrierten etwa Easelink und Schaeffler gemeinsam den Einsatz der Technik im sogenannten „Rolling Chassis“, einem vollautomatisierten People Mover.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility