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Wirtschaft

„Zulieferer sind oft abhängig von zu wenigen Banken“

| Autor/ Redakteur: Svenja Gelowicz / Maximiliane Reichhardt

Bei den Zulieferern läuft es nicht wie gewohnt, die Banken werden vorsichtiger bei der Kreditvergabe. Was das für die Unternehmen bedeutet und welche Fehler sie bei Finanzierungen machen, erklärt Bastian Drowin vom Finanzierungsvergleichsportal Compeon.

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Automobilzulieferer wie Continental müssen sich auf einen Abschwung gefasst machen. Das Unternehmen fertigt unter anderem Leistungselektronik für verschiedene Fahrzeugmodelle.
Automobilzulieferer wie Continental müssen sich auf einen Abschwung gefasst machen. Das Unternehmen fertigt unter anderem Leistungselektronik für verschiedene Fahrzeugmodelle.
(Bild: Continental AG)

Herr Drowin, die Zulieferbranche ist im Abschwung. Eine aktuelle Studie berichtet von den Folgen, die sind zum Beispiel sinkende Profitabilität oder Überkapazitäten. Welche Auswirkungen hat die Flaute auf die Branche und wie können sich Unternehmen für die Zukunft rüsten?

Automobilzuliefern muss spätestens jetzt klar sein: Die Rezession ist nicht eines von vielen möglichen Szenarien. Bereits jetzt gibt es klare Anzeichen für einen wirtschaftlichen Abschwung. Der Auftragseinbruch ist spürbar und die großen Finanzinstitute haben das erkannt. Erst gerade ist öffentlich geworden, dass viele Banken offenbar umsteuern und weniger Kredite an Zulieferer vergeben wollen.

Bastian Drowin ist Firmenkundenberater bei Compeon mit Sitz in Stuttgart. In dieser Rolle berät er unter anderem schwerpunktmäßig Autozulieferer.
Bastian Drowin ist Firmenkundenberater bei Compeon mit Sitz in Stuttgart. In dieser Rolle berät er unter anderem schwerpunktmäßig Autozulieferer.
(Bild: Compeon)

Für die Zulieferer selbst heißt dies, dass jetzt allerhöchste Zeit ist, Finanzierungen aufzunehmen, um eine feste Basis für eine mögliche Rezession zu schaffen – und zwar, noch bevor die Konditionen schlechter werden. Gerade kleinere und spezialisierte Zulieferer stehen ja von mehreren Seiten aus unter Druck: Neben der Rezession sorgen auch Faktoren wie der strukturelle Wandel hin zur E-Mobilität oder die sinkende Nachfrage aus China für Unruhe. Wenn sie jetzt klug finanzieren, können sie ihre Geschäftsmodelle so anpassen, dass die Margenbringer mit dem größten Potenzial entsprechend in den Mittelpunkt gerückt werden, während an weniger essenziellen Punkten gespart werden kann.

Warum sollten Unternehmen Finanzierungen aufnehmen, wenn die eigenen Kassen doch noch gut gefüllt sind?

In der jetzigen Situation weiter alles aus eigener Tasche zu bezahlen und Finanzierungen aufzuschieben, könnte bereits mittelfristig fatal sein. Im Augenblick haben die meisten Zulieferer noch Zugang zu vielen Finanzierungsanbietern und können günstige Konditionen erhalten und gleichzeitig ihre Liquidität schonen. Werden die Zeiten schlechter und wurde vorher finanziell vorgesorgt, sind die Kassen noch gut gefüllt und nötige Ausgaben können eigenständig aus eben jenen eigenen Mitteln getätigt werden.

Andersherum funktioniert das leider nicht: Wird nicht vorgesorgt und werden jetzt keine weiteren Fremdmittel aufgenommen, sind die Kassen genau dann leer, wenn die eigene Liquidität besonders gebraucht wird – nämlich, wenn die Rezession zugeschlagen hat und keine passenden Finanzierungen mehr zu haben sind. So ein Worst-Case-Szenario kann Unternehmen das Genick brechen.

Was sind typische Fehler, die mittelständische Unternehmen ihrer Erfahrung nach bei der Suche nach einer passenden Finanzierung machen?

Wir sehen bei Automobilzulieferern drei grundlegende Schwachstellen, wenn es um Finanzierungen geht: Erstens sind sie oftmals abhängig von zu wenigen Banken. Ein Ergebnis unserer hauseigenen Studie zur Mittelstandsfinanzierung ist, dass gut acht von zehn der befragten Mittelständler nur ein bis zwei gewerbliche Bankverbindungen haben. Wenn jetzt eine Bank im Bereich Zulieferer vorsichtiger handelt, wird es schwer, eine Alternative zu finden. Deshalb empfehlen wir, so früh wie möglich weitere Bankverbindungen ins Portfolio aufzunehmen und das Risiko so auf mehr Schultern zu verteilen. Das baut Abhängigkeiten ab und erhöht die Wahlmöglichkeiten.

Zweitens fehlt vielen Unternehmen ein guter Überblick über mögliche Finanzierungsprodukte. Neben dem klassischen Bankkredit oder einer Kontokorrentfinanzierung gibt es auch zahlreiche andere Möglichkeiten, die oftmals sogar deutlich besser passen. Deshalb sollten sich Zulieferer dringend damit auseinandersetzen, wie ein geeigneter – und breiter – Finanzierungsmix aussehen kann. Stichworte sind hier Leasing, Factoring und Einkaufsfinanzierungen. Und wenn – drittens – erst dann nach dem Telefonhörer gegriffen wird, wenn es bereits spürbare Liquiditätsprobleme gibt, ist es zu spät. Dann wird es für jeden Finanzierungspartner schwierig einzusteigen. Aus diesem Grund gilt auch hier wieder: Wer früher finanziert, ist besser dran.

Worauf kommt es dann an?

Finanzierungsanbieter müssen das Geschäftsmodell ihres Kunden zumindest gut genug verstehen, um es realistisch einschätzen zu können. Das ist gerade bei technischen Themen und Investitionen nicht immer einfach. Deshalb ist es wichtig, nicht immer automatisch nur mit der Hausbank zu arbeiten. Da ist bei vielen Unternehmen noch Luft nach oben – laut unserer Umfrage holen rund drei Viertel der befragten Unternehmen maximal drei Angebote ein.

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