Übernahme Bietergefecht um Veoneer: Qualcomm gewinnt gegen Magna

Autor: Svenja Gelowicz

Der Chipfertiger Qualcomm hat mit seiner Offerte Magna deutlich übertrumpft und erhält nun den Zuschlag für den ADAS-Bereich von Veoneer. Wie es mit dem schwedischen Zulieferer weitergeht.

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Veoneer-Chef Jan Carlson sieht in der Übernahme viele Chancen für den schwedischen Zulieferer.
Veoneer-Chef Jan Carlson sieht in der Übernahme viele Chancen für den schwedischen Zulieferer.
(Bild: Veoneer)

Sowohl Magna als auch Qualcomm hatten Angebote für den schwedischen ADAS-Spezialisten Veoneer hingelegt. Den Zuschlag erhält nun der Hersteller von Snapdragon-Chips, dessen Offerte deutlich über dem liegt, was Magna bereit war zu zahlen. Für 37 US-Dollar pro Aktie, also etwa 4,5 Milliarden Dollar, darf Qualcomm nun Veoneer übernehmen. Das haben die Unternehmen am Montag (4. Oktober) mitgeteilt. Die Übernahme soll im nächsten Jahr abgeschlossen werden.

Magna – weltweit fünftgrößter Automobilzulieferer – und Veoneer hatten Ende Juli bereits einen Fusionsvertrag unterzeichnet. Für 31,2 Dollar pro Aktie wollte das kanadisch-österreichische Unternehmen den Zulieferer kaufen. Nun verzichtet Magna eigenen Angaben zufolge auf eine viertägige Frist, in der es ein Gegenangebot darlegen könnte. Die Fusion platzt damit, Veoneer muss eine Auflösungsgebühr von 110 Millionen Dollar an Magna zahlen.

Veoneer: Attraktiv durch Fahrerassistenzsysteme

Qualcomm kauft Veoneer gemeinsam mit der New Yorker Investorenfirma SSW Partners. Im Detail heißt das laut einer Mitteilung von Veoneer, dass SSW Partners alle Aktien von Veoneer kaufen und das „Arriver“-Geschäft an Qualcomm verkaufen wird. Der Chipkonzern arbeitet mit Veoneer unter der Marke Arriver bei Fahrerassistenzsystemen bereits seit Anfang des Jahres zusammen. Qualcomm will Arriver nun in sein eigenes Fahrerassistenzsysteme-Geschäft eingliedern. Damit will sich der Chipkonzern im Wettbewerb um ADAS-Plattformen stärker aufstellen. Qualcomm tritt dabei gegen Konkurrenten wie Intel oder Nvidia an. Das Unternehmen sucht derzeit nach Geschäftsfeldern außerhalb der Smartphone-Branche. Zu Beginn des Jahres hatte der Konzern schon das Chip-Start-up Nuvia für 1,4 Milliarden Dollar übernommen.

Zwei Veoneer-Bereiche werden weiterverkauft

Die Geschäftsbereiche „Restraint Control Systems“ und „Active Safety“ bleiben bei SSW, die nach „langfristigen strategischen Partnern“ für die Felder suchen und das bestehende Geschäft sichern wollen. Veoneer-Chef Jan Carlson sagte am Montag: „Die Transaktion bietet attraktive Möglichkeiten für unser Arriver-Team bei Qualcomm und ermöglicht es unseren anderen Geschäftsbereichen, langfristige Industriepartner zu finden, bei denen sie sich weiter entwickeln können.“

Der Bereich der Rückhaltesysteme ist gemeinsam mit der aktiven Sicherheit der größte Umsatzbringer für das schwedische Unternehmen. Beide Geschäftsbereiche waren 2020 für 94 Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von 1,37 Milliarden Dollar verantwortlich (2019: 80 %). Die Umsätze mit den Fahrerassistenzsystemen – unter anderem Mono-, Stereo- und Nachtsichtkameras, Steuergeräte sowie Radarsensoren – sind bisher teil der Einheit „Active Safety“. Welchen Anteil ADAS am Umsatz hat, schlüsselt der Geschäftsbericht nicht auf.

Aus Autoliv hervorgegangen

Veoneer ist ein Spin-off des Automobilzulieferers Autoliv. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Software, Hardware und Systeme für Fahrerassistenzsysteme, automatisiertes Fahren und Passagierschutz. Zum Portfolio gehört Sensorik wie Radar und Lidar, Bildverarbeitungssysteme oder elektronische Steuergeräte für ADAS-Systeme. Damit ist Veoneer zum gefragten Übernahmekandidaten geworden. Magna wollte Veoneer nach Abschluss der Übernahme in seine Elektroniksparte integrieren und mit dem vorhandenen ADAS-Geschäft zusammenlegen.

Der größte Kunde ist nach eigenen Angaben der Stuttgarter Autobauer Daimler, Veoneer liefert beispielsweise ADAS-Software und Radar-Technik für die S-Klasse. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Stockholm.

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Svenja Gelowicz

Redakteurin im Ressort Management